Der App Store soll mehr abwerfen. Laut einem Bericht suchen Apples neue Führung und der Chef der Dienste-Sparte nach Wegen, die Marge der Plattform zu heben und planbare Erlöse daraus zu ziehen. Der Rückzug eines langjährigen Managers aus genau dieser Zuständigkeit erscheint damit in anderem Licht.
Seit dem 1. September führt John Ternus Apple als CEO, und die erste strukturelle Bewegung unter ihm betraf nicht die Hardware, sondern den App Store. Ein Bericht aus dem wöchentlichen Newsletter des Bloomberg-Reporters Mark Gurman beschreibt nun, worauf diese Verschiebung hinausläuft: Ternus und Dienste-Chef Eddy Cue sollen intern nach Möglichkeiten suchen, die Marge des Stores zu erhöhen und zusätzliche wiederkehrende Einnahmen aus der Plattform zu holen. Der Newsletter stützt sich auf Konzerninterna; die Personalie, die dort zuletzt vorab beschrieben wurde, spiegelt sich seit dem 1. September in Apples Führungsübersicht wider. Konkrete Maßnahmen, ein Zeitrahmen oder eine Zielgröße stehen in dem Bericht nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Apple sucht laut Bericht nach Wegen, Marge und wiederkehrende Erlöse im App Store zu steigern.
- Getrieben wird das Vorhaben demnach von CEO John Ternus und Dienste-Chef Eddy Cue.
- Der Abschied von Phil Schiller aus der App-Store-Verantwortung soll damit zusammenhängen.
- Welche Hebel Apple ziehen will, nennt der Bericht nicht.
- In der EU liegt der Gebührenrahmen bereits fest und tritt am 1. Oktober in Kraft.
Marge und planbare Erlöse als Ziel
Genannt werden zwei getrennte Größen. Zum einen soll die Marge steigen, also der Anteil, der von jedem über den Store abgewickelten Betrag bei Apple hängen bleibt. Zum anderen geht es um wiederkehrende Einnahmen – Erlöse, die nicht an einzelnen Kaufentscheidungen hängen, sondern regelmäßig anfallen.
Die zweite Größe ist die interessantere, weil Apple sie ohne Eingriff in die Provision beeinflussen kann – und die Provision ist der Posten, an dem Gerichte und Aufsichtsbehörden seit Jahren ansetzen. Vollständig ausweichen lässt sich allerdings nicht: Auch die installationsbasierte Core Technology Fee, die gar nicht am Verkauf hing, hat den Druck aus Brüssel nicht überstanden.
Ein zweiter Grund für den Rückzug aus der Store-Führung
Ende August hatte Phil Schiller die Zuständigkeit für den App Store und die Produkt-Events abgegeben; der Store wanderte in die Dienste-Sparte unter Cue. Der Bericht ordnet diesen Schritt jetzt dem Margenvorhaben zu: Schiller soll darin vor allem ein Mittel gesehen haben, Entwickler und Regulierungsbehörden weiter zu verärgern, und habe damit nichts zu tun haben wollen. Einen internen Eklat habe es demnach nicht gegeben.
Damit setzt sich eine Haltung fort, die schon aus den Unterlagen des Epic-Verfahrens bekannt war: Auch die Gebühr von 27 Prozent auf Käufe außerhalb der App hatte Schiller intern nicht mitgetragen. Sein Rückzug fällt nun mit dem Moment zusammen, in dem die Diskussion in die entgegengesetzte Richtung läuft.
Woher der Druck auf die Dienste kommt
Die Dienste-Sparte ist Apples margenstärkstes Geschäft, aber sie wächst nicht mehr ungebremst. In der Telefonkonferenz zum Juni-Quartal wurde deutlich, dass der Services-Umsatz erstmals seit 2022 gegenüber dem Vorquartal zurückging – bei einer Jahresrate, die für das laufende Quartal ungefähr auf demselben Niveau erwartet wird.
