Für China baut Apple ein eigenes Sprachmodell und wird damit zum ersten ausländischen Unternehmen, das in dem Land eine eigene KI anbieten darf. Für iPhones in Deutschland und Österreich gibt es dagegen weiterhin keinen Termin – und im Juni standen beide Märkte noch in derselben Zeile.
Apple hat ein großes Sprachmodell eigens für den chinesischen Markt trainiert – gemeinsam mit Alibaba und mit dessen technischer Unterstützung. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf drei mit dem Vorgang vertraute Personen; Apple und Alibaba äußerten sich auf Anfrage nicht. Der Schritt bricht mit der bisherigen Linie, in China auf fremde Modelle zu setzen, und folgt auf die Freigabe durch die chinesische Aufsicht im Juli.
Das Wichtigste in Kürze
- Apple hat laut einem Agenturbericht ein eigenes Sprachmodell für China trainiert, entwickelt mit Alibaba.
- Damit wäre Apple das erste ausländische Unternehmen, dem Peking den Betrieb eines eigenen KI-Modells erlaubt.
- Apple Intelligence soll in China in den kommenden Monaten starten, nach einem iOS-Update.
- Auf iPhone und iPad in der EU bleibt Siri AI weiterhin ohne Termin – Apple und die EU-Kommission schieben sich die Verantwortung gegenseitig zu.
- In der Schweiz gilt der DMA nicht, dort wird Siri AI auch auf dem iPhone erwartet.
Ein eigenes Modell statt fremder Technik
Bislang lautete Apples Plan für China, die Modelle einheimischer Anbieter einzubinden. Alibaba wurde dafür im Februar 2025 als Partner gewonnen, später kam Baidu dazu.
Der Grund dafür liegt in Apples eigenem Aufbau. Das Fundament von Siri AI ist ein maßgeschneidertes Gemini-Modell von Google, seit einer mehrjährigen Partnerschaft vom Januar 2026. Als externe Erweiterung lässt sich bislang allein ChatGPT von OpenAI auswählen. In China ist beides nicht verfügbar, weder Googles Dienste noch die von OpenAI. Wer dort KI-Funktionen ausliefern will, braucht ein anderes Fundament.
Nun soll Apple zusätzlich ein eigenes, auf den Markt zugeschnittenes Modell besitzen. Reuters beschreibt das als zweigleisige Strategie, die es Apple erlaubt, regulatorische Hürden zu nehmen, an denen andere US-Technologiekonzerne bislang scheitern. Welche Rolle das eigene Modell neben den chinesischen Fremdmodellen genau spielt und wie beide zusammenarbeiten, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Die Zuverlässigkeit der Quelle ist hoch: Reuters stützt sich auf drei unabhängig voneinander befragte Personen und kennzeichnet den Bericht als Exklusivmeldung. Bestätigt ist er dennoch nicht – Apple hat sich nicht geäußert, und der Zeitpunkt des Starts bleibt offen.
Wie die Freigabe in Peking zustande kam
Vorausgegangen war ein langes Genehmigungsverfahren, das im Juli endete. Die chinesische Cyberspace-Behörde registrierte Apples generativen KI-Dienst und machte damit den Weg frei, dass Apple Intelligence überhaupt auf chinesische iPhones gelangt.
Wie holprig der Übergang läuft, zeigte sich vergangene Woche: Apple veröffentlichte in China eine Anleitung, wie sich Alibabas Qwen mit Siri und den Schreibwerkzeugen verbinden lässt – und zog das Dokument keinen Tag später wieder zurück.
Der Druck dahinter ist wirtschaftlich. In China konkurriert Apple mit Herstellern wie Huawei, die KI-Funktionen längst ausliefern. Zuletzt lief das Geschäft wieder gut – im zweiten Quartal wuchs Apple dort um 24 Prozent –, doch das Wachstum stützt sich auf Preisnachlässe und Hardware, nicht auf Software-Funktionen, die es dort bislang nicht gibt.
Zwei gesperrte Märkte, einer öffnet sich
Hier wird der Vorgang für den deutschsprachigen Raum interessant. Als Apple im Juni erklärte, warum Siri AI nicht überall starten kann, nannte das Unternehmen zwei Märkte in einem Atemzug: die EU wegen des Digital Markets Act – und China, solange Apple dort an der Erfüllung der regulatorischen Anforderungen arbeite.
