Ein Analystenhaus, das Apple bislang kaum beachtet hat, hebt sein Kursziel um 140 Dollar an und stuft die Aktie erstmals auf Kaufen. Der Grund ist ein Produkt, das noch niemand gesehen hat. Bei einem entscheidenden Detail weicht die Rechnung von dem ab, was zuletzt über den Preis des faltbaren iPhone berichtet wurde.
Rothschild & Co Redburn hat Apple von Neutral auf Kaufen hochgestuft und das Kursziel von 260 auf 400 US-Dollar angehoben. Verantwortlich zeichnet Timm Schulze-Melander, bei dem Haus zuständig für die Analyse von Technologie-Hardware und Halbleitern. Der Auslöser ist der erwartete Einstieg in den Markt der faltbaren Geräte – ein Thema, dessen Entwicklung die Sammlung aller Fakten zum iPhone Ultra seit Monaten verfolgt.
Das Wichtigste in Kürze
- Rothschild & Co Redburn hebt das Kursziel von 260 auf 400 US-Dollar und stuft von Neutral auf Kaufen hoch.
- Die Rechnung basiert auf einem Verkaufspreis von 2.199 Dollar für das faltbare iPhone – nicht auf den 2.325 Dollar aus anderen Berichten.
- Erwartet werden 14 Millionen verkaufte Einheiten im Geschäftsjahr 2027, davon nur 4 Millionen zulasten anderer iPhone-Modelle.
- Das Haus rechnet mit 12 Prozent jährlichem iPhone-Wachstum bis zum Geschäftsjahr 2030, bis zu 14 Prozent über dem Marktkonsens.
- Ein Kursziel von 400 Dollar ist nicht neu: Wedbush rief dieselbe Marke bereits im Mai aus.
Die Rechnung hinter dem Sprung
Der Kern der Argumentation ist, dass ein faltbares iPhone den Umsatz nicht umverteilt, sondern vergrößert. Von den erwarteten 14 Millionen Einheiten im Geschäftsjahr 2027 soll nur rund ein Viertel auf Kosten anderer iPhone-Modelle gehen. Der Rest wäre zusätzliches Geschäft.
Dazu kommt der Effekt auf den Durchschnittspreis. Weil das Gerät deutlich teurer liegt als alles bisherige, soll der mittlere Verkaufspreis der gesamten iPhone-Reihe bis Juni 2027 um 11 Prozent steigen – auch ohne große Stückzahlen.
Ein zweiter Baustein betrifft die Software. Das Haus hält Apples bisherige KI-Strategie für enttäuschend und rechnet mit einer Neuausrichtung. Apple zahle rund eine Milliarde Dollar jährlich für den Zugriff auf Googles Gemini-Modelle und nehme zugleich 27,5 Milliarden Dollar jährlich für die Suchmaschinen-Platzierung ein. Ein stärkerer Griff zu quelloffenen Modellen könnte diese Abhängigkeit lockern.
Wo die Preisannahme abweicht
Beim Verkaufspreis lohnt der genaue Blick. Die Analyse rechnet mit 2.199 Dollar, was einem Aufschlag von 83 Prozent gegenüber dem iPhone 17 Pro Max entspräche. In der Berichterstattung kursiert daneben die Zahl 2.325 Dollar – sie stammt aus anderen Quellen und ist nicht die Grundlage dieser Bewertung.
Der Unterschied von 126 Dollar klingt gering, entscheidet aber über die Tragfähigkeit der Rechnung: Je höher der Preis, desto stärker der Effekt auf den Durchschnittspreis, aber desto kleiner die erreichbare Käufergruppe. Wer beide Zahlen vermischt, kommt zu einem anderen Ergebnis als das Analysehaus selbst.
Für den deutschsprachigen Raum lässt sich daraus kein Europreis ableiten. Apple setzt die Preise je Markt eigenständig fest – bei der Anpassungsrunde im Juni fielen die Aufschläge in den USA und in Deutschland unterschiedlich aus. Eine Umrechnung des Dollarbetrags führt regelmäßig in die Irre.
Ein Haus, das Apple bisher kaum verfolgt hat
Bemerkenswert ist, wer hier spricht. Rothschild & Co Redburn taucht in der Apple-Berichterstattung selten auf; öffentlich einsehbar sind Kursziele erst seit der Übernahme von Redburn durch Rothschild & Co. Der bislang letzte Schritt war eine Anhebung von 230 auf 260 Dollar im September 2025.
Von 260 auf 400 Dollar zu springen und gleichzeitig die Einstufung zu ändern, ist für ein Haus mit dieser Vorgeschichte ein ungewöhnlich großer Schritt. Im Interview mit dem US-Sender CNBC nannte Schulze-Melander das faltbare iPhone eine ideale Ergänzung für Apple und ergänzte, man sitze mit der Schätzung bereits ziemlich konservativ.
Wie sich das Kursziel einreiht
| Haus | Kursziel | Stand |
|---|---|---|
| Rothschild & Co Redburn | 400 Dollar | 17. August 2026 |
| Morgan Stanley | 360 Dollar | 31. Juli 2026 |
| Goldman Sachs | 360 Dollar | 31. Juli 2026 |
| JP Morgan | 340 Dollar | 31. Juli 2026 |
| Jefferies | 263,66 Dollar | 10. August 2026 |
Die Marke von 400 Dollar ist dabei nicht neu. Wedbush hatte sie bereits im Mai ausgerufen. Neu ist, dass ein zweites Haus dort ankommt – und zwar aus einer deutlich vorsichtigeren Ausgangslage heraus.
Auffällig ist auch die Gegenrichtung: Morgan Stanley und Goldman Sachs hatten Ende Juli gesenkt, letzteres ausdrücklich wegen möglicher Lieferengpässe im laufenden Quartal. Genau dieser Punkt kommt in der neuen Analyse nicht vor.
Was die Rechnung nicht abdeckt
Für dich als Leser ist der interessante Teil weniger die Zahl als die Annahme dahinter. Sie setzt voraus, dass ein erstes faltbares iPhone auf Anhieb 14 Millionen Käufer findet – bei einem Preis, der über dem eines gut ausgestatteten MacBook Pro liegt. Zum Vergleich: Für den gesamten Foldable-Markt erwarten Marktforscher einen Apple-Anteil von 25 Prozent im ersten Jahr.
Das Analysehaus selbst nennt Produktionsprobleme als Risiko, und die sind belegt: Über Hürden bei Scharnier und Display wurde im Juli berichtet. Unsere Einschätzung ist, dass die Stückzahlprognose die eigentliche Wette dieses Kursziels ist – nicht der Preis und nicht die KI-Strategie.
Vier Wochen bis zum ersten Praxistest
Ob die Rechnung aufgeht, lässt sich frühestens nach der Keynote im September beurteilen, und belastbar erst mit den Verkaufszahlen des Weihnachtsquartals.
Würdest du für ein faltbares iPhone einen Aufschlag von über 80 Prozent gegenüber dem größten Pro-Modell zahlen – oder ist das ein Preis, bei dem du den Markt lieber erst einmal beobachtest? Schreib uns in die Kommentare, wo für dich die Schmerzgrenze liegt.
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