Dazu kommt die Verschiebung innerhalb des Stores selbst. Die Zahl neu veröffentlichter Apps hat sich zuletzt verdoppelt, während die Downloads stagnieren; gleichzeitig zählt Apple inzwischen 1,5 Milliarden bezahlte Abonnements über die eigene Plattform, Drittanbieter eingerechnet. Das Wachstum kommt also weniger aus zusätzlichen Käufen als aus laufenden Verträgen – genau der Posten, den der Bericht als Ziel benennt.
Was in diese Richtung bereits gedreht wurde
Der Weg zu planbaren Erlösen ist nicht erst seit dem Führungswechsel eingeschlagen. Seit Mai können Entwickler Monatsabos mit einer Verpflichtung über zwölf Monate anbieten: Der Kunde zahlt monatlich zum günstigeren Jahrespreis, bleibt aber ein Jahr gebunden. Für Apple bedeutet das eine kalkulierbare Laufzeit statt einer jederzeit kündbaren Zahlung.
Wer nachvollziehen will, was davon im eigenen Konto zusammenkommt, findet die laufenden Verträge und ihre Kosten im Kaufverlauf des Apple Accounts.
In der EU steht der Rahmen ab dem 1. Oktober
Für den deutschsprachigen Raum ist der Spielraum kleiner, als es die Meldung nahelegt – zumindest kurzfristig. Apple hat sich mit der Europäischen Kommission auf neue Geschäftsbedingungen verständigt, die am 1. Oktober in Kraft treten. Die Core Technology Fee weicht darin einer Provision von fünf Prozent auf digitale Transaktionen außerhalb des Stores, zwei weitere Gebühren aus dem Modell von 2025 entfallen. Die Schweiz gehört weder zur EU noch zum EWR und fällt damit nicht unter den Digital Markets Act – dort gelten Apples reguläre Bedingungen weiter.
In den USA verläuft die Bewegung gegenläufig. Dort hat Apple Mitte August auf gerichtliche Auflage hin ein neues Gebührenmodell vorgelegt, das für Käufe außerhalb der App niedrigere Sätze vorsieht.
| Markt | Auslöser | Kern des Modells | Stand |
|---|---|---|---|
| EU | Verständigung mit der Europäischen Kommission | gestaffelte Provision je Vertriebsweg, fünf Prozent Core Technology Commission, zwei Gebühren gestrichen | tritt am 1. Oktober in Kraft |
| USA | Auflage des Bundesgerichts in Nordkalifornien | 15 Prozent auf Käufe außerhalb der App, 10 Prozent für Partnerprogramme und Abo-Verlängerungen, 5 Prozent im Small Business Program | Mitte August vorgelegt |
Zwei Kräfte, die in verschiedene Richtungen ziehen
Bemerkenswert an dem Vorhaben ist sein Zeitpunkt. Im Mai 2025 hatte derselbe Reporter beschrieben, dass Apple die Provisionen über kurz oder lang werde senken müssen, um Entwickler im eigenen Bezahlsystem zu halten. Beide Stände widersprechen sich nicht zwingend: Was an der Provision wegbricht, muss anderswo hereinkommen.
Belegt ist bislang genau diese Bewegung – in den USA ein gerichtlich erzwungenes Modell mit niedrigeren Sätzen, in der EU ein bis zum 1. Oktober festgezurrter Rahmen. Unsere Erwartung ist deshalb, dass die zusätzliche Marge nicht aus dem Prozentsatz auf den Verkauf kommt, sondern aus Posten daneben: Mitgliedsbeiträge, Werbeplätze, Vertragslaufzeiten. Der Blick auf Ternus‘ bisherige Linie spricht dabei eher für Feinjustierung als für einen Bruch.
Für dich als Nutzer ändert sich am Store zunächst nichts – spürbar würde ein solcher Kurs erst indirekt, über App-Preise, über Abo-Bedingungen und über die Frage, wie oft Apps zum Bezahlen nach draußen verweisen.
Würdest du ein Monatsabo mit Jahresbindung abschließen, wenn es dafür den günstigeren Jahrespreis gibt – oder ist dir die jederzeitige Kündbarkeit den Aufpreis wert? Schreib uns in die Kommentare, wie du bei deinen laufenden Abos rechnest.


