Seit Mai liegt eine zweite Bluthochdruck-Funktion für die Apple Watch bei der US-Gesundheitsbehörde. Auf der WWDC kam sie nicht vor, im September stehen zwei neue Uhren an – und für den deutschsprachigen Raum ist die amerikanische Zulassung ohnehin nicht der entscheidende Faktor.
Die Ausgangslage ist seit dem Frühjahr bekannt: Ein Bericht aus Asien nannte im Mai eine zweite Bluthochdruck-Funktion, die bei der FDA zur Prüfung liegt und über die bestehenden Hypertonie-Warnungen hinausgehen soll. Wie sich die heutige Funktion einrichten lässt und was eine Meldung im Alltag bedeutet, ist in der Erklärung zu den Bluthochdruckwarnungen der Apple Watch beschrieben. Seitdem hat Apple watchOS 27 vorgestellt, ohne die Erweiterung zu erwähnen. Drei Monate später rückt die Herbst-Keynote näher, und damit die Frage, ob die Erweiterung dort landet – oder ob aus dem Verfahren erst einmal nichts wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine zweite, weitergehende Bluthochdruck-Funktion soll seit dem Frühjahr im US-Zulassungsverfahren stecken.
- Auf der WWDC wurde watchOS 27 ohne Änderungen an den Hypertonie-Benachrichtigungen gezeigt.
- Apple Watch Series 12 und Ultra 4 erscheinen im September; Gesundheitsfunktionen hebt sich Apple regelmäßig für die Herbst-Keynote auf.
- In Deutschland, Österreich und der Schweiz laufen die Bluthochdruckmitteilungen bereits seit watchOS 26.
- Die bestehende Funktion erkennt nach Apples eigenen Studiendaten nur einen Teil der Fälle – rund vier von zehn.
Was belegt ist und was Deutung bleibt
Die Quellenlage ist dünn und hat sich seit Mai nicht verbessert. Der ursprüngliche Bericht stammt von einem auf Zulieferketten spezialisierten Branchendienst aus Taiwan, dessen Trefferquote bei Apple-Themen gemischt ausfällt. Er nennt zwei Punkte: Apple habe eine neue Bluthochdruck-Benachrichtigung integriert, und sie sei wegen des laufenden Verfahrens noch nicht freigegeben.
Alles Weitere ist Auslegung. Dass die Funktion ausgerechnet mit watchOS 27 erscheinen könnte, ergibt sich aus dem zeitlichen Zusammenhang, steht aber nirgends im Bericht. Auch worin sich die neue Funktion von der bestehenden unterscheidet, steht nirgends. Denkbar wären präzisere Warnungen, konkrete Messwerte statt bloßer Tendenzen oder eine Zulassung für weitere medizinische Indikationen – belegt ist keine dieser Varianten.
Ein zweiter Punkt gehört dazu: Ein Zulassungsverfahren allein markiert hier keinen Sprung. Die bestehenden Hypertonie-Warnungen sind im September 2025 denselben Weg gegangen, bevor Apple sie mit watchOS 26 ausgerollt hat.
Für den deutschsprachigen Raum ist die FDA nicht zuständig
Die amerikanische Zulassung entscheidet nicht darüber, was eine Apple Watch in Deutschland, Österreich oder der Schweiz anzeigt. Hier greift der europäische Konformitätsweg. Die Schweiz folgt ihm ebenfalls, obwohl sie nicht zur EU gehört – deshalb standen die Bluthochdruckmitteilungen auch dort von Beginn an zur Verfügung.
Praktisch heißt das: Wer im deutschsprachigen Raum eine passende Uhr trägt, nutzt die bestehende Funktion seit September 2025. Eine hängende Prüfung in den USA sagt über den Starttermin einer Erweiterung hierzulande wenig aus. Sie kann ihn ebenso gut vorwegnehmen wie verzögern.
| Voraussetzung | Bedingung |
|---|---|
| Apple Watch | Series 9 oder neuer, Ultra 2 oder neuer |
| Nicht unterstützt | Apple Watch SE, alle Generationen |
| iPhone | iPhone 11 oder neuer |
| Mindestalter | 22 Jahre |
| Ausschluss | bestehende Hypertonie-Diagnose, eingetragene Schwangerschaft |
| Vorlauf | 30 Tage Datensammlung bis zur ersten möglichen Meldung |
Apple nennt in seinem Supportdokument zu den Bluthochdruckmitteilungen zusätzlich die aktivierte Handgelenkerkennung als Bedingung.
