Apple arbeitet seit Jahren an einem Smart-Home-Hub mit Display – und die Hardware gilt längst als fertig. Das intern als HomePad gehandelte Gerät verbindet einen HomePod-Lautsprecher mit einem iPad-ähnlichen Touchscreen und erkennt, wer davorsteht. Nur beim Termin ist es unter den kommenden Home-Geräten das Schlusslicht.
Beim Thema Smart Home hat Apple lange zugeschaut, während Amazon und Google mit Displays, Kameras und Hub-Geräten den Ton angaben. Das hauseigene Home-Ökosystem beschränkte sich bislang auf HomePod, HomePod mini und Apple TV als Steuerzentralen. Mit dem HomePad ändert sich das. Das Gerät wird intern unter dem Codenamen J490 entwickelt und soll laut mehreren Quellen seit Monaten fertig in den Lagern liegen – gebremst wurde der Start allein vom Warten auf das runderneuerte, KI-gestützte Siri-Erlebnis. Inzwischen gilt es gemeinsam mit dem neuen Apple TV und dem HomePod mini als startbereit, erscheint von den dreien aber als letztes. Der Fahrplan dieser Smart-Home-Offensive erstreckt sich bis ins Jahr 2028.
Das Wichtigste in Kürze
| Detail | Erwartung |
|---|---|
| Produkt | Smart-Home-Hub mit 7-Zoll-Display |
| Codename | J490 |
| Chip | A18 (Apple-Intelligence-fähig) |
| Display | 7 Zoll, quadratisch, Touchscreen |
| Kamera | Ultraweitwinkel mit Face ID für Mehrbenutzer-Erkennung |
| Bauformen | Tischmodell mit halbkugelförmigem Sockel und Wandmontage per Magnetsystem |
| Software | eigenes System auf tvOS-Basis, Oberfläche mit tvOS- und watchOS-Elementen |
| Marktstart | Oktober 2026 bis Anfang 2027 |
| Preis | geschätzt rund 350 US-Dollar, Europreis offen |
Zwei Bauformen: Tisch und Wand
Apple entwickelt das HomePad in zwei Ausführungen. Das Tischmodell setzt das Display auf einen halbkugelförmigen Sockel mit Lautsprecher, der optisch an den HomePod mini erinnert – gedacht für Küche, Schlafzimmer oder Schreibtisch, überall dort, wo schnelle Informationen und Musiksteuerung gefragt sind. Das Wandmodell nutzt ein neues Magnetsystem und wird zum zentralen Smart-Home-Panel an der Wand; ein Prototyp mit Schnellbefestigung und Türklingel-Integration wurde bereits beschrieben. Das Display misst rund sieben Zoll im quadratischen Format – etwa so groß wie zwei nebeneinanderliegende iPhones.
Chip und Software
Laut geleaktem Apple-Code arbeitet im HomePad der A18-Chip – derselbe Prozessor wie im iPhone 16. Damit wäre das Gerät leistungsstark genug für Apple-Intelligence-Funktionen, allen voran Siri AI mit natürlicher Gesprächsführung. Als Software soll ein eigenständiges System zum Einsatz kommen, das auf tvOS aufsetzt und dessen Oberfläche Elemente aus tvOS und watchOS mischt – mit Apps, Symbolen und Widgets. Dazu kommen anpassbare Zifferblätter nach dem Vorbild der Apple Watch. Hinweise auf das ChatKit-Framework im Code deuten darauf hin, dass das HomePad iMessage und Textnachrichten unterstützen könnte, was auf Apple TV und HomePod bislang fehlt.
Kamera und Gesichtserkennung
Die eingebaute Frontkamera geht über simple Videoanrufe hinaus. Für FaceTime sind Center Stage und 1080p-Video vorgesehen. Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal ist die Gesichtserkennung: Das Gerät soll erkennen, wer auf das Display schaut, zusätzlich den Abstand bestimmen und die Oberfläche in Echtzeit darauf anpassen. Größe und Art der angezeigten Informationen ändern sich also, je nachdem, wer davorsteht und wie nah – inklusive persönlichem Kalender, eigenen Notizen und individueller Musik.
