Diese Woche drehte sich fast alles um Zahlen, die jemand anderes festlegt. Ein Gericht in Kalifornien zwang Apple, erstmals eine konkrete Provision zu nennen. Gleichzeitig zeigten Berichte aus der Lieferkette, wie stark die Kosten für das nächste iPhone steigen. Und in Deutschland blieb ausgerechnet das aus, was für Montag erwartet worden war.
Zwischen dem 10. und dem 16. August lief die Woche auf zwei Ebenen. Auf der einen stand ein Gerichtsverfahren, in dem Apple offenlegen musste, was das Unternehmen künftig für Käufe außerhalb des App Store verlangen will. Auf der anderen liefen die Meldungen aus der Zulieferkette weiter, die seit Wochen auf denselben Punkt zulaufen: Speicher und Displays werden teurer, und irgendwann landet das im Preisschild.
Dazwischen kamen eine Warnung an Nutzer in 110 Ländern, zwei Personalwechsel in Apples Führungsebene und ein KI-Modell, das Apple für China gebaut hat und für Europa nicht. Der Beta-Zyklus lief nebenher weiter – iOS 27 erreichte am Montag Beta 5 und damit die zweite Hälfte der Testphase.
🔥 Story der Woche: Apple nennt dem Gericht 15 Prozent – und rechnet zugleich null vor
Am Dienstag hatte das Bundesgericht in Nordkalifornien Apple aufgefordert, sein künftiges Gebührenmodell ohne weiteren Aufschub vorzulegen. Am Donnerstag lag es vor. Apple schlägt eine Provision von 15 Prozent für Käufe außerhalb der App vor, 10 Prozent für Partnerprogramme und Abo-Verlängerungen sowie 5 Prozent für Teilnehmer des Small Business Program.
Der bemerkenswerte Teil steht ein paar Seiten weiter. Apple rechnet im selben Dokument vor, dass der vom Berufungsgericht vorgegebene Kostenmaßstab rechnerisch auf null Prozent hinauslaufen würde. Von rund 40.000 Schutzrechten seien nur 14 direkt an der Zahlungsabwicklung beteiligt.
In Europa sieht die Rechnung anders aus. Wer hier die Berechtigung für externe Käufe nutzt, zahlt einen gestaffelten Satz aus 2 Prozent Erstakquise, 5 oder 13 Prozent für Store-Dienste und 5 Prozent Core Technology Commission – zusammen 10 bis 20 Prozent. Der Normalfall liegt damit bei 20 Prozent gegenüber den 15, die Apple den USA anbietet.
Dazu kommt eine Bedingung, die der US-Vorschlag nicht kennt: Wer in der EU auf externe Bezahlwege verweist, darf in derselben App keinen In-App-Kauf mehr anbieten. Praktisch merkt man davon wenig. In der deutschen Spotify-App steht heute nur ein nicht anklickbarer Textkasten mit dem Hinweis, dass sich Premium hier nicht abonnieren lässt – ein Systemdialog erscheint nicht, weil Apples Gebühren erst bei einer klickbaren Verknüpfung greifen.
📰 Was sonst wichtig war
Die erwartete iPhone-Preiserhöhung ist ausgeblieben. Das Gerücht nannte den 10. August und die iPhone-17-Reihe, aber keinen bestimmten Markt – erwartet wurde eine Anpassung der Listenpreise auf breiter Front, gekoppelt an eine angeblich um 15 bis 30 Prozent gedrosselte Produktion. Fünf Tage später ist davon nichts eingetreten: Im deutschen Store kosten die 256-GB-Modelle weiterhin 699 Euro beim iPhone 17e, 949 Euro beim iPhone 17, 1.299 Euro beim iPhone 17 Pro und 1.449 Euro beim Pro Max, und auch aus anderen Regionen wurde keine Änderung gemeldet. Der Preisdruck verschiebt sich damit auf die nächste Generation im September.