Vier von zehn: die Schwachstelle der bestehenden Funktion
Die aussagekräftigste Zahl steckt in den Zulassungsunterlagen: Nach Apples eigenen Studiendaten schlägt die Funktion nur bei einem Teil der Betroffenen an – rund vier von zehn Fällen werden erkannt.
Das ist kein Makel des Verfahrens, sondern seine Bauart. Die Uhr misst keinen Blutdruck, sondern wertet über den optischen Herzsensor aus, wie die Blutgefäße auf den Herzschlag reagieren. Aus diesem indirekten Signal lässt sich ein Muster ableiten, kein Wert. Apple selbst weist darauf hin, dass eine ausbleibende Meldung keine Entwarnung ist – und dass die Funktion eine ärztliche Abklärung nicht ersetzt.
Genau hier läge der Nutzen einer Erweiterung. Eine höhere Trefferquote würde die Funktion von einem Zufallsfund zu einem verlässlichen Hinweisgeber machen. Mehr Warnungen bei gleicher Genauigkeit dagegen würden vor allem mehr Verunsicherung erzeugen.
Warum der September der wahrscheinliche Termin bleibt
Dass die Funktion auf der WWDC nicht vorkam, spricht nicht gegen sie. Auch in der aktuellen Beta von iOS 27 und watchOS 27 sind die Bluthochdruckmitteilungen unverändert – der Menüpfad, die 30-Tage-Logik und die Einrichtung entsprechen dem Stand aus watchOS 26. Apple hält Gesundheitsfunktionen allerdings regelmäßig bis zur Herbst-Keynote zurück, wo sie zusammen mit neuer Hardware die größere Bühne bekommen. Über watchOS 27 ist stattdessen bekannt, dass es fünf Apple-Watch-Modelle aus der Unterstützung streicht.
Im September folgt die passende Hardware. Was zur Apple Watch Series 12 und zur Apple Watch Ultra 4 erwartet wird, ist jeweils in einer eigenen Übersicht gesammelt – bei der Ultra 4 steht ein größerer Sensor-Sprung im Raum, bei der Series 12 fällt das erwartete Upgrade kleiner aus.
Ob eine erweiterte Warnung an neue Sensorik gebunden wäre, ist damit die eigentlich offene Frage. Bei bisherigen Gesundheitsfunktionen hat Apple meist nachgereicht, solange die vorhandene Sensorik ausreichte. Gegen einen schnellen Start spricht allerdings, dass sich schon der KI-Gesundheitscoach für watchOS 27 verzögert hat – Apples Gesundheitsfahrplan hält seine Termine nicht zuverlässig.
Was eine zweite Warnstufe leisten müsste
Die Apple Watch ist beim Blutdruck bislang ein Frühwarnsystem mit grobem Raster. Sie ersetzt keine Manschette, liefert keine Zahlen und verpasst mehr Fälle, als sie findet. Als Anstoß, überhaupt einmal zum Arzt zu gehen, ist sie trotzdem wertvoll – gerade weil Bluthochdruck lange ohne Symptome verläuft.
Eine Erweiterung wäre deshalb nur dann ein echter Fortschritt, wenn sie an der Genauigkeit ansetzt statt an der Menge der Meldungen. Solange das offen ist, gilt für dich dasselbe wie bisher: Die Funktion einschalten, falls die Uhr sie unterstützt, und eine Meldung als Anlass für eine Messung mit Manschette nehmen – nicht als Diagnose und nicht als Entwarnung, wenn sie ausbleibt.
Bis zur Keynote bleibt es bei Vermutungen
Ein Termin ist nicht genannt, die Funktionsweise nicht beschrieben, und Apple kommentiert laufende Zulassungsverfahren grundsätzlich nicht. Bestätigt ist allein, dass ein Verfahren läuft. Ob daraus im September eine Ankündigung wird oder ob die Erweiterung erst 2027 auftaucht, entscheidet sich frühestens auf der Herbst-Keynote. (Bild: Apfelpatient)
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