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WhatsApp arbeitet an Backup-Alternative zu iCloud

by Milan
14. Juli 2026 - 14:21
in Apple News
WhatsApp Backup

Bild: Shutterstock / Primakov

Chat-Backups sollen künftig nicht mehr zwingend in iCloud landen: WhatsApp entwickelt offenbar einen eigenen Cloud-Speicher mit zwei Gigabyte gratis und kostenpflichtigen Stufen darüber. Der eigentliche Unterschied liegt aber nicht im Preis, sondern in der Verschlüsselung.

Im Code der WhatsApp-Beta für iOS in der Version 26.28.10.16 sind Hinweise auf eine Funktion aufgetaucht, die es auf dem iPhone bislang nicht gibt: eine frei wählbare Ablage für das Chat-Backup. Statt die Sicherung ausschließlich in iCloud zu legen, sollen Nutzer künftig direkt in den Backup-Einstellungen entscheiden können, wo ihre Chats gespeichert werden. Der Weg dorthin ist nicht neu – WhatsApp hat die Absicherung von Backups über die Jahre mehrfach nachgeschärft, zuletzt mit der Möglichkeit, das verschlüsselte Backup per Passkey zu sichern. Neu wäre, dass die Chats den Weg zu Apple gar nicht erst antreten müssten.

Zwei Gigabyte gratis, 50 Gigabyte für rund einen Dollar

Nach den bislang bekannten Angaben soll WhatsApp zwei Gigabyte Speicher auf den eigenen Servern kostenlos bereitstellen. Darüber soll eine 50-Gigabyte-Stufe für umgerechnet rund 0,99 Dollar im Monat folgen, eine Terabyte-Option ist demnach in Arbeit. Ein Preis in Euro ist bislang nicht bekannt, ebenso wenig ein Starttermin. Die Stufen und Beträge könnten sich bis zur Veröffentlichung noch ändern . die Funktion ist selbst für Beta-Tester derzeit nicht nutzbar (via WABetaInfo).

iCloud soll dabei die Voreinstellung bleiben. Wer nichts ändert, sichert seine Chats also weiterhin bei Apple. Auf Android hatte sich dieselbe Funktion bereits im April abgezeichnet, dort als Alternative zu Google Drive.

Verschlüsselt ohne Wenn und Aber

Der interessanteste Teil betrifft nicht den Speicherplatz, sondern die Absicherung. Backups auf WhatsApp-Servern sollen ausnahmslos Ende-zu-Ende-verschlüsselt sein – ohne Option, das abzuschalten. Genau das ist der Unterschied zum Status quo.

Ein iCloud-Backup ist in der Grundeinstellung nämlich nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Apple hält dabei einen Schlüssel und kann die Daten auf richterliche Anordnung herausgeben. Diese Lücke schließt erst der erweiterte Datenschutz für iCloud, den Nutzer manuell aktivieren müssen. Parallel dazu bietet WhatsApp seit 2021 an, das Backup in iCloud zusätzlich selbst zu verschlüsseln – wahlweise per Passwort, 64-stelligem Schlüssel oder inzwischen per Passkey. Auch diese Funktion ist standardmäßig ausgeschaltet.

Beide Schutzebenen existieren also längst, beide muss man kennen und aktiv einschalten. Ein Backup, das die Verschlüsselung ab Werk erzwingt, würde diese Bringschuld vom Nutzer nehmen. Das ist, unabhängig davon, was man von Meta hält, der sicherheitstechnisch relevanteste Punkt an der ganzen Sache.

Der 5-Gigabyte-Engpass bei Apple

Für den deutschsprachigen Raum ist die Sache handfester als für den US-Markt, weil WhatsApp hierzulande der Standard-Messenger ist und nicht die Ausnahme. Chat-Backups mit jahrelangen Fotostrecken, Sprachnachrichten und Videos werden schnell mehrere Gigabyte groß – und sie zählen gegen das iCloud-Kontingent.