Apple hat Nutzer in 110 Ländern vor Söldner-Spyware gewarnt. Seit 2021 summieren sich die Warnwellen auf über 150 Länder. Die Benachrichtigung läuft über Sperrbildschirm, Einstellungen, E-Mail und ein Banner im Account – wer betroffen ist, kann es also kaum übersehen.
Der Speicherstrang lief weiter. Apple testet Speicher des chinesischen Herstellers CXMT für iPhone und MacBook, parallel gibt es Zweifel am gemeldeten Prozessor-Stau bei TSMC und Berichte, wonach Apple OLED-Panels auf Vorrat einkauft, bevor die Preise weiter anziehen.
Zwei Wechsel in der Führungsebene. Jennifer Bailey verlässt Apple im Oktober und gibt damit die Verantwortung für Apple Pay ab. Kurz darauf wurde bekannt, dass Apple einen neuen Chef für die Regierungsbeziehungen geholt hat.
Back to School läuft auch in DACH. Studierende und Lehrkräfte bekommen beim Kauf eines Mac oder iPad bis zu 120 Euro als Guthaben obendrauf.
Zwei Klassiker sind aus der Liste gefallen. iPhone X und MacBook Pro 2018 gelten bei Apple jetzt als veraltet, Ersatzteile und Service laufen damit aus.
💡 Gerücht der Woche: Das Jubiläumsmodell soll doch aus Glas kommen
Innerhalb weniger Tage standen sich zwei Darstellungen gegenüber. Zuerst hieß es aus einer Prüfung der Lieferkette, Apple habe das weitgehend gläserne Gehäuse für das iPhone 20 wegen zu niedriger Produktionsausbeute gestrichen. Kurz darauf berichtete Bloomberg, das Projekt laufe unverändert weiter – gestrichen worden sei lediglich ein früherer Entwurf.
Nach dieser Darstellung sollen Vorder- und Rückseite aus gebogenem Glas bestehen und über ein zentrales Metallband verbunden werden. Die ursprüngliche Variante mit nahezu vollständigem Glaskörper sei daran gescheitert, dass sich die beiden Glasflächen in großer Stückzahl nicht zuverlässig verbinden ließen. Das Gehäuse gilt demnach als weitgehend festgelegt, erwartet wird das Modell im Herbst 2027.
Beide Angaben stehen nebeneinander, und das ist aufschlussreicher als die Frage, wer am Ende recht behält. Lieferketten-Analysen lesen Bestellmengen und Ausbeuten, sehen aber keine Designentscheidungen. Berichte aus Apples Umfeld beschreiben den Fahrplan, unterschätzen dafür manchmal, woran ein Fahrplan scheitern kann. Gut möglich, dass beide Seiten etwas Richtiges beschrieben haben: ein verworfenes Konzept und ein weiterlaufendes Projekt.
📊 Zahl der Woche: 38 Prozent
So stark sollen die Materialkosten des iPhone 18 Pro gegenüber dem Vorgänger steigen. Die Schätzung stammt aus einer Analyse der Stückliste und betrifft vor allem Speicher, Display und Prozessor.
Materialkosten sind nicht der Verkaufspreis – Apple kalkuliert Marge, Entwicklung, Logistik und Marketing obendrauf und hat Kostensprünge in der Vergangenheit auch schon geschluckt. Ein Aufschlag von 38 Prozent auf der Einkaufsseite lässt sich aber schwer vollständig auffangen, wenn er die drei teuersten Bauteile gleichzeitig trifft.
👎 Flop der Woche: Beim iPhone Ultra könnte DACH monatelang hinten anstehen
Einem als exklusiv gekennzeichneten Bericht zufolge soll Apples faltbares Modell im September zwar vorgestellt, zunächst aber nur in den USA verkauft werden. Weitere Märkte einschließlich China sollen erst über zwei bis drei Monate verteilt folgen. Als Gründe werden Lieferengpässe, offene Preisfragen und Testprobleme an bereits gefertigten Geräten genannt.