Zwei Monate später ist eine der beiden Sperren gefallen. Für China hat Apple eine Lösung gebaut, die die Auflagen erfüllt: ein eigenes Modell, im Land trainiert, von der Aufsicht registriert. Für die EU gibt es bis heute keine.
Apples Begründung steht unverändert in der Mitteilung im deutschen Newsroom: Die EU-Regulierungsbehörden hätten keinen der vorgelegten Vorschläge akzeptiert, deshalb gebe es keinen Zeitplan. Die Kommission sieht das anders und weist die Darstellung zurück – aus ihrer Sicht liegt die Entscheidung allein bei Apple. Woran es hängt, ist in beiden Darstellungen dasselbe: Siri AI greift tief auf persönliche Daten zu und steuert Apps, weshalb in der EU auch konkurrierende Assistenten denselben Systemzugriff bekommen müssten.
Immerhin nicht betroffen sind Mac und Vision Pro: Dort kommt Siri AI mit macOS 27 und visionOS 27 auch in der EU. Die Sperre gilt allein für iPhone und iPad.
| Markt | Stand bei Siri AI auf iPhone und iPad |
|---|---|
| USA | Start mit iOS 27 im Herbst |
| China | in den kommenden Monaten erwartet, Freigabe liegt vor |
| Deutschland und Österreich | kein Termin genannt |
| Schweiz | Start erwartet, der DMA gilt dort nicht |
Die Schweiz steht dabei auf der besseren Seite. Apples Mitteilung führt die 27 EU-Mitgliedstaaten einzeln auf; die Schweiz gehört weder zur EU noch zum EWR und ist deshalb nicht erfasst. Maßgeblich ist dabei, wo jemand lebt, nicht wo das Gerät gekauft wurde – ein im Schweizer Laden erworbenes iPhone ist kein Weg zu Siri AI in Deutschland oder Österreich.
Regulierung ist verhandelbar – die Frage ist, mit wem
Der Vergleich der beiden Märkte legt etwas offen, das über die Meldung hinausreicht. Apple hat in China nicht darauf gewartet, dass die Regeln sich ändern, sondern ein Produkt gebaut, das in die Regeln passt – mit erheblichem Aufwand, einem eigens trainierten Modell und einem einheimischen Partner. Für die EU gibt es diesen Aufwand bislang nicht, dort verweist Apple auf abgelehnte Vorschläge.
Das lässt zwei Lesarten zu, und beide sind plausibel. Entweder ist die DMA-Anforderung technisch schwerer zu erfüllen als die chinesische, weil sie fremden Assistenten Systemzugriff verschaffen soll statt nur die Inhalte zu kontrollieren. Oder der chinesische Markt ist Apple den Aufwand schlicht wert, weil dort Marktanteile auf dem Spiel stehen, während in Europa die iPhone-Verkäufe auch ohne Siri AI stabil laufen.
Unsere Einschätzung: Es ist beides zugleich, und der zweite Punkt wiegt schwerer, als Apple es öffentlich darstellt. Belegbar ist, dass Tim Cook im Juli persönlich das Gespräch mit der EU gesucht hat – und dass seither nichts nachgekommen ist. Ein Unternehmen, das für einen Markt ein komplettes Sprachmodell trainiert, hätte auch für den anderen Ressourcen. Was fehlt, ist nicht die Fähigkeit, sondern der Anlass.
Was bis zum Herbst zu erwarten ist
Für iPhone-Nutzer in Deutschland und Österreich ändert sich vorerst nichts. Apple Intelligence bleibt in seiner bisherigen Form verfügbar, Siri AI kommt auf Mac und Vision Pro, auf dem iPhone nicht. Ein Termin existiert nicht, und keine der beiden Seiten hat zuletzt Bewegung signalisiert.
Interessant wird der chinesische Start trotzdem. Läuft Siri AI dort mit einem eigens gebauten Modell und erfüllt lokale Auflagen, entsteht ein Präzedenzfall: Apple hat dann bewiesen, dass sich die Assistenz für einen einzelnen Markt anpassen lässt. Genau dieses Argument dürfte in Brüssel künftig zu hören sein.
Wäre dir ein an EU-Regeln angepasstes Siri AI lieber, auch wenn Apple dafür anderen Assistenten Zugriff aufs System geben müsste – oder ist ein späterer Start das kleinere Übel? Schreib uns in die Kommentare, wo für dich das Gleichgewicht liegt. (Bild: Apple / Apfelpatient)
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