Apple stellt jedem Apple Account fünf Gigabyte kostenlos zur Verfügung. Diese Grenze ist bei einem iPhone mit WhatsApp-Historie oft allein durch das Backup gerissen, was den Griff zum iCloud+-Abo praktisch erzwingt: 50 Gigabyte kosten 0,99 Euro im Monat, 200 Gigabyte 2,99 Euro. Wandern die Chats auf WhatsApp-Server, entlastet das den iCloud-Speicher spürbar – bei kleineren Backups könnte der Gratis-Speicher beider Anbieter zusammen sogar reichen.

Ein Abo mehr, ein Verwahrer mehr

Die Kehrseite liegt auf der Hand. Wer über die zwei Gratis-Gigabyte hinauskommt, zahlt künftig eben an Meta statt an Apple – und Meta hat zuletzt mit kostenpflichtigen Abo-Stufen für Facebook, Instagram und WhatsApp deutlich gemacht, dass der Konzern seine Apps stärker direkt monetarisieren will. Ein eigener Cloud-Speicher passt in dieses Muster.

Hinzu kommt die Vertrauensfrage. Die technische Zusicherung, dass Backups auf WhatsApp-Servern durchgängig Ende-zu-Ende-verschlüsselt liegen, ist stark – aber sie verlagert die Daten zu einem Konzern, dessen Geschäftsmodell auf der Auswertung von Nutzerdaten beruht. Wer dieser Zusicherung nicht traut, wird auch bei Meta-Servern kein besseres Gefühl haben als bei Apple. Wer sie ernst nimmt, bekommt technisch mehr Schutz als bei einem iCloud-Backup ohne erweiterten Datenschutz. Diese Abwägung musst du selbst treffen – eine objektiv richtige Antwort gibt es hier nicht.

Der Zeitpunkt fällt auf

Bemerkenswert ist, wann das Ganze auftaucht. In Italien läuft ein Verfahren, in dem die Wettbewerbsbehörde eine Bevorzugung von iCloud gegenüber konkurrierenden Cloud-Diensten prüft. Wenn ausgerechnet die meistgenutzte App Europas ihre Backups an iCloud vorbeileitet, ist das ein weiterer Beleg dafür, dass Apples Sonderstellung beim Gerätespeicher unter Druck gerät – aus dem Wettbewerbsrecht wie aus dem Markt heraus.

Für Apple ist der Verlust nicht dramatisch, aber auch nicht folgenlos: Ein erheblicher Teil der iCloud+-Abos dürfte allein deshalb existieren, weil die kostenlosen fünf Gigabyte für ein vollständiges iPhone-Backup nicht reichen. Fällt der WhatsApp-Anteil daraus weg, sinkt bei einem Teil der Nutzer der Anlass, überhaupt zu zahlen.

Von der Beta bis zum Backup ist es noch weit

Belastbar ist bislang nur, dass der Code existiert. WhatsApp hat sich zu Zeitplan, Preisen und Verfügbarkeit nicht geäußert, die Funktion läuft bei Testern noch nicht, und Features aus Beta-Versionen erreichen nicht zwangsläufig die finale App. Sollte der eigene Cloud-Speicher tatsächlich kommen, wäre es die erste ernsthafte Wahlmöglichkeit beim WhatsApp-Backup auf dem iPhone seit Einführung der Funktion.

Am Schutzniveau ändert das für informierte Nutzer wenig. Ein iCloud-Backup mit aktiviertem erweiterten Datenschutz ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt, und auch dort hält Apple keinen Schlüssel mehr – wer die Einstellung kennt und einschaltet, ist heute schon abgesichert. Der Unterschied läge allein in der Voreinstellung: Was bei Apple und bei WhatsApp bislang aktiv eingeschaltet werden muss, wäre auf WhatsApp-Servern von Anfang an gesetzt. Für alle, die sich mit solchen Menüs nie beschäftigt haben, ist das der eigentliche Gewinn. (Bild: Shutterstock / Primakov)

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Tags: MetaWhatsApp
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