Am Montag schrieb Tim Cook seine letzte Nachricht an die Belegschaft, am Dienstag saß John Ternus im Chefsessel. Dazwischen verschoben sich Zuständigkeiten, die mit der Personalie an der Spitze wenig zu tun hatten. Vier Tage vor der Keynote steht eine Führungsmannschaft, die anders geschnitten ist als noch im Frühjahr.
Der Wechsel selbst war seit April bekannt, das Datum seit Wochen gesetzt. Was in dieser Woche dazukam, stand in keiner Ankündigung: Ein Vizepräsident gab seinen Bereich ab, ein zweiter verschwand von der Führungsseite, ein dritter trennte sich von zwei Aufgaben, die er seit Jahrzehnten mit sich trug. Der aktuelle Zuschnitt sämtlicher Zuständigkeiten steht in der Übersicht zur Apple-Führungsriege. Daneben lief die Woche vor dem 9. September weiter: eine achte Beta, ein Gerichtsverfahren mit Gegenschlag und das Ende einer Prozessorarchitektur, die zwei Jahrzehnte lang in jedem Mac steckte.
🔥 Story der Woche: Der Umbau lief unter dem Wechsel
Montag, 31. August, war Tim Cooks letzter Arbeitstag als Konzernchef. Seine Nachricht an das Team blieb sachlich und kurz. Am Dienstag übernahm John Ternus, Cook rückte als Executive Chairman in den Verwaltungsrat.
Ternus trat noch am selben Tag vor die Belegschaft in Cupertino. Seine erste Botschaft als Apple-Chef drehte sich um die Produktpipeline und einen iPhone-Start, den er als außergewöhnlich beschrieb – acht Tage vor der Keynote eine erwartbare Ansage, aber die erste aus seinem Mund.
Bemerkenswerter war, was gleichzeitig darunter passierte. Luca Maestri, bis Ende 2024 Finanzchef und danach für Corporate Services zuständig, hat diesen Bereich abgegeben; die Aufgaben liegen jetzt bei Finanzchef Kevan Parekh. Adrian Perica, seit Jahren für Zukäufe verantwortlich, taucht auf der aktualisierten Führungsseite nicht mehr auf. Beide Veränderungen wurden am ersten Tag der neuen Führung bekannt.
Dazu kam die dritte Personalie: Phil Schiller gibt App Store und Produkt-Events ab. Der App Store geht an Eddy Cue, die Veranstaltungen wandern in die Kommunikationsabteilung. Parekh, Cue und Betriebschef Sabih Khan haben damit in einer einzigen Woche mehr Verantwortung dazubekommen als der neue Vorstandsvorsitzende selbst.
Was Apple für die neue Spitze zahlt
Am Dienstag legte Apple in einer Pflichtmitteilung offen, was Ternus verdient: 3 Millionen Dollar Grundgehalt plus eine jährliche Aktienzuteilung mit einem Zielwert von 55 Millionen Dollar für das Geschäftsjahr 2027. Für das laufende Geschäftsjahr 2026 kommt eine anteilige Zuteilung über 2,5 Millionen Dollar hinzu. Drei Viertel der jährlichen Aktien hängen an der Wertentwicklung im Vergleich zum S&P 500, das restliche Viertel wird halbjährlich über vier Jahre ausgezahlt.
| Position | Grundgehalt | Aktien (Zielwert) | Zielvergütung |
|---|---|---|---|
| Ternus als CEO, GJ 2027 | 3 Mio. $ | 55 Mio. $ | 58 Mio. $ |
| Cook als Executive Chairman, GJ 2027 | 2 Mio. $ | 45 Mio. $ | 47 Mio. $ |
Zum Vergleich: Cooks Gesamtvergütung als Konzernchef belief sich im Geschäftsjahr 2025 auf 74,3 Millionen Dollar, darin enthalten 3 Millionen Gehalt, 12 Millionen leistungsabhängige Barauszahlung und 57,5 Millionen in Aktien. Mögliche Boni stecken in den Zielwerten für 2027 nicht drin, die tatsächlichen Beträge können also abweichen.
