Apple hat parallel zu den heutigen Q2-Zahlen auch den Ausblick auf das laufende Juni-Quartal geliefert. Das Unternehmen rechnet mit einem Umsatzwachstum von 14 bis 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr – trotz der globalen Speicherknappheit. Gleichzeitig signalisiert die Bruttomargen-Prognose, dass der Memory-Druck nun spürbar in der Bilanz ankommt.
Bei Apples Earnings Calls steht traditionell nicht nur das gerade abgeschlossene Quartal im Fokus, sondern auch der Ausblick auf das nächste. Genau diese Forward Guidance hat Apple heute ebenfalls geliefert – und sie liefert spannende Aufschlüsse darüber, wie das Management die kommenden Monate einschätzt. Nach den starken Q2-Rekordzahlen hatten Wall-Street-Analysten gespannt auf die Frage gewartet, ob Apple den Wachstumskurs auch ins Juni-Quartal mitnimmt. Die Antwort: Ja – mit einer wichtigen Margen-Einschränkung.
Die Guidance im Überblick
CFO Kevan Parekh hat die folgenden Eckwerte für das dritte Geschäftsquartal 2026 (April bis Juni) ausgegeben:
- Umsatzwachstum: 14 bis 17 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal
- Bruttomarge: zwischen 47,5 und 48,5 Prozent
- Operative Aufwendungen: zwischen 18,8 und 19,1 Milliarden Dollar
- Sonstige Erträge/Aufwendungen (OI&E): rund 250 Millionen Dollar
- Steuerquote: rund 17 Prozent
Apple weist explizit darauf hin, dass diese Prognose Apples „beste Sicht unter eingeschränkter Lieferverfügbarkeit“ widerspiegelt – ein klarer Verweis auf die anhaltende globale Speicher- und Chip-Knappheit. Außerdem stellt Apple die Annahme klar, dass die aktuell geltenden Zollraten und politischen Rahmenbedingungen unverändert bleiben und sich die globale Makrolage nicht verschlechtert.
Was das Umsatzwachstum bedeutet
Mit einem Wachstumskorridor von 14 bis 17 Prozent wäre Apple im Juni-Quartal weiter klar im zweistelligen Bereich. Im Q3 2025 hatte Apple einen Umsatz von rund 94 Milliarden Dollar erzielt – eine Steigerung um 14 bis 17 Prozent würde demnach in einer Spanne von rund 107 bis 110 Milliarden Dollar landen. Das wäre ein außergewöhnlicher Wert für ein Juni-Quartal, das saisonal nicht zu Apples stärksten zählt.
Treiber des Wachstums dürften die iPhone-17-Familie als populärstes Lineup in Apples Geschichte, die anhaltend hohe Mac-Nachfrage und die Services-Sparte sein. Wichtig zur Einordnung: Apple hat die Guidance ausdrücklich „unter eingeschränkter Versorgung“ kalkuliert. Würde der Speicher- und Chip-Engpass schneller abklingen als erwartet, könnten die Zahlen sogar noch besser ausfallen.
Bruttomarge: Der Speicherdruck wird sichtbar
Spannender als das reine Umsatzziel ist der Margen-Ausblick. Im Q2-Quartal hatte Apple noch eine Bruttomarge von 49,2 Prozent gemeldet. Für das Juni-Quartal liegt die prognostizierte Spanne bei 47,5 bis 48,5 Prozent – also rund 1 Prozentpunkt darunter. Das ist exakt das, was CFO Parekh schon mit Blick auf den steigenden Memory-Druck angekündigt hatte.
Der Hintergrund: Apple verbaut in iPhones, iPads und Macs zunehmend mehr DRAM und NAND-Speicher pro Gerät – gleichzeitig ziehen die Speicherpreise weltweit kräftig an, weil Hyperscaler wie Google, Microsoft, OpenAI und Anthropic den Markt für KI-Rechenzentren leerräumen. Apple hat das in den vergangenen Quartalen über langfristige Lieferverträge weitgehend abgefedert, kommt aber an einzelnen Stellen sichtbar an Grenzen.
Eine Margen-Spanne von 47,5 bis 48,5 Prozent ist im historischen Vergleich trotzdem stark – sie liegt komfortabel im oberen Bereich dessen, was Apple in den vergangenen zehn Jahren als „normal“ bezeichnet hat. Aus Investorensicht ist die Botschaft also: Der Druck ist real, aber kontrolliert.
Services: Wachstum bleibt stark
Beim Services-Geschäft bleibt Apple ebenfalls optimistisch. Parekh kündigte für das Juni-Quartal eine ähnliche Wachstumsrate wie im März-Quartal an – allerdings nach Bereinigung um positive Wechselkurseffekte. Im Q2 hatte die Services-Sparte mit 30,98 Milliarden Dollar Umsatz und 16 Prozent Wachstum ein neues Allzeithoch erreicht. Sollte sich diese Dynamik im Juni-Quartal halten, würde der Services-Umsatz erneut bei rund 30 Milliarden Dollar oder leicht darüber landen – und damit wieder rund ein Viertel des Gesamtumsatzes ausmachen.
