Jahrelang liefen die Kamera-AirPods als Gerücht, zuletzt sogar als angeblich gestopptes Projekt. Jetzt liegt ein fertig produzierter Werbeclip in einer Software, die Apple selbst an Entwickler ausgeliefert hat. Ein Mann hält ein Buch hoch, und die Ohrhörer erkennen den Titel.
Im Release Candidate von macOS Tahoe 26.7 steckt eine Videodatei, die Apples kameragestützte AirPods im Einsatz zeigt. Gefunden hat sie MacRumors, das den Clip am 17. August in der ausgelieferten Vorabversion entdeckte. Zu sehen ist eine Demonstration von Visual Intelligence: Ein Träger richtet den Blick auf ein Buch, die Sprachausgabe erklärt, dass sich Gesehenes künftig zum Merken ablegen lässt. Damit bekommt ein Produkt Konturen, das bisher nur über Leaks und Analystenberichte existierte und dessen Stand die Sammlung aller Gerüchte zu den AirPods Ultra über Monate zusammengetragen hat.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Release Candidate von macOS Tahoe 26.7 enthält ein Demo-Video, das AirPods mit Kamera in Verbindung mit Visual Intelligence zeigt.
- Die Kameras selbst sind im Clip nicht zu erkennen; der Stiel der Ohrhörer wirkt etwas dicker als beim aktuellen Modell.
- Derselbe Code nennt den internen Namen B790 mehrfach, unter anderem in einer Fehlermeldung zu einem Bilddatenstrom.
- Ein Hinweistext warnt davor, die Ohrhörer zu verdecken – etwa durch Haare –, weil sonst die Umgebungserkennung leidet.
- Siri AI fehlt in Deutschland und Österreich auf iPhone und iPad, steht aber auf Mac und Vision Pro bereit – die Schweiz ist von der Sperre gar nicht erfasst.
Was in dem Clip zu sehen ist
Die Szene ist kurz und wirkt wie ein fertiges Produktvideo, nicht wie ein Entwicklerplatzhalter. Ein Mann mit Ohrhörern hält ein Buch so, dass die Kamera den Titel erfassen kann. Die begleitende Stimme beschreibt Visual Intelligence als Funktion, die Gesehenes speicherbar macht und auf Zuruf für später ablegt.
Die Kameras sind im Bild nicht auszumachen. Die Ohrhörer ähneln stark den aktuellen AirPods Pro, auffällig ist allein der etwas kräftigere Stiel. Aaron Perris, der für MacRumors schreibt, hat die Datei zusätzlich auf X veröffentlicht.
Here is your first look at AirPods with Cameras in action using Visual Intelligence.
— Aaron (@aaronp613) August 18, 2026
This video file came from macOS 26.7 RC pic.twitter.com/yo7RI4MCeu
Ein zweiter Fund betrifft die Bedienung im Alltag. Werden die Ohrhörer verdeckt, etwa von Haaren, weist das System darauf hin, dass die Erkennung der Umgebung darunter leidet – ein Detail, das eher zu einem kurz vor dem Verkaufsstart stehenden Gerät passt als zu einem Laborprojekt.
B790 taucht im Code mehrfach auf
Der Release Candidate nennt den internen Namen B790 nicht nur einmal. MacRumors hat in derselben Version Verweise auf eine ganze Reihe unveröffentlichter Geräte gefunden, darunter Heimzubehör, kommende Macs und iPhone-Modelle. Für die Kamera-Ohrhörer steht dort unter anderem eine Fehlermeldung, die das Starten eines Bilddatenstroms für den linken Ohrhörer betrifft.
B790 ist nicht identisch mit B798. Hinter der zweiten Kennung steckt ein separates Kamera-Projekt, das nach Berichten des Bloomberg-Journalisten Mark Gurman erst 2027 erscheinen soll. Beide Vorhaben laufen parallel, und genau diese Doppelung erklärt einen Teil der widersprüchlichen Meldungen der vergangenen Monate.
Vom gemeldeten Projektstopp zum fertigen Werbeclip
Die Berichterstattung zu den Kamera-AirPods verlief alles andere als geradlinig. Anfang Mai galt die Entwicklung als weit fortgeschritten, Anfang Juli meldete ein Prototypen-Sammler das Gegenteil, und Anfang August ordnete Gurman beides zwei verschiedenen Produkten zu.
| Datum | Stand der Meldung |
|---|---|
| 7. Mai 2026 | Entwicklung erreicht eine entscheidende Testphase |
| 3. Juli 2026 | Ein Leaker meldet einen Entwicklungsstopp |
| 2. August 2026 | Zwei parallele Varianten, B790 noch für dieses Jahr |
| 17. August 2026 | Demo-Video und Codeverweise im macOS-Release-Candidate |
Der Fund vom Montag spricht gegen die Stopp-Meldung, jedenfalls für B790. Ein Unternehmen legt kein fertig vertontes Produktvideo in eine Software, die kurz vor der Auslieferung an alle Nutzer steht, wenn das Gerät auf Eis liegt. Die Juli-Meldung stützte sich auf eine einzelne, unbestätigte Quelle – das war im damaligen Artikel gekennzeichnet und bleibt der wahrscheinlichere Irrtum.
