Apple bringt im kommenden Monat eine eigenständige Siri-App auf das iPhone – und sie kommt mit zwei bemerkenswerten Eigenschaften. Erstens: Der Gesprächsverlauf lässt sich automatisch nach 30 Tagen oder einem Jahr löschen, ähnlich wie in iMessage. Zweitens: Auch im finalen iOS 27 wird die App vermutlich weiterhin ein Beta-Label tragen.
Die Siri-Erneuerung gilt als das wichtigste KI-Projekt von Apple seit der Vorstellung von Apple Intelligence im Sommer 2024. Im Zentrum steht ein vollwertiger Chatbot, der parallel zur klassischen Sprachsteuerung existiert und auf Googles Gemini-Modelle zurückgreifen wird. Die Premiere ist für die WWDC 2026 am 8. Juni vorgesehen – mit erstem Beta-Zugang im selben Zeitraum. Damit nimmt das Vorhaben endlich Form an, das wir im Überblick zum Siri-Neustart in iOS 27 ausführlich beschrieben haben. Gurmans neue Details ergänzen das Bild um zwei zentrale Punkte: ein konkretes Datenschutz-Feature und das ungewöhnliche Beta-Schild bei der finalen Veröffentlichung.
Auto-Lösch-Funktion für Chats
Die wichtigste Datenschutz-Neuerung der App lehnt sich direkt an iMessage an. Wer dort den Verlauf von Konversationen automatisch nach 30 Tagen oder einem Jahr löschen lässt, kennt die Mechanik bereits. Apple überträgt sie nun eins zu eins auf die neue Siri-App. Drei Optionen sollen zur Wahl stehen: 30 Tage, ein Jahr oder unbegrenztes Aufbewahren.
Damit beantwortet Apple eine Frage, die seit Bekanntwerden der Gemini-Kooperation im Raum stand: Was passiert mit den Inhalten, die ein Nutzer in einen Apple-Chatbot eingibt, der technisch auf Google-Modellen läuft? Die Antwort fällt zweigleisig aus. Zum einen sollen die Anfragen über Apples Private Cloud Compute laufen, nicht über offene Google-Server. Zum anderen können Nutzer den Verlauf entlang der gleichen Logik verwalten, die sie aus iMessage kennen. Google soll die Konversationen nicht zum Trainieren eigener Modelle verwenden dürfen.
Beta-Label auch im finalen Release
Ungewöhnlich ist die zweite Neuigkeit aus Gurmans Bericht. Apple plant offenbar, die neue Siri-App selbst nach dem öffentlichen Launch im Herbst weiterhin als Beta zu kennzeichnen. In internen Testversionen von iOS 27 trägt die App diesen Hinweis, kombiniert mit einem Schalter, über den sich Nutzer aus der Siri-Beta abmelden können.
Ganz neu ist das Vorgehen für Apple nicht. Apple Intelligence selbst war beim Debüt in iOS 18 ebenfalls als Beta gekennzeichnet, und einzelne KI-Funktionen tragen das Label bis heute. Bei der Siri-App kommt jedoch ein zusätzlicher Punkt hinzu: Die ursprünglich für 2024 versprochene Generalüberholung kommt mit zwei Jahren Verspätung. Das Beta-Label dürfte Apple intern Spielraum geben, einzelne Funktionen nachzuliefern oder Probleme noch nach dem Launch öffentlich nachzubessern, ohne als unfertig zu wirken.
Wie ein möglicher Opt-out-Schalter konkret aussehen wird, ist offen. Denkbar ist eine eigene Einstellung neben dem bestehenden Apple-Intelligence-Schalter – oder eine eigenständige Stufe innerhalb der Apple-Intelligence-Architektur. Eine feinere Differenzierung würde Nutzern ermöglichen, einzelne KI-Funktionen gezielt abzuschalten, statt alles gemeinsam zu deaktivieren.
Was die App sonst noch mitbringt
Die Eckpunkte der App selbst sind aus früheren Berichten bekannt. Sie bietet einen Verlauf vergangener Gespräche, lässt sich per Sprache oder Text bedienen und akzeptiert Datei-Uploads. Eine systemweite Geste soll den Einstieg in eine neue Konversation jederzeit ermöglichen, ohne dass die App zuerst geöffnet werden muss. Zur Wahl stehen zwei Oberflächenvarianten: eine zentrale Konversationsansicht im Stil von ChatGPT oder eine Listenansicht, die an iMessage erinnert.
Im Hintergrund läuft die Technik auf maßgeschneiderten Gemini-Modellen. Google-Cloud-Chef Thomas Kurian hatte die Partnerschaft auf der Google Cloud Next 2026 öffentlich als „monumentale Partnerschaft“ beschrieben und Apple erstmals offen als Cloud-Kunden bestätigt. Die Server-Frage ist damit zumindest teilweise geklärt: Apple und Google teilen sich die Infrastruktur, wobei Apple den Datenfluss über Private Cloud Compute absichert.
Offene Frage: Tiefe der App-Integration
Ein zentraler Punkt bleibt mit Gurmans Bericht weiterhin unbeantwortet. Damit Siri 2.0 mehr als eine schick gestaltete Chatbot-Hülle wird, muss die Assistentin tief in Drittanbieter-Apps eingreifen können – etwa um Flüge zu buchen, Inhalte zu teilen oder Kalendereinträge zu erstellen. Apple wirbt seit Monaten bei Entwicklern weltweit für diese Integrationen, stößt dabei aber auf Vorbehalte rund um eine mögliche Provisionspflicht. Apple soll signalisiert haben, dass in der Anfangsphase keine Gebühren erhoben werden, schließt sie für die Zukunft aber nicht aus.
Wie viele Anbieter rechtzeitig zur WWDC mit an Bord sind, dürfte sich erst bei der Keynote zeigen. Eine Siri-App mit Beta-Label und auto-löschenden Chats wirkt deutlich anders, wenn am Premierentag fünfzehn populäre Drittanbieter-Aktionen vorgeführt werden – oder eben drei.
Die Erwartung an den 8. Juni
Mit Gurmans Bericht verdichten sich die Erwartungen an die WWDC-Keynote spürbar. Apple hat Termin, technische Basis, App-Konzept und Datenschutz-Mechanik geklärt. Was bleibt, ist die Frage nach der praktischen Qualität: Ob die Gemini-gestützte Siri wirklich auf Augenhöhe mit ChatGPT und Claude agiert, lässt sich erst nach den ersten Beta-Tests beurteilen. Bis dahin sind das Beta-Label und die auto-löschenden Chats die beiden Stellschrauben, mit denen Apple das Risiko der eigenen Premiere abfedert. (Bild: Shutterstock / Bendix M)
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