Der chinesische Smartphone-Markt schrumpft das fünfte Quartal in Folge, und trotzdem legt Apple kräftig zu. Der Grund für diesen Erfolg ist allerdings genau der Punkt, der im zweiten Halbjahr zum Problem werden könnte.
Die Marktforscher von IDC haben ihre Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vorgelegt, und darin steigen Apples Auslieferungen in China um 24,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr – das stärkste Wachstum unter allen großen Herstellern. Der Marktanteil klettert von 13,9 auf 18,1 Prozent, womit fast jedes fünfte in China ausgelieferte Smartphone ein iPhone war. Dass Apple dort wieder auf den zweiten Rang vorgerückt ist, zeichnete sich bereits ab – die Quartalsbilanz liefert nun die Größenordnung dazu.
Zwei Gewinner in einem schrumpfenden Markt
Der Gesamtmarkt gab um 4,3 Prozent nach, rund 66 Millionen Geräte wurden im Quartal ausgeliefert. Es ist das fünfte Quartal in Folge mit einem Minus im Jahresvergleich. Huawei bleibt mit 22,6 Prozent Marktführer und ist neben Apple der einzige große Hersteller, der überhaupt zulegen konnte. Alle übrigen verloren – ein Anbieter brach um 60,8 Prozent ein.
Als Ursachen nennt IDC steigende Speicher- und Komponentenkosten, auslaufende staatliche Kaufsubventionen und eine schwächere Konsumnachfrage, die sich besonders im 618-Shopping-Festival zeigte, dem größten Verkaufsereignis des chinesischen Sommers.
Stabile Preise als entscheidender Hebel
Huawei und Apple hielten ihre Preise stabil, während der Rest des Android-Feldes anzog – so beschreibt IDC den Kern der Verschiebung. Beide flankierten das mit gezielten Aktionen. Huawei verbreiterte zusätzlich sein Sortiment, um mehr Marktsegmente abzudecken.
Bei Apple kommt ein zweiter Faktor hinzu, und der ist der eigentlich interessante: Weil das Unternehmen frühzeitig signalisiert hat, dass die Produkte des zweiten Halbjahres teurer werden, zogen Käufer ihre Entscheidung vor und griffen früher zur iPhone-17-Reihe, als sie es sonst getan hätten. Die Ankündigung künftiger Preiserhöhungen wirkte damit wie ein Verkaufsargument für die Gegenwart.
Vorgezogene Käufe fehlen später
Genau darin liegt die Kehrseite. Nachfrage, die ins zweite Quartal vorgezogen wurde, steht im dritten und vierten nicht mehr zur Verfügung. IDC rechnet ohnehin damit, dass die Kostenwelle erst noch durchschlägt: Bisher hätten die Hersteller von günstig eingekauften Komponentenbeständen gezehrt, und wenn diese aufgebraucht sind, landet der Druck mit voller Wucht in der zweiten Jahreshälfte. Beim aktuellen Trend könnte der chinesische Markt dann um rund 20 Prozent unter dem Vorjahr liegen.
Ein Gegenargument liefert IDC gleich mit: Wer den Kauf heute aufschiebt, kauft irgendwann trotzdem. Der aufgestaute Bedarf könnte sich entladen, sobald sich die Bedingungen bessern.
Dieselbe Kostenwelle trifft auch Europa
Die Speicherpreise, die in China die Android-Hersteller zu Preiserhöhungen zwingen, sind kein regionales Phänomen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz hat Apple Macs, iPads und die Vision Pro bereits verteuert, und Tim Cook hat weitere Anpassungen offen in Aussicht gestellt. Was in den IDC-Zahlen als Wettbewerbsvorteil erscheint – Apple hielt die Preise, andere nicht –, ist also eher eine Frage des Zeitpunkts als eine der Immunität.
Für Käufer hierzulande folgt daraus eine simple Konsequenz: Der Kostendruck, der den chinesischen Markt gerade schrumpfen lässt, ist derselbe, der die Preisschilder in Europa nach oben bewegt.
Die Probe aufs Exempel kommt am 30. Juli
Das von IDC vermessene Quartal ist exakt jenes, über das Apple in zwei Wochen berichtet: Das dritte Fiskalquartal des Unternehmens deckt April bis Juni ab. Bei den Zahlen am 30. Juli wird der Umsatz in Greater China deshalb genauso interessant sein wie die Prognose fürs laufende Quartal. Sie ist der Punkt, an dem sich zeigt, ob Apple den Vorzieheffekt einkalkuliert hat. (Bild: Shutterstock / Anna Hoychuk)
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