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Apple knackt in Indien erstmals zehn Milliarden Dollar

Milan Jovicic by Milan Jovicic
4. August 2026 - 16:46
in Apple News
Apple Store Hebbal in Bengaluru, dessen Filialnetz zum wachsenden Apple-Umsatz in Indien beiträgt

Bild: Apple

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Apple hat im indischen Geschäftsjahr erstmals mehr als zehn Milliarden US-Dollar umgesetzt. Bemerkenswert ist dabei weniger die Zahl als der Umstand, unter dem sie zustande kommt: Das iPhone kostet in Indien mehr als in den USA – obwohl inzwischen jedes vierte weltweit dort gebaut wird.

Über Jahre war Indien für Apple ein Markt, der in der Bilanz kaum auffiel. Das hat sich gedreht: Der Konzern profitiert seit Monaten vom Premium-Boom im indischen Markt und baut das Filialnetz parallel zur Fertigung aus.

Über die nächste Wegmarke berichtet nun ein Bericht von Bloomberg, der sich auf eine mit den Zahlen vertraute Person stützt. Im Zwölfmonatszeitraum bis Ende März überschritt der Umsatz erstmals zehn Milliarden Dollar, nach rund neun Milliarden im Jahr davor – ein Zuwachs im zweistelligen Prozentbereich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Apple setzte in Indien erstmals mehr als zehn Milliarden Dollar in zwölf Monaten um.
  • Das iPhone stellt den weit überwiegenden Teil, iPad und Mac legten ebenfalls zu.
  • Das Einstiegsmodell des iPhone 17 kostet in Indien umgerechnet mehr als in den USA – Ursache sind Steuern und Abgaben.
  • Rund ein Viertel aller iPhones entsteht in Indien, der Großteil davon ist für den US-Markt bestimmt.
  • Der Zeitraum folgt dem indischen Geschäftsjahr und deckt sich nicht mit Apples eigenem Bilanzjahr.

Warum der Zeitraum nicht Apples Geschäftsjahr ist

Ein Detail geht in der Berichterstattung leicht unter: Die genannten zwölf Monate enden im März. Apples eigenes Geschäftsjahr läuft dagegen bis Ende September – das dritte Quartal des laufenden Jahres hat der Konzern gerade erst mit deutlich verbesserter Marge abgeschlossen.

Die Zehn-Milliarden-Marke bezieht sich also auf das indische Fiskaljahr von April bis März, nicht auf einen Abschnitt aus Apples Quartalsberichten. Wer die Zahl mit den offiziellen Segmentzahlen vergleicht, vergleicht unterschiedliche Zeiträume.

Aus Apples eigenen Quartalsberichten lässt sich der indische Umsatz ohnehin nicht ablesen. Wie hoch er ausfällt, wurde zuletzt nur sichtbar, weil Apple im Kartellverfahren Umsatzzahlen offenlegen musste.

Teurer als in den USA, trotz Fertigung im Land

Die naheliegende Erwartung wäre, dass ein in Indien gebautes iPhone in Indien günstiger ist. Das Gegenteil trifft zu. Für das Einstiegsmodell des iPhone 17 ruft Apple dort 82.900 Rupien auf, umgerechnet rund 870 US-Dollar. In den Vereinigten Staaten steht dasselbe Modell mit 799 Dollar in der Liste.

Verkaufsfläche im Apple Store Hebbal mit iPhone-Tisch, MagSafe-Zubehörwand und beratenden Mitarbeitenden, wo Apple seinen Umsatz in Indien erwirtschaftet
Bild: Apple
MarktListenpreis iPhone 17 (Einstiegsmodell)Preisbestandteil Steuern
USA799 US-DollarVerkaufssteuer kommt an der Kasse dazu
Indien82.900 Rupien (rund 870 US-Dollar)Einfuhr- und Verbrauchsabgaben enthalten
Deutschland949 Euro19 Prozent Mehrwertsteuer enthalten

Verantwortlich sind hohe Steuern und Abgaben, nicht die Fertigungskosten. Apple federt das teilweise über Kooperationen mit Banken ab, die beim Kauf per Kreditkarte Rabatte gewähren.

