Eine Jury in San Diego hat Apple zu mehr als 5,7 Milliarden US-Dollar Schadenersatz verurteilt. Im Zentrum steht die Taptic Engine, die in iPhone und Apple Watch jedes Klopfen und Vibrieren erzeugt. Apple hält das Urteil für falsch und geht in Berufung.
Geklagt hatte Taction Technology, ein Unternehmen aus San Diego, das Haptik-Wandler für Kopfhörer und Gaming-Headsets entwickelt. Nach Auffassung der Geschworenen verletzt Apples Taptic Engine zwei Patente des Unternehmens. Der Spruch der Jury ging am 25. September 2026 in die Akte des Verfahrens 3:21-cv-00812 (S.D. Cal.) ein, beide Seiten haben sich gegenüber CNBC zum Ausgang des Prozesses geäußert.
Nach einer Meldung von Reuters ist es die höchste Summe, die eine US-Jury je in einem Patentfall zugesprochen hat. Betroffen ist eine Komponente, die im Alltag kaum auffällt: Sie steckt hinter Mitteilungen, Tastendrücken und jeder anderen Rückmeldung des Geräts – auch hinter den Fällen, in denen das iPhone scheinbar ohne Grund vibriert.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine US-Jury verurteilt Apple zu mehr als 5,7 Milliarden Dollar Schadenersatz an Taction Technology
- Streitpunkt sind zwei US-Patente zu Vibrationsmodulen, die laut Jury von der Taptic Engine verletzt werden
- Vorsatz sahen die Geschworenen nicht, eine Erhöhung der Summe ist damit ausgeschlossen
- Apple bestreitet die Verletzung und kündigt Berufung an
- Die Summe liegt beim rund Neunfachen des Masimo-Urteils vom November 2025
Worum es in dem Verfahren geht
Taction stützte die Klage auf zwei Schutzrechte, das US-Patent 10,659,885 und das US-Patent 10,820,117. Beide beschreiben ein Vibrationsmodul, das Bewegungsreize auf die Haut des Trägers überträgt. Taction selbst setzt seine Technik nach eigenen Angaben in Kopfhörern ein, etwa im Gaming-Headset HS60 Haptic von Corsair.
Apple stellte die Taptic Engine 2014 mit der ersten Apple Watch vor. Ein Jahr später zog sie mit dem iPhone 6s und 6s Plus ins iPhone ein und ersetzte dort den klassischen Vibrationsmotor. Seitdem gehört sie zur Grundausstattung beider Produktlinien.
Fünfeinhalb Jahre bis zum Urteil
Der Weg zum Spruch war lang und zwischenzeitlich schon beendet. Ein Bundesrichter in San Diego hatte 2023 entschieden, dass Apple die Patente nicht verletzt. Das Berufungsgericht für Patentsachen, der Federal Circuit, hob diese Entscheidung 2025 auf und schickte den Fall zurück an das Ausgangsgericht.
| Zeitpunkt | Schritt |
|---|---|
| 2014 | Apple stellt die Taptic Engine mit der Apple Watch vor |
| 2015 | Taptic Engine im iPhone 6s und 6s Plus |
| 2021 | Taction reicht Klage beim Bundesgericht in San Diego ein |
| 2023 | Richter sieht keine Patentverletzung |
| 2025 | Federal Circuit hebt die Entscheidung auf |
| 14.09.2026 | Beginn des Geschworenenprozesses |
| 25.09.2026 | Jury spricht Taction mehr als 5,7 Milliarden Dollar zu |
Die sieben Geschworenen berieten nach Ende der Beweisaufnahme zwei Tage. Eine vorsätzliche Verletzung stellten sie nicht fest. Das ist für die Höhe entscheidend: Bei Vorsatz kann ein US-Gericht den Schadenersatz bis auf das Dreifache anheben, diese Möglichkeit entfällt damit.
Apple widerspricht, Taction sieht sich bestätigt
Apple dankt der Jury, widerspricht dem Urteil und der Schadenersatzsumme aber entschieden – beides sei durch die Fakten nicht gedeckt. Die Taptic Engine unterscheide sich grundlegend von Tactions Technik, und das hätten Tactions eigene Tests an Apple-Geräten im Prozess bestätigt. Apple nutze die Technik nicht und werde in Berufung gehen.
Tactions Anwalt zeigte sich zufrieden, dass die Jury die Patentrechte des Unternehmens bestätigt habe. Taction habe fünfeinhalb Jahre auf diesen Prozess gewartet.
Warum die Summe noch lange nicht feststeht
Wie ein solches Urteil weiterläuft, zeigt der Streit mit Masimo. Dort verurteilte eine Jury Apple im November 2025 zu 634 Millionen Dollar wegen eines Pulsoximetrie-Patents. Erst im Juli 2026 lehnte der zuständige Richter Apples Antrag auf einen neuen Prozess ab, acht Monate nach dem Spruch. Apple hat dort Berufung angekündigt. Die Taction-Summe ist rund neunmal so hoch.
Wir rechnen deshalb damit, dass bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung eher Jahre als Monate vergehen. Erst prüft das Ausgangsgericht die Anträge nach dem Prozess, dann liegt der Fall beim Federal Circuit – demselben Gericht, das ihn 2025 überhaupt erst wieder eröffnet hat.
An der Taptic Engine in deinem iPhone oder deiner Apple Watch ändert der Spruch nichts. Verhandelt wurden zwei US-Patente vor einem US-Gericht, und die Jury hat über Schadenersatz entschieden, nicht über den Verkauf von Geräten.
Glaubst du, dass die 5,7 Milliarden Dollar die Berufung überstehen, oder rechnest du am Ende mit einem deutlich kleineren Betrag? Schreib uns deine Prognose in die Kommentare.





