Apple soll die M6-Generation bewusst unvollständig lassen: Ein regulärer M6 kommt, die starken Varianten Pro, Max und Ultra fallen ersatzlos weg. Der Grund dafür liegt einem neuen Bericht zufolge nicht in der Fertigung, sondern in der Neural Engine. Damit bestimmt erstmals die KI-Leistung, welche Chips Apple überhaupt noch fertig entwickelt.
Dass Apple die M6-Reihe nicht vollständig ausbauen würde, zeichnete sich bereits ab: Das für den Herbst erwartete MacBook-Pro-Redesign soll mit den bereits bekannten Chips M5 Pro und M5 Max starten, während das neu gestaltete Einsteigermodell erst Anfang 2027 mit einem M7-Chip nachrücken soll. Offen blieb bislang die entscheidende Frage: warum. Bloomberg-Reporter Mark Gurman liefert in seinem aktuellen Power-On-Newsletter die Begründung nach – und zeichnet dabei einen Chip-Fahrplan, der bis 2028 reicht und im Rechenzentrum endet.
Warum die Neural Engine den Ausschlag gab
Nach Gurmans Darstellung hatte Apple größere Verbesserungen an der Neural-Processing-Einheit für die M7-Familie eingeplant. Diese Upgrades sollen intern als so bedeutend eingestuft worden sein, dass der Konzern es vorgezogen habe, die nächste Generation zu beschleunigen, statt die M6-Reihe noch fertigzustellen. Ein M6 Pro, ein M6 Max und ein M6 Ultra existieren in diesem Plan schlicht nicht mehr.
Das ist ein bemerkenswerter Bruch mit der bisherigen Logik. Bislang liefen Apples Chip-Generationen als geschlossene Familien durch: Basis-Chip, dann Pro und Max, am Ende die Ultra-Variante für die Desktop-Spitze. Gurman formuliert die Verschiebung deutlich: KI sei kein weiteres Feature mehr, das Apples Chips unterstützen müssten, sondern präge inzwischen, wie diese Produkte gestaltet und wann sie ausgeliefert würden.
Der Fahrplan bis 2028
Aus dem Bericht ergibt sich eine durchgehende Zeitleiste, die zwei bereits erschienene Chips mit den kommenden Generationen verbindet:
| Chip | Zeitraum |
|---|---|
| M5 | Oktober 2025 (erschienen) |
| M5 Pro und M5 Max | März 2026 (erschienen) |
| M5 Ultra | Ende 2026 |
| M6 | Ende 2026 |
| M7 | erste Jahreshälfte 2027 |
| M7 Pro und M7 Max | zweite Jahreshälfte 2027 |
| M7 Ultra | 2028 |
Der M5 Ultra bliebe damit die letzte Ausbaustufe der laufenden Generation. Erwartet wird er weiterhin im Mac Studio, für den ein Marktstart gegen Ende des Jahres gehandelt wird. Der reguläre M6 soll parallel dazu in einem neuen 14-Zoll-MacBook-Pro debütieren.
Anderthalb Jahre ohne neuen Pro-Chip
Rechnet man die Zeitleiste durch, wird die eigentliche Konsequenz sichtbar. Die aktuellen Chips M5 Pro und M5 Max sind im März 2026 erschienen. Sollten ihre Nachfolger tatsächlich erst in der zweiten Jahreshälfte 2027 kommen, läge dazwischen ein Zeitraum von rund anderthalb Jahren, in dem sich an der Spitze der mobilen Mac-Leistung nichts bewegt. Für Apple-Silicon-Verhältnisse ist das eine ungewöhnlich lange Pause in einem Segment, das sonst im Jahresrhythmus getaktet war.
Für alle, die aktuell ein MacBook Pro mit Pro- oder Max-Chip ins Auge fassen, dreht das die übliche Warte-Logik um: Ein jetzt gekauftes Gerät bliebe deutlich länger auf dem aktuellen Stand als sonst üblich. Zu bedenken bleibt allerdings das Preisniveau – Apple hat die Preise für Macs, iPads und weitere Produkte zuletzt spürbar angehoben, getrieben von der globalen Speicherchip-Krise.
Wenn der Basis-Chip dem Spitzenmodell davonläuft
Innerhalb des MacBook-Lineups führt der Plan zu einer Konstellation, die es so noch nicht gab. Das als MacBook Ultra gehandelte Premium-Modell mit OLED-Display und Touchscreen soll mit M5 Pro und M5 Max erscheinen – also mit Chips der laufenden Generation. Das deutlich günstigere 14-Zoll-MacBook-Pro würde dagegen den neueren M6 bekommen.
Damit stünde ausgerechnet im teuersten Notebook die ältere Chip-Generation, während das Einsteigermodell eine Stufe weiter ist. Der Sprung nach vorn läge dann nicht mehr im Preis, sondern im Kalender: Wer die stärkste Kombination aus neuem Design und neuer Chip-Architektur will, müsste bis zur M7-Generation warten.
Der M7 Ultra soll bis in die Rechenzentren reichen
Am weitesten reicht die Ankündigung beim M7 Ultra, der für 2028 erwartet wird. Gurman zufolge soll er die KI-Leistung drastisch steigern – und ab 2029 möglicherweise auch Apples Server für Apple Intelligence antreiben. Damit würde ein Mac-Chip erstmals zur tragenden Säule der eigenen KI-Infrastruktur.
Einzuordnen ist das mit Zurückhaltung: 2029 liegt drei Jahre entfernt, und Apples Serverpläne haben sich in der Vergangenheit mehrfach verschoben. Als Richtungsangabe ist der Punkt trotzdem aussagekräftig, weil er erklärt, warum die M7-Reihe intern offenbar Vorrang genießt. Ein Chip, der später auch im Rechenzentrum laufen soll, rechtfertigt einen Entwicklungsaufwand, den eine reine Notebook-Generation nicht trägt.
Apples Chip-Plan folgt jetzt der KI
Die eigentliche Nachricht steckt nicht in den gestrichenen Chips, sondern in der Reihenfolge der Prioritäten. Bislang bestimmten Produktzyklen, wann welcher Chip fertig sein musste. Sollte sich der Bericht bestätigen, wäre es künftig umgekehrt: Die KI-Roadmap gibt den Takt vor, und die Macs richten sich danach – auch um den Preis einer Generation, die nie vollständig erscheint. (Bild: Shutterstock / Dimitris66)
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