Sechs Tage vor der Keynote kursiert eine Aufnahme, die den nackten Chip des kommenden Spitzenmodells zeigen soll. Abgelesen wird daraus eine Grafikeinheit mit sieben Kernen – einer mehr als im aktuellen Spitzenmodell. Die Aufnahme selbst trägt allerdings keine einzige Beschriftung.
Der A20 Pro soll im iPhone 18 Pro und im iPhone Ultra arbeiten und wäre Apples erster Chip aus der 2-Nanometer-Fertigung. Bislang bewegten sich die Angaben dazu auf der Ebene von Prozentwerten – zuletzt kursierten 18 Prozent mehr Tempo und 30 Prozent bessere Effizienz gegenüber dem A19 Pro. Nun liegt erstmals eine Aufnahme vor, die den Aufbau des Chips selbst zeigen soll, und damit eine ganz andere Art von Angabe: keine Leistungsprognose, sondern eine Bauteilzählung.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Beitrag auf der chinesischen Plattform Weibo zeigt eine Aufnahme, die den freigelegten A20 Pro darstellen soll.
- Abgeleitet werden daraus sieben Grafikkerne. Der A19 Pro im iPhone 17 Pro hat sechs.
- Die Zahl der Rechenkerne bleibt unverändert bei zwei Leistungs- und vier Effizienzkernen.
- Der Zwischenspeicher der Effizienzkerne soll von 6 auf 8 MB wachsen, der der Leistungskerne unverändert bleiben.
- Weder die Neural Engine noch der Bildprozessor sind auf der Aufnahme zugeordnet – ausgerechnet die Einheiten, an denen die KI-Funktionen hängen.
Was aus der Aufnahme gelesen wird
Die Zuordnung der Blöcke stammt vom Urheber des Beitrags, nicht aus einer Beschriftung auf dem Chip. Apple selbst veröffentlicht zu Cache-Größen und Busbreiten keine Zahlen; gesichert ist auf Apples Seite nur, was zum A19 Pro in der Mitteilung zum iPhone 17 Pro steht: sechs Grafikkerne, Neural Accelerators in jedem davon und eine 16-Core Neural Engine.
| Merkmal | A19 Pro im iPhone 17 Pro | A20 Pro laut Aufnahme |
|---|---|---|
| Grafikkerne | 6 | 7 |
| Rechenkerne | 2 Leistung, 4 Effizienz | 2 Leistung, 4 Effizienz |
| Zwischenspeicher Leistungskerne | 16 MB | 16 MB |
| Zwischenspeicher Effizienzkerne | 6 MB | 8 MB |
| Speicheranbindung | von Apple nicht beziffert | 96 Bit LPDDR5X |
| Fertigung | 3 Nanometer | 2 Nanometer |
Der siebte Grafikkern wäre der auffälligste Punkt. Beim aktuellen Pro-Modell liegt die Zahl bei sechs, und den Zuwachs hat Apple dort über die Architektur geholt: Die Neural Accelerators sitzen in jedem einzelnen Grafikkern und beschleunigen lokale KI-Modelle. Ein Kern mehr würde diese Rechenwerke schlicht mitvervielfachen.
Der zweite bemerkenswerte Eintrag ist die Speicheranbindung. Eine breitere Verbindung zwischen Chip und Arbeitsspeicher hebt die übertragbare Datenmenge an, ohne dass der Speicher höher takten müsste. Bei lokal ausgeführten Sprachmodellen ist genau das der begrenzende Faktor: Solche Modelle lesen bei jedem einzelnen Rechenschritt große Datenmengen aus dem Arbeitsspeicher, und die Geschwindigkeit hängt dann an der Anbindung, nicht an der Rechenleistung.
Warum die Zahlen mit Vorsicht zu lesen sind
Die Aufnahme ist unbeschriftet. Welcher Block welche Einheit ist, hat der Urheber selbst zugeordnet, nachdem er nach eigener Aussage mehrere Anordnungen durchprobiert und sich für die plausibelste entschieden hat. Das ist eine Auslegung und keine Messung – bei der Zählung von Grafikkernen auf einem Bild ohne Maßstab durchaus fehleranfällig.
Dazu kommt eine Lücke: Neural Engine und Bildprozessor sind auf der Aufnahme nicht zugeordnet. Beide Einheiten tragen die Funktionen, die Apple am 9. September vermutlich in den Vordergrund stellen wird, und über beide sagt der Fund damit nichts.
Die übrigen abgelesenen Werte sprechen immerhin für eine gewisse Sorgfalt: Zwei Leistungs- und vier Effizienzkerne sowie 16 MB Zwischenspeicher auf der Leistungsseite entsprechen genau dem, was für den A19 Pro dokumentiert ist. Ein frei erfundener Chip sähe in der Regel anders aus.
Warum ein Grafikkern mehr nicht das Tempo verdoppelt
Ein zusätzlicher Grafikkern bringt rechnerisch rund ein Sechstel mehr Grafikleistung – spürbar in aufwendigen Spielen und beim Videoschnitt, im Alltag dagegen kaum. Der Flaschenhals liegt bei aktuellen iPhones selten bei der Grafikeinheit.
Interessanter wird die Kombination mit der 2-Nanometer-Fertigung. Der eigentliche Gewinn dieser Generation dürfte nach unserer Erwartung nicht im Spitzentempo liegen, sondern darin, wie lange sich hohe Leistung halten lässt – bei den aktuellen Pro-Modellen ist der Sprung von 40 Prozent, den Apple nennt, ausdrücklich einer bei der konstanten Leistung und nicht bei der Spitze. Ein sparsamerer Fertigungsprozess plus ein Kern mehr wirkt in dieselbe Richtung.
Wenn du überlegst, wegen der Leistung zu wechseln, ist das der Wert, auf den es am 9. September zu achten lohnt: nicht die Zahl im Benchmark, sondern was nach zwanzig Minuten davon übrig ist.
Was die Keynote klären wird
Apple nennt zu seinen Chips traditionell Kernzahlen und Vergleichswerte, aber keine Cache-Größen und keine Busbreiten. Von den Angaben aus der Aufnahme dürfte am 9. September also nur ein Teil gegengeprüft werden können – die Zahl der Grafikkerne gehört dazu, die Speicheranbindung nicht. Bis dahin bleiben die weiteren Erwartungen an das Gerät im Überblick zum iPhone 18 Pro und beim iPhone Ultra gesammelt; die Keynote selbst lässt sich im Stream verfolgen.
Zählt für dich beim nächsten iPhone überhaupt noch die Rechenleistung – oder wäre dir eine längere Laufzeit bei gleichem Tempo lieber? Sag uns in den Kommentaren, worauf du am 9. September zuerst schaust.