Warum der Wechsel an der EU-Front folgenlos bleibt
Ein Zuständigkeitsbereich wandert ausdrücklich nicht mit: Der Austausch mit politischen Entscheidungsträgern bleibt bei Cook. Für den deutschsprachigen Raum ist das die praktisch relevanteste Festlegung der Woche, weil die überarbeiteten App-Store-Bedingungen für die EU im Oktober greifen und Cook die Gespräche dazu geführt hat. Auf der Ebene, auf der über europäische Regeln verhandelt wird, ändert sich zum 1. September nichts.
📰 Was sonst wichtig war
Der Beta-Zyklus geht auf die Zielgerade. iOS 27 Beta 8 erschien am Montag und ist nach dem Muster der vergangenen Generationen die letzte reguläre Entwicklerfassung vor dem Release Candidate.
Das Verfahren um angebliche Geschäftsgeheimnisse eskaliert. Apple legte forensische Befunde von einem MacBook vor, OpenAI widersprach einen Tag später und stellte die Auswertung als lückenhaft dar. Verhandelt wird am 1. Oktober.
Intel-Macs verlieren an zwei Fronten. Der Mac App Store lässt Apps ohne Intel-Unterstützung zu, Entwickler können die Architektur damit offiziell fallen lassen. Zeitgleich rutschten ein MacBook Air und zwei MacBook Pro in den Veraltet-Status.
Zwei iPhones, eine Rufnummer. iPhone Handoff in iOS 27 koppelt ein zweites Gerät an dieselbe Nummer – relevant für alle, die ein Dienst- und ein Privatgerät parallel tragen.
Vier HomePods als Surround-Set. Im Code von audioOS 27 steckt eine Mehrkanal-Konfiguration mit vier Geräten. Der Fund ist belegt, die Produktdeutung nicht.
💡 Gerücht der Woche: Das teuerste iPhone kommt in Stückzahlen, die keine sind
Zwei Berichte aus derselben Woche ergeben ein unangenehmes Bild. Der erste nennt für das faltbare Modell einen Einstieg von 2.099 Dollar und für die größte Speichervariante über 3.000 Dollar. Der zweite berichtet, dass die Fertigung derzeit nur einige Hundert Geräte pro Tag ausstößt.
Als Grund gelten nicht fehlende Bauteile, sondern Apples Prüfkriterien: die Ebenheit des faltbaren Displays und das Verhalten des Scharniers. Die Angaben zur Fertigung stammen aus der asiatischen Lieferkette, in der Nikkei Asia bei Bestellmengen wiederholt richtig lag; die Preisspanne dagegen ist eine Marktforschungsschätzung und keine Preisliste. Das Jahresziel soll weiterhin bei rund 10 Millionen Einheiten liegen – eine Größenordnung, die bei wenigen Hundert Geräten am Tag einen sehr steilen Anstieg voraussetzt.
Für den deutschsprachigen Raum ist bislang keine belastbare Zahl im Umlauf: weder ein Euro-Preis noch eine Angabe dazu, wie sich die knappe Erstauflage auf die Märkte verteilt. Der gesamte Gerüchtestand zum Gerät, von der Scharnierkonstruktion bis zum Startfenster, steht in der Übersicht zum iPhone Ultra.
📊 Zahl der Woche: Sieben
So viele Grafikkerne lassen sich auf einem geleakten Chipbild des A20 Pro auszählen. Die Zahl stammt damit aus einer Aufnahme und nicht aus einem Datenblatt – jemand hat Blöcke auf einem Die gezählt.
Das macht sie interessant und begrenzt zugleich ihren Wert. Ein Foto zeigt, wie viele Recheneinheiten vorhanden sind, aber weder deren Takt noch die angebundene Speicherbandbreite. Genau daran entscheidet sich in der Praxis, wie viel schneller ein Chip tatsächlich rechnet.
👎 Flop der Woche: Das OLED-iPad Pro bleibt hinter dem Plan zurück
Im ersten Quartal 2026 wurden 820.000 OLED-Panels für das iPad Pro ausgeliefert. Die Panelhersteller hatten mit 1,3 Millionen kalkuliert – ein Rückstand von 37 Prozent, wie ihn die Marktforscher von Omdia beschreiben.