Die EU-Sperre trifft das iPhone, nicht zwangsläufig die Ohrhörer
Die gezeigte Funktion hängt an Siri AI, und dort verläuft eine Grenze mitten durch Europa. Apple hat am 8. Juni in einer eigenen Mitteilung festgehalten, dass Siri AI mit iOS 27 und iPadOS 27 in der EU nicht startet. In der Aufzählung dessen, was EU-Nutzern damit fehlt, steht die erweiterte Visual-Intelligence-Erfahrung ausdrücklich mit drin. Die Hintergründe stehen im Überblick zum DMA-Streit um Siri AI.
Entscheidend ist der zweite Teil derselben Mitteilung: Auf macOS 27 und visionOS 27 bekommen EU-Nutzer Siri AI sehr wohl. Nur die Apple Watch fällt zusätzlich heraus, und Apple nennt dafür einen konkreten Grund – Siri AI auf watchOS 27 setzt ein gekoppeltes iPhone mit Siri AI voraus.
Genau diese Abhängigkeit besteht bei AirPods nicht. Sie hängen nicht an einem iPhone, sondern am Apple Account: Apple führt in seiner Anleitung zum Gerätewechsel der AirPods iPhone, iPad, Mac, Apple Watch und Apple Vision Pro gleichrangig auf. Wer die Ohrhörer an einem Mac oder einer Vision Pro nutzt, arbeitet mit einem System, auf dem Siri AI in der EU verfügbar ist.
Offen bleibt, ob die Auswertung der Bilddaten technisch ein iPhone voraussetzt. Der Code beantwortet das nicht, und ohne diese Angabe lässt sich keine der beiden Rechnungen abschließen. Belegt ist nur, dass die pauschale Variante „EU-Sperre, also hier nutzlos“ so nicht aufgeht.
Für die Schweiz stellt sich die Frage ohnehin nicht: Apple listet in der Mitteilung alle 27 betroffenen Mitgliedstaaten auf, Deutschland und Österreich eingeschlossen, die Schweiz gehört nicht dazu. Dort greift die DMA-Sperre nicht – maßgeblich ist der Wohnsitz, nicht der Ort des Kaufs. Welche Funktionen hierzulande sonst noch fehlen, sammelt die Übersicht der in der EU fehlenden Apple-Funktionen.
Warum der Fundort mehr aussagt als der Clip
Dass das Werbevideo ausgerechnet in macOS auftaucht, ist der interessanteste Teil des Fundes. Der Mac ist in der EU die Plattform, auf der Siri AI und Visual Intelligence starten dürfen – auf dem Mac allerdings bezogen auf Bildschirminhalte, nicht auf eine Kamera, die die Umgebung erfasst. Beweisen lässt sich daraus nichts; auffällig ist es trotzdem.
Für dich als Käufer in der EU heißt das vor allem, vor dem Kauf die eigene Gerätelandschaft zu prüfen statt die Meldung pauschal abzuhaken. Ein Aufpreis, der sich über Kamerafunktionen rechtfertigt, lohnt sich nur, wenn die Funktion auf dem Gerät läuft, mit dem die Ohrhörer tatsächlich im Alltag verbunden sind. Was heute schon möglich ist, zeigt die Anleitung zu Visual Intelligence auf dem iPhone – dort arbeitet die Funktion in ihrer bisherigen Form weiter.
Apples KI-Ohrhörer rücken auf die Bühne
Ein Demo-Video im Release Candidate ist das deutlichste Signal für einen nahen Marktstart, das aus Apples eigener Software kommen kann. Das September-Event, dessen erwartetes Programm die Vorschau auf die Keynote zusammenfasst, wäre die naheliegende Bühne dafür. Der Termin selbst steht noch aus; die Einladungen werden in der letzten Augustwoche erwartet.
Mit welchem Gerät sind deine AirPods im Alltag am häufigsten verbunden – iPhone, Mac oder Vision Pro? Von dieser Antwort hängt hierzulande ab, ob Kamera-Ohrhörer für dich überhaupt einen Gegenwert hätten. Schreib uns in die Kommentare, wie dein Setup aussieht.


