Eine Woche, in der Apples größte Baustellen gleichzeitig aufbrachen: In Luxemburg bestätigt ein Gericht den Gatekeeper-Status, in Kalifornien zieht Apple selbst vor Gericht – gegen den KI-Partner OpenAI. Dazwischen ein Chip-Deal bis 2031, ein Emmy-Rekord und ein Startup, das ein überraschend großes KI-Modell aufs iPhone zwängt. Zwischen Brüssel, Cupertino und München verging kaum ein Tag ohne Schlagzeile.
Selten trafen Apples große Konflikte so gebündelt aufeinander wie in dieser Woche – und fast alle drehen sich um dieselbe Frage: Wer bestimmt die Regeln? Während in Luxemburg über den Gatekeeper-Status verhandelt wurde, schalteten sich Tim Cook und sein designierter Nachfolger gemeinsam mit dem bayerischen Ministerpräsidenten zusammen und warben für weniger Brüsseler Regulierung – ein Termin mit Symbolwert kurz vor dem Führungswechsel an der Konzernspitze. Parallel eskalierte der Machtkampf mit OpenAI, während im Hintergrund die Frage steht, wie viel Künstliche Intelligenz Apple künftig direkt aufs iPhone holt. Sieben Tage, in denen Regulierung, KI und Lieferkette enger verzahnt waren als sonst.
🔥 Story der Woche: Apple bleibt EU-Gatekeeper
Es ist eine Niederlage mit Ansage – und doch ein Einschnitt: Das Gericht der Europäischen Union hat am Mittwoch alle drei Klagen abgewiesen, mit denen Apple seinen Gatekeeper-Status kippen wollte. Für iOS und den App Store bestätigten die Richter die Einstufung, die Klage rund um iMessage erklärten sie für unzulässig. Apple bleibt damit unter dem Digital Markets Act ein Torwächter – mit allen Pflichten von alternativen App-Marktplätzen bis zur Interoperabilität.
Weil es sich um die erste Instanz handelt, könnte Apple noch vor den Europäischen Gerichtshof ziehen; offiziell erklärt ist das nicht, gilt aber als wahrscheinlich. Für Nutzer in Deutschland, Österreich und der EU bündelt der Fall die ganze Ambivalenz des DMA: Auf der einen Seite stehen Sideloading und mehr Auswahl bei Standard-Apps, auf der anderen genau jenes Regelwerk, mit dem Apple den vorerst fehlenden EU-Start der neuen Siri-Generation auf iPhone und iPad begründet. Die Schweiz bleibt als Nicht-EU-Land außen vor und erhält Apples Funktionen wie der Rest der Welt.
📰 Was sonst wichtig war
Der Chip-Pakt mit Broadcom läuft bis 2031. Trotz Apples eigener Chip-Offensive verlängern beide ihre Partnerschaft für Funk- und Verbindungsbausteine – bei WLAN und Bluetooth stößt die Eigenentwicklung an Grenzen. Für Broadcom, das rund ein Fünftel seines Umsatzes mit Apple erzielt, ist es ein Milliardengeschäft.
Die Chatkontrolle kehrt zurück. Das EU-Parlament ließ das freiwillige Scannen unverschlüsselter Nachrichten bis 2028 wieder zu – über einen Verfahrenstrick, obwohl eine Mehrheit der Anwesenden dagegen stimmte. Ende-zu-Ende-verschlüsselte Dienste wie iMessage bleiben ausgenommen; betroffen sind bei Apple die unverschlüsselten iCloud-Mails.
In China klettert Apple zurück auf Platz zwei. Kräftige Rabatte auf die iPhone-17-Pro-Reihe reichten im Sommergeschäft für Rang zwei. Der Haken: Der Gesamtmarkt brach um 13 Prozent ein, und auch Apples eigene Verkäufe lagen im Minus – wenn auch weniger als bei der Konkurrenz.
Die Übersetzen-App lernt neun neue Sprachen. In iOS 27 erweitert Apple die App um neun zusätzliche Sprachen und deckt damit deutlich mehr Reise- und Alltagssituationen ab.
WhatsApp bekommt einen grünen Punkt. Der Messenger zeigt künftig per grünem Punkt an, welche Kontakte gerade online sind – praktisch für die einen, ein weiteres Stück Sichtbarkeit für die anderen.
💡 Gerücht der Woche: Ein größeres KI-Modell fürs iPhone
Ein junges Startup will ein KI-Sprachmodell mit 27 Milliarden Parametern vollständig auf einem iPhone 17 Pro zum Laufen gebracht haben – größer als Apples eigenes stärkstes On-Device-Modell. Möglich mache das eine aggressive Kompression, die das Modell von rund 54 auf unter 4 Gigabyte schrumpfen lasse, ohne dass die Leistung darunter leide. Berichten zufolge habe sich Apple bereits mit den Verantwortlichen getroffen.
