Weil Apple seine Beschäftigten dazu anhält, den privaten Apple Account fürs Arbeiten zu nutzen, blieben vertrauliche Dateien nach dem Ausscheiden auf privaten Geräten liegen. Manche Ehemalige bekamen sogar noch Benachrichtigungen über Änderungen. Der Fall trifft ausgerechnet den Konzern, der Datenschutz zum Markenkern erklärt hat.
Der Bericht stammt von The Information, das mit mehr als einem halben Dutzend früherer Apple-Beschäftigter gesprochen hat. Sie alle behielten nach ihrem Abgang Zugriff auf interne Dateien – darunter Planungsdokumente für Produktvorstellungen –, ohne es zu wissen oder zu wollen.
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Apple führt seit Juli einen Prozess gegen OpenAI wegen mutmaßlich entwendeter Geschäftsgeheimnisse und hat am selben Tag erneut gegen die britische Anordnung geklagt, einen Zugang zu verschlüsselten iCloud-Daten zu schaffen.
Das Wichtigste in Kürze
- Ehemalige Apple-Beschäftigte behielten nach dem Ausscheiden Zugriff auf geteilte interne Dokumente in iCloud.
- Ursache ist die bewusste Vermischung von privatem Apple Account und dienstlichem iCloud-Speicher.
- Ein verwalteter Ordner für Arbeitsdateien existiert, deckt aber nicht alle internen Dokumente ab.
- Auch iMessage-Verläufe und über die Nachrichten-App geteilte Dateien blieben zugänglich.
- Apple erklärt, es gehe nicht gegen Ehemalige vor, die versehentlich Firmendokumente im privaten Account haben.
Wie die Vermischung entsteht
Apple stellt seinen Beschäftigten einen iCloud-Plan mit 2 TB zur Verfügung. Dieser lässt sich entweder mit dem bestehenden privaten Apple Account zusammenlegen oder als eigener Account anlegen.
In der Praxis entscheiden sich die meisten für die erste Variante, und das aus einem banalen Grund: Auf einem iPhone kann immer nur ein primärer Account angemeldet sein. Wer dienstlich und privat trennen wollte, müsste zwei Geräte mit sich führen.
Damit landen Firmendateien im selben Account wie Urlaubsfotos und Notizen. Nach dem Ausscheiden synchronisierten sich einige dieser Dateien weiter auf die privaten Geräte. Mehrere Befragte gaben an, sie hätten sich nicht getraut, die Dokumente zu löschen – aus Sorge, ausgerechnet das könnte Apples Aufmerksamkeit wecken.
Was der verwaltete Ordner nicht abdeckt
Ein Mechanismus zur Trennung existiert durchaus. Apple führt einen verwalteten Ordner für Arbeitsdateien, dessen Zugriff beim Verlassen des Unternehmens entzogen wird.
Die Lücke liegt darin, was dort nicht landet. Interne Dokumente werden nicht automatisch in diesem Ordner gespeichert, und Dateien, die Kollegen untereinander freigeben, liegen ohnehin außerhalb. Dasselbe gilt für Inhalte, die über die Nachrichten-App verschickt wurden – iMessage-Verläufe und die darin geteilten Dateien bleiben nach dem Abgang erhalten.
Ehemalige Beschäftigte kritisieren zudem, Apple prüfe private Geräte beim Ausscheiden nicht gründlich genug auf verbliebene Firmendaten.
Warum der Fall in laufende Verfahren hineinreicht
Verbliebene Zugänge sind kein Randthema, sondern stehen im Zentrum mehrerer Rechtsstreitigkeiten. In der Klage gegen OpenAI wirft Apple dem früheren Mitarbeiter Chang Liu vor, über eine bis dahin unbekannte Authentifizierungslücke Dateien heruntergeladen zu haben, während er bereits bei OpenAI arbeitete. Wie eng die Personallage zwischen beiden Unternehmen ist, zeigt eine andere Zahl: Über 400 frühere Apple-Beschäftigte arbeiten inzwischen bei OpenAI.
Apple weist gegenüber The Information einen Zusammenhang zurück. Im Verfahren gehe es um Informationen, die OpenAI-Beschäftigte unrechtmäßig mitgenommen hätten – nichts davon betreffe Dokumente, die über iCloud geteilt oder dort gespeichert wurden.
| Fall | Jahr | Stand |
|---|---|---|
| Rivos (Chip-Unternehmen) | bis 2024 | beigelegt; Rivos warf Apple vor, Zugänge absichtlich offenzulassen |
| Gerard Williams / Nuvia | bis 2023 | Gegenklage vom Gericht abgewiesen, Apple ließ das Verfahren fallen |
| Di Liu (Vision Pro, Wechsel zu Snap) | 2025 | Vorwurf, Tausende Dokumente in den privaten Cloud-Speicher geladen zu haben |
| OpenAI / Chang Liu | seit 2026 | laufend |
Der Vorwurf aus dem Rivos-Verfahren wiegt dabei am schwersten: Das Unternehmen behauptete, Apple lasse Ehemaligen den Zugriff bewusst, um später einen Vorwand für Klagen gegen sie und ihre neuen Arbeitgeber zu haben. Belegt wurde das nie, der Streit endete in einem Vergleich.
Der Widerspruch, den Apple nicht auflösen kann
Kein Bericht behauptet, Apple lasse die Zugänge absichtlich offen. Der eigentliche Befund ist ein anderer und für den Konzern unangenehmer: Ein Unternehmen, das seine Produkte über Datenschutz und Datentrennung verkauft, bekommt die Trennung im eigenen Haus nicht sauber hin.
Dass Apple Unternehmen seit Jahren verwaltete Apple Accounts anbietet, macht die Sache nicht besser. Genau dieses Werkzeug existiert, um Dienstliches und Privates auseinanderzuhalten – intern greift stattdessen ein Anreiz, beides zu vermischen, weil zwei Geräte niemand mit sich herumtragen will.
Für dich als Nutzer steckt darin eine übertragbare Lehre. Wer den privaten Apple Account beruflich mitbenutzt, sollte gelegentlich prüfen, welche geteilten Ordner und Dateien in iCloud Drive tatsächlich noch verknüpft sind – Freigaben verschwinden nicht von selbst, wenn ein Projekt oder ein Arbeitsverhältnis endet. Wie sich Freigaben in iCloud einrichten und wieder entziehen lassen, zeigt unser Überblick zur Familienfreigabe, und wer seine privaten Inhalte zusätzlich absichern will, findet die Schritte im Artikel zum Erweiterten Datenschutz. (Bild: Apple / Apfelpatient)
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