Apple hat seine jährliche Offenlegung zu Konfliktmineralien bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht und kommt darin zu einem klaren Ergebnis: Es gebe keinen begründeten Anhaltspunkt dafür, dass Zulieferer bewaffnete Gruppen im Kongo finanziert hätten. Zugleich räumt das Unternehmen eine strukturelle Grenze ein, die das Thema seit Jahren begleitet.
Woher Apple die Rohstoffe für seine Geräte bezieht und ob diese mit Menschenrechtsverletzungen oder bewaffneten Konflikten in Verbindung stehen, ist seit Langem ein wiederkehrender Kritikpunkt. Unabhängig von einzelnen Vorwürfen unterliegt Apple regulatorischen Offenlegungspflichten, darunter eine jährliche Meldung zu Konfliktmineralien an die SEC. Diese hat das Unternehmen nun für den Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember 2025 eingereicht. Ein Teil der in Apple-Produkten verbauten Metalle stammt nach Unternehmensangaben aus recycelten und wiederverwerteten Quellen – ein Feld, auf dem Apple zuletzt einen neuen Rekord beim Anteil recycelter Materialien meldete. Der frische Bericht zeigt jedoch auch, wo die Rückverfolgung selbst bei größtem Aufwand an ihre Grenzen stößt.
Was die Prüfung ergab
Im Zentrum des Berichts stehen die sogenannten 3TG-Metalle: Zinn, Tantal, Wolfram und Gold. Auf Basis seiner Sorgfaltsprüfung – darunter die Auswertung von Daten unabhängiger Audit-Programme, von Programmen zur Rückverfolgung in der vorgelagerten Lieferkette, unabhängiger Berichte sowie Angaben der eigenen Zulieferer – fand Apple nach eigener Darstellung keinen begründeten Anhaltspunkt dafür, dass eine der in der Lieferkette identifizierten Schmelzen oder Raffinerien dieser Metalle zum Stichtag 31. Dezember 2025 direkt oder indirekt bewaffnete Gruppen in der Demokratischen Republik Kongo oder einem angrenzenden Land finanziert oder von ihnen profitiert hätte.
Die Offenlegung erstreckt sich über nahezu das gesamte Produktportfolio. Erfasst werden den Angaben zufolge iPhone, Mac, iPad, AirPods, Apple TV, Apple Watch, Apple Vision Pro, Beats-Produkte, HomePod, HomePod mini, Apple Card sowie sämtliches Apple-Zubehör.
Wie Apple seine Lieferkette kontrolliert
Um diese Aussage treffen zu können, stützt sich Apple auf ein standardisiertes Meldeverfahren. Alle Zulieferer, die für die Fertigung von Apple-Produkten Zinn, Tantal, Wolfram oder Gold verwenden, müssen demnach eine branchenübliche Vorlage zur Meldung von Konfliktmineralien ausfüllen.
Hinzu kommt eine Prüfpflicht: Nach Apples Darstellung müssen 100 Prozent der in der Lieferkette identifizierten Schmelzen und Raffinerien dieser Metalle jährlich an einem unabhängigen Audit durch Dritte teilnehmen. Erfüllt eine Schmelze oder Raffinerie die Standards nicht oder ist dazu nicht bereit, leitet Apple eigenen Angaben zufolge über die jeweiligen Zulieferer die nötigen Schritte ein, um die betreffende Geschäftsbeziehung zu beenden.
Die Grenzen der Rückverfolgung
So umfassend das Prüfsystem beschrieben ist, eine entscheidende Einschränkung benennt Apple selbst. Da das Unternehmen die Rohstoffe nicht direkt von den Minen kauft, beschafft oder bezieht, ist es bei der Herkunftsbestimmung auf Informationen von Zulieferern, Schmelzen, Raffinerien und unabhängigen Audit-Programmen angewiesen.
Aus diesem Grund kann Apple nach eigener Aussage nicht immer feststellen, aus welchen Ländern die tatsächlich in den einzelnen Bauteilen und Produkten enthaltenen 3TG-Metalle stammen. Diese könnten sowohl aus dem Kongo oder angrenzenden Ländern als auch aus recycelten und wiederverwerteten Quellen kommen. Trotz dieser offenen Frage zur konkreten Herkunft hält das Unternehmen an seinem Befund fest, dass es keinen begründeten Anhaltspunkt für eine Finanzierung bewaffneter Gruppen durch die identifizierten Schmelzen oder Raffinerien gebe.