Auf der Zulieferseite hat sich die Lage zuletzt entspannt: Indien hat Zölle auf iPhone-Bauteile gestrichen und Apple zusätzlich Steuervorteile für die Produktion bis 2041 zugesagt. Beim Endkundenpreis schlägt sich das bislang nicht nieder.

Derselbe Mechanismus wirkt in Deutschland

Für deutsche Leser ist der Vergleich vertrauter, als er zunächst wirkt. Das iPhone 17 mit 256 GB steht bei Apple in Deutschland mit 949 Euro in der Liste, während in den USA 799 Dollar aufgerufen werden.

Die beiden Zahlen lassen sich nicht direkt gegeneinanderstellen, und zwar aus genau dem Grund, der auch Indien betrifft: Deutsche Listenpreise sind Bruttopreise inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer, US-Listenpreise verstehen sich ohne die je nach Bundesstaat unterschiedliche Verkaufssteuer. Dazu kommen Wechselkurs und länderspezifische Abgaben.

Der Aufschlag gegenüber dem US-Preis ist damit kein deutsches oder indisches Sonderphänomen, sondern die Regel außerhalb der Vereinigten Staaten. Welches Modell in dieser Preislage das beste Verhältnis bietet, entscheidet sich zwischen iPhone 17, iPhone Air und iPhone 17e.

Gebaut in Indien, verkauft in den USA

Die Fertigung im Land hat mit dem Verkauf im Land wenig zu tun. Seit Apple jedes vierte iPhone in Indien produziert, geht der Großteil dieser Geräte in den amerikanischen Markt.

Der Grund liegt in der Zollpolitik: Apple hat die Logistik so umgebaut, dass iPhones für die USA nicht mehr aus China kommen müssen. Indien ist damit in erster Linie Exportstandort und erst in zweiter Linie Absatzmarkt.

Was die Zahl über Apples nächsten Wachstumsmarkt sagt

Zehn Milliarden Dollar klingen nach viel, sind gemessen an Apples Gesamtgeschäft aber ein einstelliger Prozentanteil. Das eigentlich Aussagekräftige ist die Steigung: rund eine Milliarde Zuwachs in zwölf Monaten, in einem Land, in dem ein iPhone ein Vielfaches des durchschnittlichen Jahreseinkommens kostet.

Genau darin liegt die Wette. Apple verkauft in Indien nicht an den Durchschnitt, sondern an eine wachsende Oberschicht – und baut mit Ladenkette, Zahlungsdiensten und Finanzierungsangeboten die Infrastruktur für den Moment, in dem diese Schicht deutlich größer wird.

Für den europäischen Markt bedeutet das mittelfristig mehr Wettbewerb um Aufmerksamkeit. Produktentscheidungen, Verfügbarkeiten und Preisstufen richten sich zunehmend auch danach, was in Indien funktioniert – ein Markt, der bei Apple lange gar keine Rolle spielte. (Bild: Apple)

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Tags: IndieniPhoneTechPatient
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Milan Jovicic

Milan Jovicic

Milan hat Apfelpatient 2016 gegründet und schreibt seit 2018 sämtliche Inhalte selbst – News, Gerüchte, Anleitungen und Produkttests. Apple-Geräte sind hier kein Testmaterial für zwei Wochen, sondern Alltagswerkzeug: Vom iPhone über MacBook Pro, MacBook Air und iMac bis zur Apple Vision Pro läuft aus fast jeder Produktkategorie mindestens ein Gerät im täglichen Einsatz, viele davon jährlich erneuert. Jeder Menüpfad in einer Anleitung wird am Gerät nachgeprüft, bevor er veröffentlicht wird.

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