Der Reiz liegt auf der Hand: Mehr KI direkt auf dem Gerät würde Apple unabhängiger von der eigenen Cloud und ein Stück weit von Googles Gemini-Technologie machen, auf der die anspruchsvollen Anfragen der neuen Siri-Generation derzeit laufen. Skepsis bleibt trotzdem angebracht – noch handelt es sich um Gespräche, nicht um eine Partnerschaft, und die vollmundigen Leistungsversprechen sind unabhängig nicht überprüft. Ab dem 14. Juli will das Startup sein Modell offenlegen; dann lässt sich nachmessen, was dran ist.
📊 Zahl der Woche: 87
87 – so viele Emmy-Nominierungen sammelte Apple TV in diesem Jahr, ein neuer Rekord und ein deutliches Plus gegenüber den 79 des Vorjahres. In der Plattform-Wertung reicht das für Rang drei hinter HBO Max und Netflix – doch in den Königsdisziplinen Drama und Comedy führte Apple alle Streamingdienste an. Angetrieben wird der Rekord von zwei erst 2026 gestarteten Serien: der Horror-Komödie Widow’s Bay mit 19 und dem Sci-Fi-Drama Pluribus mit 18 Nominierungen. Alle sechs meistnominierten Titel sind Apple Originals und in Deutschland, Österreich und der Schweiz für 9,99 Euro im Monat abrufbar.
👎 Flop der Woche: Aus für die günstigere Vision Pro
Die Hoffnung auf eine bezahlbare Apple Vision Pro rückt in weite Ferne: Einem Bericht zufolge fährt Zulieferer Samsung Display die Entwicklung des günstigeren Displays herunter und stellt das Projekt bis September ein. Genau dieses Panel wäre die Voraussetzung für ein spürbar preiswerteres Headset gewesen. Stattdessen verlagert Apple seine Kräfte auf leichte Apple Glasses, deren Start für 2027 erwartet wird. Für Interessierte heißt das: Vorerst bleibt nur die aktuelle Vision Pro rund um die 4.000-Euro-Marke – ein günstiger Einstieg ist auf absehbare Zeit vom Tisch.
🔭 Was nächste Woche kommt
Die Beta-Phase läuft weiter: iOS 27 und iOS 26.6 nähern sich der nächsten Runde, wobei iOS 26.6 gegen Ende Juli erwartet wird. Schon am 14. Juli will das erwähnte Startup sein On-Device-Modell offenlegen – ein erster Härtetest für die Versprechen rund um große KI-Modelle auf dem iPhone. Und der Blick richtet sich nach vorn auf den 30. Juli: Dann legt Apple die Quartalszahlen zum dritten Fiskalquartal vor – voraussichtlich Tim Cooks letzter Earnings Call vor der Übergabe an John Ternus.
💬 Meine Meinung
Apple galt lange als der große KI-Nachzügler – doch diese Woche zeigt, dass der Konzern eine eigene Antwort gefunden hat, nur eben keine, die nach lautem Chatbot-Wettrennen aussieht. Statt ein möglichst großes Modell in die Cloud zu stellen, soll mehr Intelligenz zurück aufs iPhone wandern, Siri AI erreicht mit der jüngsten watchOS-Beta nun auch die Apple Watch, und wo doch fremde Modelle im Spiel sind, fragt das System künftig per Popup um Erlaubnis, bevor Daten an Google gehen. Das ist die klassische Apple-Wette: nicht die schnellste Technik, sondern die am tiefsten integrierte und am besten abgeschirmte.
Zwei Dinge trüben das Bild. Erstens die Rechnung: Wer die neuen KI-Funktionen der Home-App will, landet beim 2-TB-iCloud-Plan – in Deutschland ab 9,99 Euro im Monat. Datenschutz als Verkaufsargument, aber eben nicht umsonst. Zweitens die Nervosität: Dass Apple ausgerechnet jetzt gegen OpenAI vor Gericht zieht und dem Partner den Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen für dessen eigene KI-Hardware vorwirft, klingt weniger nach Souveränität als nach der Erkenntnis, dass die eigentliche Schlacht längst nicht mehr ums Smartphone tobt, sondern um das nächste KI-Gerät. Aufgeholt hat Apple – vorbei ist die Aufholjagd damit noch lange nicht.
📚 Aus unserem Archiv
Apple und der Datenschutz: Warum kein Konkurrent mithalten kann – Apples wichtigstes Gegenargument im DMA-Streit ist der eigene Datenschutz; dieser Überblick erklärt, worauf der Konzern seine Privatsphäre-Architektur stützt.
Warum das iPhone die EU-Wechselakku-Pflicht 2027 nicht trifft – dass Brüsseler Regeln nicht automatisch jedes Apple-Produkt umkrempeln, zeigt sich auch abseits des DMA an der kommenden Akku-Verordnung.
Zwischen Gerichtssälen in Luxemburg und Kalifornien, einem Chip-Deal bis 2031 und einem Emmy-Rekord zeigt sich ein Apple, das an mehreren Fronten zugleich kämpft – reguliert, umworben und selbst auf Angriff.
Bis nächsten Sonntag wünscht Apfelpatient eine entspannte Lektüre und einen guten Wochenstart. (Bild: Shutterstock / dearinjan)



