In der Android-Version von Apple Music sind Textbausteine aufgetaucht, die auf neue Abo-Stufen hindeuten – möglicherweise sogar auf ein kostenloses Modell. Pikant ist das Timing: Erst vor wenigen Wochen hatte Apples Musik-Chef ein Gratis-Angebot noch als schlechte Idee bezeichnet. Bestätigt ist bislang nichts, doch die Hinweise sind konkret genug, um Fragen aufzuwerfen.
Apple Music ist seit dem Start einer der wenigen großen Streamingdienste ohne kostenlose Stufe – ein bewusster Unterschied zu Spotify und anderen Anbietern. Genau dieses Alleinstellungsmerkmal könnte nun ins Wanken geraten. Da Apple das Dienstegeschäft als zentralen Wachstumsbereich mit großem Ausbaupotenzial betrachtet, wäre ein günstigerer oder kostenloser Einstieg ein naheliegender Hebel, um mehr Menschen ins Ökosystem zu holen.
Was in der Android-Beta auftauchte
Entdeckt hat die Hinweise Aaron Perris, der in der jüngsten Beta der Apple-Music-App für Android zwei auffällige Textbausteine fand. Der eine signalisiert, dass eine bestimmte Aktion einen „Premium“-Zugang voraussetzt. Der zweite ist eine Fehlermeldung mit dem Wortlaut „Can’t skip any more tracks“, die erscheint, sobald ein Limit beim Überspringen von Titeln erreicht ist.
Solche Formulierungen ergeben nur dann Sinn, wenn es künftig unterschiedliche Zugriffsebenen gibt. In einem reinen Bezahlmodell, in dem jeder Abonnent ohnehin vollen Zugriff hat, bräuchte es weder einen Hinweis auf „Premium“ noch ein Skip-Limit. Für Perris deutet das auf ein kostenloses oder zumindest günstigeres Angebot hin.
Apple Music: Noch ist nichts bestätigt
Wie ein solches Modell genau aussehen würde, ist offen. Ob Apple eine komplett kostenlose Stufe plant oder lediglich mehrere Abos zu unterschiedlichen Preisen, geht aus den Funden nicht hervor. Perris selbst schränkt ein, dass die Textbausteine theoretisch auch zu einer anderen Funktion gehören könnten – etwa zu Radiosendern.
Für die Lesart eines Gratis-Angebots spricht allerdings der Blick auf die Konkurrenz. Beschränkungen wie ein Skip-Limit sind ein klassisches Merkmal kostenloser Tarife, wie man sie von Spotify und anderen Diensten kennt. Spotify bewirbt das unbegrenzte Überspringen von Titeln bis heute ausdrücklich als Vorteil seiner Bezahlabos. Ein Skip-Limit bei Apple Music würde damit exakt in das Muster passen, mit dem die Branche Gratis- von Bezahlnutzern trennt.
Apples bisherige Haltung zum „Free“-Modell
Besonders bemerkenswert sind die Funde vor dem Hintergrund einer aktuellen Aussage aus dem Hause Apple. Erst rund einen Monat zuvor hatte Oliver Schusser, Chef von Apple Music, in einem Interview deutlich gemacht, dass er ein kostenloses Modell für einen Fehler halte. Apple Music sei der einzige große Dienst ohne Gratis-Stufe – und darauf sei man durchaus stolz.
Dass nun ausgerechnet in einer Beta entsprechende Textbausteine auftauchen, muss diese Haltung nicht widerlegen, zeigt aber, dass Apple zumindest mit den technischen Voraussetzungen experimentiert. Unter dem designierten CEO John Ternus gibt es ohnehin Signale, dass Apple seine Dienste konsequenter auf Wettbewerbsfähigkeit trimmen will. Ein attraktiverer Einstieg in Apple Music würde in dieses Bild passen.
Apple Music: Warum eine Ankündigung näher rücken könnte
Dass die Textbausteine bereits in einer Beta stecken, gilt als Indiz dafür, dass eine entsprechende Neuerung nicht mehr weit entfernt sein könnte – Funktionen tauchen selten im Code auf, ohne dass dahinter konkrete Pläne stehen. Ein fester Termin oder offizielle Details fehlen jedoch weiterhin.
Aktuell führt an einem kostenpflichtigen Abo kein Weg vorbei: Apple Music kostet in Deutschland 10,99 Euro pro Monat, der erste Monat ist gratis. Sollte tatsächlich eine günstigere oder kostenlose Stufe folgen, wäre das eine der größten strategischen Kehrtwenden in der Geschichte des Dienstes – und ein deutliches Zeichen, dass Apple den Wettbewerb um Hörer offensiver angeht als bisher. (Bild: Apple)
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