Das wäre der erste Apple-Bildschirm, der sein Gegenüber aktiv identifiziert und die Darstellung daran ausrichtet. Face ID auf iPhone und iPad entsperrt lediglich ein Gerät, das einer einzelnen Person zugeordnet ist; ein Wohnzimmergerät, das mehrere Haushaltsmitglieder auseinanderhält, folgt einer anderen Logik – und wirft die Frage auf, wo die biometrischen Daten verarbeitet werden. Darüber hinaus könnte die Erkennung Automationen auslösen und etwa beim Heimkommen passende HomeKit-Szenen starten. Dass Apple intern eine App zur Messung der Erkennungsgenauigkeit entwickelt hat, unterstreicht den Stellenwert dieser Funktion.
Das HomePad als Zentrale fürs Smart Home
Das HomePad wird als zentrale Schaltstelle für das gesamte Apple-Home-Ökosystem positioniert. Über das Display lassen sich HomeKit- und Matter-Geräte direkt steuern, Thread-Unterstützung ermöglicht die direkte Kommunikation mit kompatiblen Geräten ohne zusätzlichen Hub, und Siri übernimmt als Kern die Sprachsteuerung für Licht, Thermostat, Schlösser und Kameras – spürbar leistungsfähiger als bisher. Dabei soll das Gerät eng mit der geplanten Apple Security Camera für den Innenbereich zusammenspielen, die ebenfalls Teil des Smart-Home-Pushes ist. Zu diesem gehören außerdem die neuen HomePods und das überarbeitete Apple TV. Dass die Software-Grundlage dafür steht, zeigte die WWDC: Dort erweiterte Apple die Home-App unter anderem um smartere Benachrichtigungen für Sicherheitskamera-Alarme.
Was das HomePad kann – und was nicht
Neben der Smart-Home-Steuerung soll das HomePad Musik und Podcasts abspielen, FaceTime-Videoanrufe führen, Wetter, Kalender und Erinnerungen anzeigen, Fotos als digitaler Bilderrahmen darstellen sowie Notizen und Timer verwalten und iMessage-Nachrichten senden und empfangen. Was bewusst fehlt: ein vollwertiger App Store. Apple setzt auf kuratierte Funktionen statt auf eine offene Plattform und konzentriert das Gerät damit klar auf Smart Home, Kommunikation und schnelle Informationen.
Wann das HomePad erscheinen soll
Ursprünglich war das HomePad für Anfang 2025 geplant, rutschte dann auf das Frühjahr 2026 und schließlich in die zweite Jahreshälfte – jedes Mal wegen der Verzögerungen rund um das KI-gestützte Siri-Erlebnis. Die Hardware gilt seit Monaten als fertig. Mit der Vorstellung von Siri AI auf der WWDC ist der letzte Unsicherheitsfaktor ausgeräumt: Die Funktion ist seit der Konferenz in den Entwickler-Betas zu testen und erscheint im September mit den neuen Betriebssystemen.
Beim Termin fällt das HomePad allerdings aus der Reihe. Während Apple TV und HomePod mini für den Herbst gesetzt sind, nennt der jüngste Bericht für die Smart-Home-Zentrale einen Zeitraum von Oktober bis Anfang kommenden Jahres. Ein Start erst 2027 ist damit ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Als Bühne gilt weniger die ohnehin volle September-Keynote rund um das iPhone 18 Pro, sondern eher ein primär auf den Mac ausgerichtetes Oktober-Event – für eine völlig neue Produktkategorie wäre eine schlichte Pressemitteilung ohnehin ein ungewöhnlicher Rahmen.
Was das HomePad kosten soll
Erste Schätzungen gehen von rund 350 US-Dollar aus. Die naheliegende Umrechnung auf etwa 399 Euro trägt allerdings nicht mehr weit: Bei der Preisrunde im Juni stieg das Apple TV 4K in den USA von 129 auf 199 Dollar, in Deutschland aber von 169 auf 229 Euro – die Aufschläge fallen je nach Markt unterschiedlich aus. Der Europreis des HomePad lässt sich aus der Dollar-Schätzung deshalb nicht ableiten.