Klagen und anhaltende Kritik
Der Bericht erscheint vor dem Hintergrund anhaltender rechtlicher Auseinandersetzungen. Im November 2025 wurde Apple zum wiederholten Mal im Zusammenhang mit Konfliktmineralien verklagt. Die Menschenrechtsorganisation International Rights Advocates wirft dem Unternehmen vor, seine Lieferkette enthalte weiterhin Mineralien, die mit Kinderarbeit, Zwangsarbeit und bewaffneten Gruppen in der Demokratischen Republik Kongo und in Ruanda in Verbindung stünden.
Bereits Anfang 2024 hatte dieselbe Organisation Apple und vier weitere Technologieunternehmen wegen mutmaßlich illegaler Kobaltbeschaffung verklagt; diese Klage wurde später abgewiesen. Apple hat derartige Vorwürfe stets zurückgewiesen und veröffentlicht über einen eigenen Transparenz-Bereich auf seiner Website regelmäßig Materialien und Berichte zu Lieferkette, Menschenrechten, dem Verhaltenskodex für Zulieferer und verantwortungsvoller Beschaffung.
Apple: Sorgfaltspflicht mit eingebauten Grenzen
Der Bericht illustriert ein Spannungsfeld, das sich nicht allein durch Audits auflösen lässt. Auf der einen Seite steht ein engmaschig beschriebenes Prüfsystem mit standardisierten Meldungen, jährlichen Audits und der angekündigten Trennung von Partnern, die nicht mitziehen. Auf der anderen Seite steht das Eingeständnis, dass sich die Herkunft der Metalle bis zur Mine nicht lückenlos zurückverfolgen lässt, weil Apple selbst am Anfang dieser Kette gar nicht auftritt.
Genau in dieser Lücke setzen Kritiker und Kläger an, während Apple auf die Aussagekraft der unabhängigen Prüfungen verweist. Für Käufer bedeutet das: Der jährliche Bericht dokumentiert einen erheblichen Kontrollaufwand, kann die Frage nach der exakten Herkunft jedes einzelnen Gramms aber prinzipbedingt nicht abschließend beantworten – ein Umstand, der das Thema auch in den kommenden Jahren begleiten dürfte. (Bild: Shutterstock / vision-photo)
- Apple zeigt seine Bild-KI-Forschung auf der CVPR 2026
- Claude Opus 4.8: Anthropics neues KI-Modell ist da
- Wie iPad und Mac helfen, die Cherokee-Sprache zu retten
- Amazon übernimmt auch Apples 20-Prozent-Anteil an Globalstar
- Studie: Wer ein Jahres-Abo kündigt, kommt fast nie zurück
- Meta startet Facebook Plus, Instagram Plus und WhatsApp Plus weltweit
- Apple veröffentlicht Hilfe-Dokument zur Unterscheidung der Creator-Studio-Apps
- WhatsApp lässt iPhone-Nutzer bald Dokumente an Meta AI senden
- iPhone-Raub: Apple plant automatische Sperre beim Entreißen
- Apple veröffentlicht neue AirTag-2-Firmware 3.0.49
- Apple ergänzt CVE-Details für ältere und aktuelle Updates
- Apple-Patent skizziert echte Unterwasser-Fotografie für iPhones
- Apple Patent: Vision Pro könnte modular und aufrüstbar werden
- Apple arbeitet an Apple Pencil mit realistischer Haptik
- Apple Hülle soll iPhone mit Satelliten verbinden
- Apple bringt Touch ID unter dem Display wieder ins Spiel
- Apple Vision Pro: Kommt ein Apple-Pencil-ähnlicher Controller?
- Apple meldete 2025 deutlich weniger Patente in den USA
- AirPods der Zukunft: Apple forscht an smarter Gestenlogik
- Apple plant Stoffdisplays für HomePod und andere Geräte



