Ein neuer Bericht beschreibt, wie die überarbeitete, Gemini-gestützte Siri technisch laufen soll. Apple würde demnach auf Nvidias leistungsstärkste Rechenzentrums-Chips zurückgreifen – betrieben in der Cloud von Google.
Die nächste Generation von Siri rückt näher, und mit ihr werden die technischen Details konkreter, wie sie im Hintergrund arbeiten soll. Dass die Gemini-gestützte Siri noch 2026 erscheinen soll, gilt als gesetzt – der jüngste Bericht des Branchendienstes The Information ergänzt nun, mit welcher Hardware Apple einen Teil der Anfragen verarbeiten lassen will. Im Zentrum stehen dabei zwei Namen, die man bei einem Apple-Produkt nicht zwangsläufig erwartet: Google und Nvidia.
Welche Chips zum Einsatz kommen sollen
Bereits Ende Mai berichtete The Information, dass ein Teil der Anfragen an die neue Siri in Googles Cloud auf einer lizenzierten Version des Gemini-Modells laufen solle. Apple habe in diesem Zusammenhang den Einsatz einer Datenschutz-Technologie von Nvidia freigegeben – ein Hinweis darauf, dass für zumindest einen Teil der Rechenleistung in der Google-Cloud Nvidia-Chips zum Einsatz kämen.
Der neue Bericht wird nun präziser: Apple solle konkret auf Googles Bestand an Nvidia-Chips vom Typ Blackwell B200 zugreifen. Dabei wolle das Unternehmen Nvidias Funktion „Confidential Compute“ aktivieren, die Daten verschlüsselt, während sie auf den Chips verarbeitet werden.
Verschlüsselung während der Verarbeitung
„Confidential Compute“ ist ein hardwarebasiertes Sicherheitssystem, das Daten schützt, solange sie aktiv von Nvidias GPUs verarbeitet werden. Nach Angaben von Nvidia bewahrt die Funktion die Vertraulichkeit und Integrität der eingesetzten KI-Modelle und erlaubt es, sensible KI-Workloads auch in geteilten oder Cloud-Umgebungen sicher und mit nahezu nativer Leistung auszuführen. Nvidia hat dazu ein eigenes Whitepaper veröffentlicht.
Für Apple wäre dieser Schritt zentral: Das Unternehmen müsste Kundendaten auf fremden Cloud-Servern verarbeiten lassen, ohne seine eigenen Datenschutz- und Sicherheitsstandards aufzugeben. Die Verschlüsselung während der Verarbeitung wäre genau der Mechanismus, mit dem sich dieser Spagat technisch absichern ließe.
Was die Blackwell-B200-Hardware leistet
Der Nvidia Blackwell B200 zählt zu den leistungsstärksten Rechenzentrums-GPUs des Herstellers und ist auf das Training und die Ausführung sehr großer KI-Modelle ausgelegt. Er basiert auf der Blackwell-Architektur, dem Nachfolger der Hopper-Generation. Nvidia positioniert Blackwell als Plattform für das Betreiben und Trainieren extrem großer Modelle – bis hin zu Modellen mit einer Billion Parametern – und verspricht gegenüber Hopper deutliche Fortschritte bei der Inferenz, der Speicherbandbreite und der Skalierung über mehrere GPUs hinweg.
Ein bemerkenswerter Bruch mit Apples Prinzip
The Information ordnet den Schritt als Abweichung von Apples sonstiger Strategie ein, die kritischen Bestandteile seiner Produkte selbst zu kontrollieren. Genau hier liegt die eigentliche Brisanz des Berichts. Vor rund zwei Jahren hatte Apple mit Private Cloud Compute ein eigenes, auf Mac-Chips basierendes Serversystem vorgestellt und damit einen besonders datenschutzfreundlichen Ansatz für Cloud-Berechnungen präsentiert. Für die nächste Siri-Generation soll Gemini auf diesem hauseigenen System jedoch zu langsam gelaufen sein – weshalb Apple nun auf Googles Infrastruktur und Nvidias Chips ausweiche.
Offen bleibt dem Bericht zufolge, welche Rolle Private Cloud Compute beim bevorstehenden Siri-Start überhaupt noch spielen wird. Der Rückgriff auf externe Partner fügt sich in eine strategische Neuausrichtung rund um die Sprachassistentin ein, bei der Apple stärker als früher auf Zukäufe und Partnerschaften setzt, statt jede Komponente im eigenen Haus zu fertigen.
Der September wird zur Bewährungsprobe
Verdichten sich die Berichte, dürfte die neue Siri im September an den Start gehen – als deutlich überarbeitete Assistentin mit eigener App. Wie gut Apple den Balanceakt zwischen externer Rechenleistung und den eigenen Datenschutzversprechen löst, wird sich erst im praktischen Einsatz zeigen. Offiziell bestätigt hat Apple weder die Partnerschaft in dieser Form noch die Hardware-Details – die Hinweise stammen bislang ausschließlich aus Berichten. (Bild: Shutterstock / otelzucianas)
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