Aus der Ankündigung ist Ernst geworden: Apple hat die Preise quer durch das Sortiment angehoben – Macs, iPads, Apple TV, HomePods und Vision Pro, bei einzelnen Modellen um mehrere Hundert Euro. Fast zeitgleich sieht eine neue Prognose den Konzern 2026 auf Rekord-Marktanteilen. Diese Woche zeigte damit zwei Seiten Apples: spürbar steigende Preise und eine Stärke, die der Konkurrenz fehlt.
Gut eine Woche, nachdem Tim Cook höhere Preise öffentlich vorbereitet hatte, hat Apple sie umgesetzt. Der Online-Store war kurzzeitig nicht erreichbar – und kehrte mit teils deutlich höheren Preisen zurück: Die Aufschläge ziehen sich quer durch Macs, iPads, Apple TV, HomePods und die Vision Pro, während iPhone, Apple Watch und AirPods vorerst verschont bleiben. Hinter den Zahlen steht die Speicherkrise, die inzwischen vom Rechenzentrum bis an die Ladentheke durchschlägt. Genau dieser Kostendruck prägte die ganze Woche – von der Frage, wer die Knappheit mitverschuldet hat, über einen neu sortierten Chip-Fahrplan bis zu einer Prognose, die Apple trotz allem stärker sieht denn je. Ein Wochenrückblick zwischen Preisschock, Rekordzahlen und einem überraschenden Personalwechsel.
🔥 Story der Woche: Die Preisrunde ist da
Es war angekündigt, jetzt ist es da – und es trifft breit. Am deutlichsten in absoluten Zahlen verteuern sich die teuren Macs: Das 16-Zoll-MacBook-Pro kostet 400 Euro mehr, das 14-Zoll-Modell 300 Euro. Prozentual am heftigsten erwischt es das Apple TV, dessen 128-GB-Variante von 189 auf 299 Euro springt. Auch iPad Pro, iPad Air, beide HomePods und die Vision Pro ziehen an; in den USA legt der Mac Studio mit M3 Ultra sogar um 1.300 Dollar zu. Nicht betroffen sind vorerst iPhone, Apple Watch und AirPods.
Als Grund nennt Apple die rasant gestiegenen Speicherpreise – Tim Cook hatte die Erhöhungen eine Woche zuvor angekündigt und mit einer Jahrhundertflut bei den Speicherchips begründet, weil ein Großteil des Speichers derzeit in KI-Server fließt. Ganz unwidersprochen bleibt diese Erzählung allerdings nicht: Ausgerechnet aus der Zulieferbranche kommt der Hinweis, dass Apples eigene Einkaufspolitik die Knappheit mitverschärft haben könnte. Der Speicherhersteller Micron meldete im selben Zeitraum ein Rekordquartal mit einem Umsatzsprung von 346 Prozent – ein Beleg dafür, wie sehr die Branche von genau jener Knappheit profitiert, die Apple gerade die Preise nach oben treibt.
Bemerkenswert ist dabei weniger die Höhe der Aufschläge als die Tatsache, dass Apple sie überhaupt offen weitergibt – jahrelang hat der Konzern Schwankungen bei den Bauteilkosten selbst aufgefangen. Und es dürfte nicht bei einer Runde bleiben: In seiner Stellungnahme spricht Apple davon, mit Preiserhöhungen zu „beginnen“ – eine Wortwahl, die weitere Wellen nahelegt. Als nächste Kandidaten gelten genau die heute verschonten Produkte: iPhone, Apple Watch und AirPods.
📰 Was sonst wichtig war
Die zweite iOS-27-Beta ist da. Mit etwas Abstand zur WWDC verteilt Apple die zweite Entwickler-Beta der 27er-Reihe – mit zahlreichen Detailänderungen und dem auffälligen Fund, dass Siri AI das Zusammenfassen ganzer Webseiten klar verweigert. Begleitend erscheinen frische Funktions-Übersichten, unter anderem zur Home-App.
Das Tata-Datenleck weitet sich aus. Der Cyberangriff auf Apples indischen Fertigungspartner zieht weitere Kreise: Über 630 Gigabyte landeten im Dark Web, inzwischen tauchen darin auch mutmaßliche Unterlagen von TSMC und Qualcomm auf. Apples Sicherheitsteam ist mittlerweile direkt in die Aufarbeitung eingebunden.
Apple steuert auf Rekord-Marktanteile zu. Trotz – oder gerade wegen – der Preisrunde sieht Counterpoint Research den Konzern 2026 bei Smartphones, Laptops und Tablets auf dem höchsten Marktanteil seiner Geschichte. Beim iPad soll der Anteil auf 39 Prozent klettern, beim iPhone auf 25 Prozent – während viele Wettbewerber unter den Speicherkosten zweistellig einbrechen dürften.
Apples Verfahren gegen Jon Prosser geht zurück auf Anfang. Ein Gericht hat das Versäumnisurteil gegen den Leaker aufgehoben – der Rechtsstreit wird damit regulär weiterverhandelt.
Eddy Cue wird ausgezeichnet – und macht Ansagen. Apples Service-Chef ist zur Entertainment Person of the Year gekürt worden und verspricht für Apple TV zugleich „besser und mehr“.
China nimmt die App-Store-Gebühren ins Visier. Gegen Apple liegt dort eine Kartellbeschwerde wegen der App-Store-Provisionen vor – ein weiterer regulatorischer Schauplatz neben der EU.
