Von einst sieben geplanten Kopf-Geräten soll bei Apple nur noch eine schmale Auswahl übrig sein: zwei Brillen, sonst nichts. Den drastischen Kurswechsel soll ausgerechnet Apples künftiger CEO John Ternus persönlich abgesegnet haben.
Ming-Chi Kuo hatte vor knapp einem Jahr eine umfangreiche Roadmap für Apples Vision-Produkte gezeichnet – nun folgt eine Aktualisierung, die die Liste massiv eindampft. Demnach konzentriere sich Apple künftig fast ausschließlich auf Brillen, während die übrigen Pläne aus dem Fahrplan verschwunden seien. Das steht in einem gewissen Spannungsverhältnis zu früheren Tönen aus Cupertino, etwa als Ternus mit Blick auf die Vision Pro betonte, man sei „erst am Anfang“. Genau dieser Ternus soll den neuen, deutlich schlankeren Kurs nun verantworten.
Von sieben Plänen bleiben zwei
Im vergangenen Juni gab Kuo an, Apple habe sieben am Kopf getragene Geräte in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Eines davon, die Vision Pro mit M5-Chip, ist inzwischen erschienen. Von den sechs verbliebenen Produkten sollen dem aktualisierten Bericht zufolge jedoch nur noch zwei aktiv weiterentwickelt werden.
Konkret handele es sich um zwei Brillen-Varianten: zum einen eine displaylose KI-Brille, die 2027 auf den Markt kommen solle, zum anderen eine mit Display ausgestattete AR/XR-Brille, deren Start nun für 2029 vorgesehen sei. Die Display-Variante solle dabei auf optische Wellenleiter setzen. Alle übrigen Geräte – darunter sämtliche potenziellen Nachfolger der Vision Pro – seien aus dem Fahrplan gestrichen. Damit rücken die seit Längerem kursierenden Apple Glasses ins Zentrum von Apples Ambitionen im Bereich der tragbaren Displays.
Der designierte CEO als treibende Kraft
Bemerkenswert ist vor allem, wer hinter der Kurskorrektur stehen soll. Laut Kuo hat Apples nächster CEO die grundlegende Überarbeitung des Fahrplans freigegeben. Die Entscheidung würde damit unmittelbar in die Amtsübergabe an der Konzernspitze fallen und einen der ersten sichtbaren strategischen Akzente des neuen Führungskurses markieren.
Für die Vision-Sparte hätte das weitreichende Folgen: Statt einer breiten Produktfamilie mit mehreren Headset-Generationen liefe alles auf zwei Brillen hinaus. Die Vision Pro bliebe in dieser Lesart ein Solitär ohne unmittelbar geplanten Nachfolger.
Ein Widerspruch zu jüngsten Berichten
So eindeutig der Bericht klingt, so sehr reibt er sich an anderen Informationen. Erst in dieser Woche hieß es aus einer weiteren gut vernetzten Quelle, Apple arbeite sehr wohl an einem schlankeren und leichteren Headset als Nachfolger der 3.499 Dollar teuren Vision Pro. Ein Marktstart wird dort allerdings frühestens für 2028 oder 2029 erwartet.
Pikant ist das auch deshalb, weil dieselbe Quelle zuvor berichtet hatte, Apple habe seinen vollen Fokus auf Smart Glasses verlagert und verfolge keine aktiven Pläne für einen Vision-Pro-Nachfolger. Für die Differenz gibt es zwei plausible Erklärungen: Entweder beruht der aktuelle Roadmap-Bericht auf einem älteren Informationsstand, oder ein möglicher Nachfolger steckt noch in einer derart frühen Phase, dass er in keinem Fahrplan auftaucht. Andere Berichte deuten ohnehin darauf hin, dass die Vision-Pro-Entwicklung trotz interner Umstrukturierung weitergeht.
Was die WWDC bringen könnte
Klarheit könnte schon bald die anstehende Entwicklerkonferenz liefern. Mit visionOS 27 stünde das nächste große Software-Update für die Vision Pro an, das zumindest einen Eindruck davon vermitteln dürfte, wie ernst es Apple mit der Plattform weiterhin meint. Welche Neuerungen die Vision Pro mit visionOS 27 konkret erwarten dürften, ist bereits in Umrissen bekannt – die Keynote sollte das Bild schärfen.
Die Brille rückt ins Zentrum, das Headset an den Rand
Sollte sich der Bericht bewahrheiten, vollzieht Apple einen bemerkenswerten Schwenk: weg vom hochpreisigen, technisch maximalen Headset, hin zur leichteren, alltagstauglicheren Brille. Das wäre weniger ein Rückzug aus der Kategorie als eine Verschiebung der Prioritäten – die Vision Pro hätte ihre Rolle als teures Schaufenster der Technik erfüllt, während die Zukunft in einem zugänglicheren Formfaktor läge.
Gegen eine vorschnelle Deutung spricht jedoch die widersprüchliche Quellenlage. Solange zwei renommierte Berichte unterschiedliche Bilder zeichnen, bleibt offen, ob die Vision Pro tatsächlich ohne Erben dasteht oder ob ihr Nachfolger lediglich noch zu früh dran ist, um in einem Fahrplan aufzutauchen. Die kommenden Monate – beginnend mit der Entwicklerkonferenz – dürften zeigen, welche Linie sich unter der neuen Führung durchsetzt. (Bild: Shutterstock / Peshkova)
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