Preislich läge Apple damit deutlich unter einem iPad und positioniert das HomePad als eigenständiges Smart-Home-Gerät statt als Tablet-Ersatz. Gegenüber den vergleichbaren Smart-Displays von Amazon und Google, die meist deutlich günstiger angesetzt sind, liegt Apple höher – bietet dafür aber die tiefe Integration ins eigene Ökosystem.
Siri AI in der EU: der offene Punkt
Für den deutschsprachigen Markt bleibt ein Vorbehalt, und er wiegt bei einem sprachgesteuerten Gerät schwerer als bei den übrigen. Siri AI startet in der EU zunächst nicht auf iPhone und iPad; für macOS 27 und visionOS 27 hat Apple die Funktion auch hier angekündigt. Woran die Einführung auf iPhone und iPad konkret hängt, ist ausführlich dokumentiert.
Der Ausschluss folgt dabei nicht der Gerätekategorie. Der Digital Markets Act benennt keine Produkte, sondern zentrale Plattformdienste: Bei Apple sind das seit September 2023 App Store, iOS und Safari, seit April 2024 zusätzlich iPadOS. tvOS steht nicht auf dieser Liste, und die Interoperabilitätspflicht aus Artikel 6(7), an der die Siri-AI-Einführung hängt, bezieht sich ausdrücklich auf Funktionen, die von iOS und iPadOS gesteuert werden. Ein weiteres Betriebssystem käme nur über ein eigenes Verfahren der Kommission hinzu. Da das HomePad-System auf tvOS aufsetzt, spricht nach heutigem Stand wenig dafür, dass es in Deutschland und Österreich derselben Beschränkung unterliegt. Die Schweiz gehört ohnehin weder zur EU noch zum EWR und fällt nicht unter den DMA. Gespräche zwischen Apple und der EU-Kommission laufen weiter, ein Termin für eine Lösung steht bislang nicht fest.
Die praktisch größere Hürde dürfte hierzulande die Sprache sein: Siri AI startet zunächst auf Englisch, weitere Sprachen folgen schrittweise. Ein Gerät, dessen Bedienkonzept zu großen Teilen auf Sprache setzt, verliert damit einen erheblichen Teil seines Reizes, solange Deutsch fehlt.
Ausblick: der Roboter-Hub für 2027 oder 2028
Neben dem HomePad arbeitet Apple Berichten zufolge an einer ambitionierteren Variante: einem größeren Display auf einem beweglichen Roboterarm, der dem Nutzer im Raum folgen kann. Der jüngste Bericht nennt dafür ein Neun-Zoll-Display und ordnet das Gerät als höherwertige Ausbaustufe der Smart-Home-Zentrale ein. Intern läuft es unter der Bezeichnung J595. Ein Zeitrahmen wird nicht genannt; ältere Berichte verorten den Start 2027 oder 2028. Das Konzept gilt als Wagnis und soll sich noch in einer frühen Testphase befinden – es bildet damit den spektakulärsten und am weitesten entfernten Teil der Strategie.
Für wen ist das HomePad gedacht?
Das HomePad richtet sich an alle, die ihr Zuhause zentral steuern wollen, ohne ständig zum iPhone oder iPad greifen zu müssen. Es ersetzt keines der beiden Geräte, sondern ergänzt das Ökosystem um eine feste Station in der Wohnung. Besonders interessant wird es für Haushalte mit mehreren Apple-Nutzern: Über die Gesichtserkennung bekommt jedes Familienmitglied personalisierte Inhalte, ohne sich anmelden zu müssen.
Wenn du dein Smart Home konsequent im Apple-Kosmos halten willst, könnte das HomePad zusammen mit den neuen HomePods und der Security Camera zum Herzstück eines vollständig vernetzten Zuhauses werden. Beim Zeitplan solltest du allerdings Geduld einplanen: Von den drei startbereiten Home-Geräten ist dieses das einzige ohne festes Herbst-Fenster. (Bild: Shutterstock / RossHelen)
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