Das ist mehr als eine schwache Quartalszahl. OLED war beim iPad Pro der Auftakt einer Umstellung, die anschließend iPad Air, iPad mini und MacBook Pro erfassen soll. Bleibt die teure Displaytechnik ausgerechnet im Premiumsegment so deutlich hinter den Erwartungen, wird jede weitere Stufe schwerer zu begründen.
Der Preis dürfte der Hauptgrund sein – das ist unsere Einschätzung, keine Angabe aus dem Bericht. Das iPad Pro ist seit dem Wechsel auf OLED das mit Abstand teuerste Tablet im Sortiment, und der Abstand zum iPad Air fällt größer aus als der Unterschied im Alltagsnutzen für die meisten Anwendungen.
🔭 Was nächste Woche kommt
Am Mittwoch, dem 9. September, läuft die Keynote um 19:00 Uhr MESZ aus dem Steve Jobs Theater. Die Anleitung zum Livestream führt die Wege auf, über die sich die Übertragung hierzulande verfolgen lässt; die erwarteten Neuvorstellungen stehen in der Übersicht zum iPhone 18 Pro.
Mindestens ebenso aufschlussreich ist die Gegenliste. Ein reguläres iPhone 18 wird es im September nicht geben, erstmals seit 2014 – einer von dreizehn Punkten in Was nicht vorgestellt wird.
Am Abend der Keynote oder kurz danach wird außerdem der Release Candidate von iOS 27 erwartet. Die Freigabe für alle folgt erfahrungsgemäß gut eine Woche später.
💬 Meine Meinung
Die Schlagzeile der Woche war eine Personalie, die eigentliche Nachricht war eine Umverteilung. Ternus übernimmt eine Mannschaft, die bereits im April neu geschnitten wurde – die Hardwareentwicklung ging damals an Johny Srouji und Tom Marieb – und die in dieser Woche noch einmal nachsortiert wurde. Er erbt keine Baustelle, sondern eine fertige Aufstellung.
Das deckt sich mit unserer Erwartung, dass sich unter dem neuen Konzernchef wenig Grundsätzliches ändert. Wo die Entscheidungen künftig fallen, lässt sich weniger am Namen an der Spitze ablesen als an Parekh, Khan und Cue. Bei ihnen ist in dieser Woche Verantwortung gelandet, die vorher auf mehrere Schultern verteilt war.
Bemerkenswert bleibt die eine Ausnahme: Cook behält die politischen Gespräche. Ein Konzern, der einen Generationswechsel inszeniert und ausgerechnet die Regulierungsfront unangetastet lässt, sagt damit etwas über deren Gewicht aus. Die Bilanz seiner 15 Jahre rechnet die Ära in Zahlen durch, das Porträt zum neuen Konzernchef beschreibt seinen Nachfolger.
📚 Aus unserem Archiv
Mit dem Release Candidate von iOS 27 und einem neuen iPhone in Reichweite lohnt der Blick auf die Vorarbeit. Welche Sicherung wann greift und worin sich iCloud- und Computer-Backup unterscheiden, steht in iPhone Backup erstellen.
Und weil in dieser Woche gleich drei Macs in den Veraltet-Status gerutscht sind: Wie lange Apple welche Geräte mit Sicherheitskorrekturen versorgt und woran sich das Support-Ende ablesen lässt, erklärt Apple Sicherheitsupdates.
Eine Woche, in der ein Wechsel an der Spitze vollzogen wurde und die eigentliche Bewegung zwei Ebenen darunter stattfand – unmittelbar vor der wichtigsten Keynote des Jahres.
Zählt für dich am Ende mehr, wer bei Apple die oberste Verantwortung trägt, oder wer die Bereiche darunter führt? Schreib uns in die Kommentare, worauf du in den kommenden Monaten schaust.
Bis nächsten Sonntag wünscht Apfelpatient eine entspannte Lektüre und einen guten Wochenstart.