💡 Gerücht der Woche: Apple sortiert den Chip-Fahrplan neu
Das vielleicht überraschendste Gerücht der Woche dreht sich um Apples Chip-Fahrplan. Einem Bloomberg-Bericht zufolge verzichtet Apple bei der M6-Generation erstmals auf die starken Pro- und Max-Varianten und zieht stattdessen die KI-orientierte M7-Reihe vor. Der M6 soll noch dieses Jahr für die Einsteiger-Macs erscheinen – als erster Apple-Mac-Chip in 2-Nanometer-Fertigung und mit deutlich höherer Speicherbandbreite. Die nächsten Pro- und Max-Chips kämen dann erst mit der M7-Reihe gegen Ende 2027.
Für leistungshungrige Mac-Nutzer verschiebt das die Perspektive spürbar nach hinten, denn das obere MacBook-Pro-Segment dürfte sich an diesem Zeitplan orientieren. Parallel soll noch 2026 ein M5 Ultra für die stärksten Desktop-Macs folgen – gleich zwei neue Chips in einem Jahr also. Hinter der Umstellung steht ein klares Motiv: Apple richtet seine Roadmap zunehmend an KI- und Grafiklasten aus, nachdem der Konzern seine Spitzenposition als größter TSMC-Kunde zuletzt an Nvidia abgeben musste.
📊 Zahl der Woche: 400 Euro
So viel mehr kostet das 16-Zoll-MacBook-Pro nach der neuen Preisrunde – der größte Aufschlag in absoluten Zahlen. Damit klettert Apples Spitzen-Notebook von 2.999 auf 3.399 Euro. Es ist die sichtbarste Zahl einer Woche, in der sich die Speicherkrise erstmals unmittelbar auf dem Preisschild niederschlägt – und womöglich nur der Anfang einer ganzen Serie von Anpassungen.
👎 Flop der Woche: Apple verliert seinen Brillen-Chef an OpenAI
Mitten in den Umbau an der Hardware-Spitze platzt ein prominenter Abgang: Paul Meade, langjähriger Verantwortlicher für die Hardware der Vision Pro und der geplanten Apple-Brille, wechselt zu OpenAI. Meade war seit 2010 bei Apple, leitete über sieben Jahre das Hardware-Engineering der Vision Pro und zuletzt die Entwicklung der KI-Brille, mit der Apple gegen Metas Ray-Ban-Modelle antreten will.
Der Zeitpunkt macht den Verlust besonders unangenehm. Der Wechsel ist eine direkte Folge der Neuordnung unter dem neuen Hardware-Chef Johny Srouji, die mehrere Vizepräsidenten faktisch herabgestuft haben soll. Dass nun ausgerechnet der Kopf hinter Apples Brillen-Ambitionen zur KI-Konkurrenz geht – kurz bevor diese Geräte eine zentrale Rolle spielen sollen –, ist mehr als eine Personalie. Seine Aufgaben übernimmt sein bisheriger Stellvertreter Fletcher Rothkopf.
🔭 Was nächste Woche kommt
Der Blick nach vorn richtet sich vor allem auf die Software: Apple dürfte in den kommenden Tagen die nächste Beta verteilen – erwartet wird hier eher die 26.6er-Reihe, während die iOS-27-Entwickler-Betas weiterhin im Rhythmus von rund zwei Wochen erscheinen. Dazu stehen iOS 26.5.2 und macOS Tahoe 26.5.2 kurz vor der Freigabe. Und die womöglich wichtigste offene Frage bleibt: Folgt nach Macs und iPads schon bald die nächste Preiswelle – und trifft sie diesmal iPhone, Apple Watch und AirPods? Gesichert ist davon noch nichts.
💬 Meine Meinung
Die eigentliche Nachricht der Woche ist nicht, dass Apple teurer wird – sondern dass der Konzern es offen zugibt. Jahrelang hat Apple Schwankungen bei den Bauteilkosten still geschluckt, um seine Preise stabil zu halten; dass dieser Puffer jetzt sichtbar reißt, sagt mehr über das Ausmaß der Speicherkrise als jede Quartalszahl. Zugleich lohnt ein zweiter Blick auf die Opferrolle. Die Kosten steigen real, das ist unbestritten. Aber während Apple auf die teuren Chips verweist, meldet sein Zulieferer Micron ein Rekordquartal, und die Prognosen sehen Apple selbst auf historischen Marktanteilen. Ein Konzern mit diesen Margen und dieser Nachfrage hätte Spielraum, mehr abzufedern, als er gerade weitergibt. Und die Wortwahl, mit Erhöhungen erst zu „beginnen“, deutet an, dass die unbequemste Zahl noch aussteht: der Preis des nächsten iPhones.
📚 Aus unserem Archiv
Apple Glasses: Alle Gerüchte im Überblick – Genau die Brille, deren Hardware-Chef diese Woche zu OpenAI abwandert, soll Ende 2027 erscheinen; was bis dahin über das Gerät bekannt ist, sammelt diese Übersicht.
iPhone 18 Pro: Alle Gerüchte im Überblick – Ob die nächste Preiswelle auch das iPhone erfasst, entscheidet sich an der kommenden Pro-Generation – die laufende Übersicht bündelt, was bei Preis, Chip und Kamera erwartet wird.
Geld war auch diese Woche der rote Faden – diesmal nicht als Sorge um morgen, sondern als Preisschild von heute.
Bis nächsten Sonntag wünscht Apfelpatient eine entspannte Lektüre und einen guten Wochenstart. (Bild: Shutterstock / Mer_Studio)