Bestätigt ist davon nichts. Der Bericht stützt sich auf australische Netzbetreiber und einen Händler, also auf die Vertriebsseite und nicht auf die Fertigung. Gestaffelte Starts hat Apple bisher vor allem bei neuen Produktkategorien praktiziert – bei der Vision Pro vergingen fünf Monate, bis das Gerät in Deutschland zu kaufen war, Österreich und die Schweiz lagen noch dahinter.
Trifft es zu, kommt für DACH zweierlei zusammen: das teuerste iPhone der Reihe und eine Wartezeit obendrauf. Dass die Produktion angelaufen ist, legen Schutzfolien mit asymmetrischen Ecken nahe, aus denen sich die Kameraposition ablesen lässt – offen wäre also nicht die Fertigung, sondern die Verteilung. Alles Weitere steht in der Gerüchtelage zum iPhone Ultra.
🔭 Was nächste Woche kommt
Der Beta-Zyklus geht weiter: Nach Beta 5 am vergangenen Montag steht iOS 27 Beta 6 an, üblicherweise im Zwei-Wochen-Rhythmus. Am Montag, dem 17. August, sollen außerdem die Zusagen aus Apples Losverfahren für den Store-Besuch zum September-Event verschickt werden – ein verlässlicher Hinweis darauf, dass die offiziellen Einladungen in der letzten Augustwoche folgen.
Der wichtigere Termin liegt auf Freitag, dem 21. August. Dann endet die Frist, bis zu der Tim Cook dem US-Senat Fragen zum Einsatz chinesischer Speicherchips beantworten soll. Die Antwort dürfte darüber mitentscheiden, ob CXMT als Lieferant überhaupt eine Rolle spielen kann.
💬 Meine Meinung
Die aufschlussreichste Meldung der Woche war nicht die mit der größten Zahl. Apple hat gemeinsam mit Alibaba ein eigenes Sprachmodell für China trainiert und wäre damit das erste ausländische Unternehmen mit einer eigenen registrierten KI in diesem Markt. Im Juni nannte Apple noch China und die EU im selben Atemzug als die beiden Regionen ohne Siri AI. Zwei Monate später ist eine der beiden Blockaden weg.
Der Unterschied liegt im Aufwand, den Apple bereit ist zu treiben. Für China wurde ein eigenes Modell gebaut, durch ein Genehmigungsverfahren gebracht und mit einem lokalen Partner verzahnt. Für die EU wartet Apple ab und verweist auf regulatorische Unsicherheit.
Man kann das nachvollziehen – der chinesische Markt ist für Apple größer und die Vorgaben dort sind zwar hart, aber klar formuliert. Meine Erwartung ist trotzdem, dass sich diese Reihenfolge rächt. Wer in einem Markt zeigt, dass eine eigene Lösung binnen weniger Monate machbar ist, kann im anderen schlecht argumentieren, es gehe technisch nicht.
📚 Aus unserem Archiv
Weil Apple diese Woche Nutzer in 110 Ländern gewarnt hat, lohnt der Blick darauf, wie kommerzielle Spyware auf dem iPhone überhaupt funktioniert und welche Schutzmechanismen Apple dagegen anbietet.
Und weil sich die Lücke zwischen China und Europa in dieser Woche weiter geöffnet hat, hier der aktuelle Stand dazu, welche Apple-Funktionen in der EU bislang fehlen – inklusive der Schweiz, die als Nicht-EU-Land bei einigen dieser Sperren außen vor bleibt.
Am Ende dieser Woche steht ein Unternehmen, das in Kalifornien um jeden Prozentpunkt kämpft, in Peking im Rekordtempo liefert und in Brüssel abwartet. Wie hältst du es damit – nimmst du hin, dass Europa bei Funktionen wie Siri AI hinterherläuft, solange die Regeln hier strenger sind, oder ist genau das inzwischen ein Grund, beim nächsten Gerät zweimal hinzusehen? Sag uns in den Kommentaren, wo für dich die Grenze liegt.
Bis nächsten Sonntag wünscht Apfelpatient eine entspannte Lektüre und einen guten Wochenstart.