Damit bleibt der Bereich App Store, Apple Music, iCloud, Apple TV, Apple Arcade, AppleCare, Werbung und Zahlungsdienste auch im neuen Quartal Apples wichtigster Margen- und Wachstumsmotor – unabhängig davon, was in der Hardware-Lieferkette gerade passiert.
iPad: Schwierige Vergleichsbasis
Eine kleine Warnung gibt Apple beim iPad mit auf den Weg. Hier hatte das Vorjahresquartal vom Launch des A16-Modells profitiert, was die Vergleichswerte schwer schlagbar macht. Parekh sprach offen von einem „schwierigen Vergleich“. Kurz: Sollte der iPad-Umsatz im Juni-Quartal stagnieren oder leicht zurückgehen, ist das nicht zwingend ein Warnsignal, sondern eine erwartbare Folge der Saisonalität.
Zwei zentrale Annahmen unter dem Ausblick
Zwei Punkte, die in den Schlagzeilen oft untergehen, aber für die Einordnung der Guidance entscheidend sind: Apples Prognose unterstellt erstens, dass die aktuell geltenden Zollraten und Handelsbedingungen unverändert bleiben. Zweitens, dass sich die globale Makrolage nicht verschlechtert. Beide Annahmen klingen banal, sind es aber nicht – das geopolitische Umfeld bleibt fragil, und ein erneutes Aufflammen des US-China-Zollthemas könnte die Zahlen schnell verändern.
Apple verwendet diese Formulierung seit einigen Quartalen konsequent. Sie ist der Konzern-Standardweg, eine Prognose abzugeben, ohne Verantwortung für externe Schocks zu übernehmen. Investoren wissen das einzuordnen – und reagieren in der Regel gelassen darauf.
WWDC und Beta-Zyklus fallen ins Juni-Quartal
Inhaltlich liefert das Juni-Quartal traditionell weniger Hardware als andere Quartale, dafür aber wichtige Software-Impulse: Vom 8. bis 12. Juni 2026 läuft die WWDC, auf der Apple iOS 27, macOS 27, watchOS 27, visionOS 27, iPadOS 27 und tvOS 27 vorstellt. Die Auswirkungen auf den Q3-Umsatz selbst sind begrenzt, aber für den Stimmungs- und Erwartungswert beim Markt enorm. Wenn Apples Software-Roadmap für 2026/2027 überzeugt, dürfte das die Aktie auch unabhängig von den Zahlen stützen.
Cooks letzte Guidance als CEO
Aus zeitlicher Sicht ist die heutige Q3-Guidance ein besonderer Moment: Sie deckt Cooks letzte Monate als operativ verantwortlicher CEO ab. Den entsprechenden Earnings Call mit den Q3-Resultaten Ende Juli wird Cook ebenfalls noch leiten – es wird sein finaler Auftritt als amtierender CEO. Bereits am 1. September übernimmt John Ternus, der heute schon kurz auf dem Earnings Call sprach. Damit ist die Guidance auch ein Vermächtnis: Cook übergibt seinem Nachfolger nicht nur ein Rekordquartal, sondern auch eine Forward-Prognose, die Apple weiter klar im Wachstumsbereich verortet. Die besten Produkte für dich: Unsere Amazon Storefront bietet eine breite Auswahl an Zubehörteilen, auch für HomeKit. (Bild: Shutterstock / nicepix)
- China-Geschäft: Cook erklärt, warum Apple wieder zulegt
- John Ternus: Erster Earnings-Call-Auftritt als designierter Apple-CEO
- iPhone 17: Apples populärstes Lineup aller Zeiten
- Mac-Lineup boomt: Cook bestätigt Lieferengpass beim Mac mini
- iPhone 17: Tim Cook spricht von einer Nachfrage „off the charts“
- Apple Q2 2026: Rekord-Quartal mit 111,2 Milliarden Dollar Umsatz
- iPhone 17 Pro und iPhone Air: Ladeproblem nach komplett leerem Akku
- Apple-KI testet mehrere Lösungswege parallel
- Satelliten-Smartphones: Apple dominiert den Markt klar
- Ternus muss früh über iPhone-Preise und US-Produktion entscheiden
- Apple gegen Epic Games: Berufungsgericht hebt Aussetzung auf
- Apple TV erhält sechs Nominierungen bei Gotham TV Awards
- UBS hebt Kursziel für Apple an – kurz vor den Quartalszahlen
- Apple Vision Pro: Erste Katarakt-OP weltweit erfolgreich
- Claude bekommt neun neue Connectors für Kreativ-Tools
- Ted Lasso Staffel 4: Start am 5. August auf Apple TV
- Apple TV: Umfrage bei Abonnenten zu Inhalten und Sport
- App Store: Neue Monatsabos mit 12-Monats-Verpflichtung kommen
- Severance: Adam Scott kennt das Ende und kündigt Überraschungen an
- iOS 26.5 Beta 4: Apple schließt die Testphase ab
- John Ternus zu Apple Services: „So viele Möglichkeiten“ für Wachstum
- Warum der 1. September für Ternus‘ CEO-Start entscheidend ist



