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Streit um Siri AI: Die EU-Kommission widerspricht Apple

Milan Jovicic by Milan Jovicic
9. Juni 2026 - 16:58 CEST
in Apple News
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Apple Siri AI Apple Intelligence

Bild: Apple

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Apple macht für das Fehlen von Siri AI in Europa die Regulierung verantwortlich – die EU-Kommission sieht das ganz anders. Aus Brüssel kommt die deutliche Ansage: Diese Entscheidung habe allein Apple getroffen. Damit stehen sich zwei Darstellungen desselben Vorgangs unversöhnlich gegenüber.

Nach Apples Ankündigung, die neue Siri vorerst nicht in der Europäischen Union auf iPhone und iPad anzubieten, hat die EU-Kommission öffentlich reagiert – und schiebt die Verantwortung postwendend zurück. Während Apple den Schritt mit den Anforderungen des Digital Markets Act begründet, erklärt Brüssel, der Verzicht sei eine freie unternehmerische Entscheidung. Der Hintergrund des Mechanismus, der Siri AI in der EU auf iPhone und iPad ausbremst, bleibt damit derselbe – doch über die Frage, wer ihn zu verantworten hat, ist nun ein offener Schlagabtausch entbrannt.

Die Sicht der Kommission: allein Apples Entscheidung

Kommissionssprecher Thomas Regnier trat in Brüssel vor die Presse und stellte klar, dass die Kommission die Verantwortung vollständig bei Apple sieht. Der Konzern habe es nicht geschafft, Interoperabilitätslösungen zu entwickeln, die den grundlegenden europäischen Datenschutz- und Sicherheitsstandards genügen. Statt nach einer regelkonformen Lösung zu suchen, habe Apple schlicht beantragt, von den eigenen Interoperabilitätsverpflichtungen befreit zu werden – und das, so die Kommission, sei keine zulässige Option.

In dieser Lesart ist das Ergebnis hausgemacht: Nicht das Gesetz habe Siri AI gestoppt, sondern Apples Unfähigkeit oder Unwilligkeit, eine konforme technische Umsetzung vorzulegen.

Wie Apple den Vorgang schildert

Apples Version klingt grundlegend anders. Der Konzern hatte am Vortag mitgeteilt, dass Siri AI in der EU auf iOS und iPadOS nicht starten wird, und machte dafür die Regulierungsbehörden verantwortlich, die nicht konstruktiv über vorgeschlagene Lösungen verhandeln wollten. Craig Federighi, bei Apple für die Softwareentwicklung zuständig, zeigte sich „zutiefst enttäuscht” und verwies darauf, dass die Behörden keinen der Apple-Vorschläge akzeptiert hätten.

Dazu zählte nach Apples Angaben ein als Trusted System Agent bezeichnetes System, das es fremden Sprachassistenten erlaubt hätte, auf sichere Weise dieselben Gerätefunktionen zu nutzen wie Siri AI. Die Anforderungen des DMA rahmt Apple als Forderung, jedem KI-System nahezu unbegrenzten Zugriff auf das Gerät eines Nutzers einzuräumen – ein Risiko, das der Konzern mit seinem Sicherheitsversprechen für unvereinbar hält.

Zwei Darstellungen, ein Widerspruch

Der Kern des Konflikts liegt in der Frage, was am Verhandlungstisch tatsächlich geschah. Apple zeichnet das Bild von Regulierern, die jedes Angebot ablehnten. Die Kommission wiederum erklärt, Apple habe gar nicht ernsthaft über die vorgeschlagenen Lösungen verhandelt, sondern eine pauschale Befreiung von den Interoperabilitätspflichten unter dem Digital Markets Act verlangt – etwas, das im Rahmen des Gesetzes nicht vorgesehen sei. Beide Seiten beschreiben damit nicht nur unterschiedliche Schlussfolgerungen, sondern einen unterschiedlichen Ablauf der Gespräche.

Was EU-Nutzern konkret fehlt

Unabhängig davon, welche Darstellung näher an der Wirklichkeit liegt, steht das praktische Ergebnis fest. Erscheinen iOS 27 und Apples übrige neue Software-Versionen im Herbst, bleibt EU-Nutzern auf iPhone und iPad der Zugang zu Siri AI und sämtlichen neuen Funktionen verwehrt – darunter die eigenständige App, in der sich Konversationen aufrufen und neu starten lassen. Was die runderneuerte Siri auf den unterstützten Plattformen leisten soll, läuft auf den meistgenutzten Geräten in Europa vorerst ins Leere. Apple erklärt, die Assistentin perspektivisch doch in die EU bringen zu wollen und weiter mit den Behörden im Gespräch zu bleiben – einen Zeitplan nennt der Konzern nicht.

Warum der Streit über den Tag hinausreicht

Der Schlagabtausch ist mehr als ein PR-Geplänkel, weil er die zentrale Bruchstelle des DMA offenlegt: das Spannungsverhältnis zwischen erzwungener Interoperabilität und einem geschlossenen Sicherheitsmodell. Beide Seiten argumentieren dabei erkennbar im eigenen Interesse – Apple inszeniert sich als Hüter der Nutzerdaten, die Kommission als Hüterin des Wettbewerbs. Bemerkenswert bleibt jedoch, dass eine Regulierung, die mehr Auswahl schaffen soll, im Ergebnis dazu führt, dass europäischen Nutzern eine Funktion vorenthalten wird, die anderswo längst verfügbar ist. Ob Apple eine konforme Lösung tatsächlich ernsthaft verfolgt hat oder ob die Brüsseler Auflagen mit Apples Architektur schlicht nicht vereinbar sind, lässt sich von außen nicht abschließend beurteilen. Sicher ist nur, dass die Leidtragenden des Streits zunächst diejenigen sind, um deren Schutz beide Seiten zu ringen vorgeben. (Bild: Apple)

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Milan hat Apfelpatient 2016 gegründet und verantwortet seit 2018 sämtliche redaktionellen Inhalte – News, Gerüchte, Anleitungen und Produkttests. Apple-Geräte sind hier kein Testmaterial für zwei Wochen, sondern Alltagswerkzeug: Vom iPhone über MacBook Pro, MacBook Air und iMac bis zur Apple Vision Pro läuft aus fast jeder Produktkategorie mindestens ein Gerät im täglichen Einsatz, viele davon jährlich erneuert. Jeder Menüpfad in einer Anleitung wird am Gerät nachgeprüft, bevor er veröffentlicht wird.

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