Vier Wochen vor seinem Amtsantritt stellt John Ternus sein Führungsteam zusammen – und greift dabei auf einen Namen zurück, der Apple vor knapp vier Jahren verlassen hat. Laura Legros gehörte zu seinen engsten Mitarbeiterinnen in der Hardware-Entwicklung und kommt nun als Vice President zurück. Was sie künftig genau verantwortet, ist bislang auffällig allgemein beschrieben.
Am 1. September übernimmt Ternus die Konzernführung von Tim Cook. Seit der Ankündigung des Wechsels an der Konzernspitze im April läuft im Hintergrund der Umbau der Führungsebene, und die Personalie Legros ist die erste, die ausschließlich auf Ternus zurückgeht. Bekannt wurde sie über einen Bericht von Bloomberg, der sich auf Personen mit Kenntnis der Vorgänge stützt – eine öffentliche Bestätigung durch Apple gibt es nicht. Wie sich die Führungsriege in den vergangenen Monaten insgesamt verschoben hat, zeichnet unsere Übersicht zum Umbruch in Apples Management nach.
Das Wichtigste in Kürze
- Laura Legros kehrt als Vice President zu Apple zurück und berichtet direkt an John Ternus, sobald dieser am 1. September CEO wird.
- Sie war bis Ende 2022 Vice President für Hardware-Entwicklung und arbeitete in Ternus‘ damaligem Bereich.
- Ihre künftige Aufgabe wird bislang nur als bereichsübergreifende Tätigkeit umschrieben.
- Die Hardware-Organisation selbst führt seit April Johny Srouji als Chief Hardware Officer.
- Mit Phil Schiller und Luca Maestri stehen an anderer Stelle weitere Wechsel bevor.
Eine Rolle, die bewusst offen formuliert ist
Legros soll als Vice President bereichsübergreifend mit verschiedenen Teilen des Unternehmens arbeiten. Eine Produktlinie, eine Region oder eine Funktion wird in der Beschreibung nicht genannt. Das ist ungewöhnlich präzise Vagheit für ein Unternehmen, das Zuständigkeiten sonst klar zuschneidet.
Bemerkenswert ist auch die Berichtslinie. Legros berichtet direkt an den künftigen CEO, obwohl die gesamte Hardware-Entwicklung seit April unter Johny Srouji als Chief Hardware Officer hängt. Eine Hardware-Managerin mit direktem Draht ins Büro des Konzernchefs ist damit organisatorisch neben der Linie aufgehängt – ein Zuschnitt, der eher nach Koordination zwischen Teams aussieht als nach Verantwortung für ein Produkt.
Vor ihrem Abschied gehörte Legros zu den öffentlich sichtbaren Gesichtern des Hardware-Bereichs. 2018 stellte sie auf einer Apple-Veranstaltung eine neue Generation des MacBook Air vor, zwei Jahre später präsentierte sie das bis heute gültige Design des iPad Air.
Was 2022 mit ihrer Aufgabe geschah
Legros ging Ende 2022 in den Ruhestand, mitten in einer Phase, in der Apple binnen weniger Monate ungewöhnlich viele Vizepräsidenten verlor. Ihre damalige Verantwortung für das Hardware-Produktmanagement übernahm ihr Kollege Yannick Bertolus – der wiederum im Oktober 2023 selbst in den Ruhestand ging.
Die Aufgabe hat seitdem mehrfach den Träger gewechselt. Dass ausgerechnet diese Personalie nun rückgängig gemacht wird, ist deshalb mehr als eine Randnotiz: Es ist die Korrektur eines Abgangs, den Beobachter damals als Teil eines Substanzverlusts in der Produktentwicklung beschrieben haben.
Der Umbau seit dem 20. April
Die Rückholung ist der jüngste Schritt in einer Reihe von Veränderungen, die mit der Ankündigung des CEO-Wechsels begann.
| Datum | Veränderung |
|---|---|
| 20. April 2026 | Apple kündigt den CEO-Wechsel an; Johny Srouji wird mit sofortiger Wirkung Chief Hardware Officer |
| 21. April 2026 | Eine neue KI-Plattform zieht in die Hardware-Organisation ein |
| 19. Mai 2026 | Srouji ordnet die Produktentwicklung neu |
| 21. Juni 2026 | Das Design rückt Berichten zufolge organisatorisch näher an Ternus |
| 3. August 2026 | Laura Legros kehrt als Vice President zurück und berichtet an Ternus |
Der Umbau der Produktentwicklung unter Sroujis erweiterter Zuständigkeit und der Einzug einer eigenen KI-Plattform ins Hardware-Team liefen beide noch unter Cooks Führung, aber bereits mit Ternus als designiertem Nachfolger. Parallel dazu hat Ternus in den vergangenen Monaten Cook begleitet, Führungsrunden mitgeleitet und die Roadmap-Durchsprachen mehrerer Bereiche für das kommende Jahr mitgemacht.
Die nächste Ruhestandswelle zeichnet sich ab
Ternus wird in den kommenden Jahren deutlich mehr Personal an der Spitze zu ersetzen haben als jetzt. Genannt werden unter anderem Phil Schiller, der als Apple Fellow weiterhin den App Store und die Apple-Veranstaltungen verantwortet, sowie Luca Maestri, der seit dem Wechsel des Finanzressorts an Kevan Parekh als Vice President die Corporate Services führt – darunter Informationssysteme, Informationssicherheit und Immobilien.
Die Kette der Abgänge reicht weiter zurück: Mit dem Ruhestand von COO Jeff Williams verlor Apple im November 2025 den Mann, der lange selbst als Cooks natürlicher Nachfolger galt.
Rückholen statt neu suchen
Als größte Aufgabe des künftigen CEO galt bisher, Talente im Unternehmen zu halten. Sein erstes sichtbares Personalsignal beantwortet diese Frage von der anderen Seite: nicht halten, sondern zurückholen. Statt eine externe Kraft mit neuer Handschrift zu verpflichten, greift Ternus auf jemanden zurück, dessen Arbeitsweise er aus einem Jahrzehnt gemeinsamer Projekte kennt – Ternus kam 2001 zu Apple und führte die Hardware-Entwicklung ab 2013 als Vice President.
Das passt zu der Erwartung, dass Ternus Apple nicht umkrempeln wird. Für die Produktseite heißt das kurzfristig wenig: Die Hardware der kommenden zwei Jahre ist längst spezifiziert und wurde unter Cook freigegeben. Wenn du auf sichtbare Veränderungen im Produktportfolio wartest, ist der frühestmögliche Zeitpunkt dafür nicht dieser Herbst, sondern die Generation danach.
Ein Vorbehalt bleibt. Solange die Rolle nur als bereichsübergreifend beschrieben ist, lässt sich nicht sagen, ob Legros ein konkretes Problem lösen soll – etwa die Abstimmung zwischen den Hardware-Teams – oder ob sie schlicht als erfahrene Vertraute in Reichweite des Chefbüros geparkt wird. Beides wäre plausibel, und beides hätte sehr unterschiedliche Folgen.
Apples Führungsspitze vor dem 1. September
Bis zur Übergabe bleiben knapp vier Wochen. Cooks letzter Arbeitstag als CEO ist der 31. August; dass der 1. September als Starttermin gewählt wurde, hat mit dem Kalender des Herbstgeschäfts zu tun. Weitere Personalien vor diesem Stichtag sind wahrscheinlich – die Rückholung von Legros dürfte nicht die letzte Meldung dieser Art gewesen sein. (Bild: Apple)
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