Der Rechtsstreit zwischen Apple und OpenAI weitet sich aus. Apple hat rund 40 frühere Beschäftigte, die inzwischen bei OpenAI arbeiten, schriftlich aufgefordert, mögliche Beweise zu sichern – ein Signal, dass der Konzern den Kreis der Verdächtigen deutlich größer zieht als in der ursprünglichen Klage.
Vergangene Woche hatte Apple OpenAI wegen des mutmaßlichen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen verklagt und dem KI-Unternehmen vorgeworfen, gezielt an vertrauliche Informationen zur Hardware-Entwicklung gelangt zu sein. Nun folgt der nächste Schritt: Laut einem Bericht der Financial Times hat Apple rund 40 ehemalige Mitarbeiter, die heute für OpenAI tätig sind, per Schreiben aufgefordert, potenziell relevante Dokumente und Kommunikation aufzubewahren. Der Konzern geht offenbar davon aus, dass die mutmaßliche Weitergabe vertraulicher Informationen über die namentlich genannten Personen hinausreicht.
Was Apple von den Ex-Mitarbeitern verlangt
Die sogenannten Beweissicherungsschreiben verpflichten die Empfänger dazu, Unterlagen und Nachrichten, die für das Verfahren von Bedeutung sein könnten, nicht zu löschen. Dass Apple gleich rund 40 Personen anschreibt, zeigt die Stoßrichtung: In der Klageschrift bezeichnet der Konzern die bislang zutage geförderten Belege als „Spitze des Eisbergs“ und deutet damit an, dass er von einem breiteren Muster ausgeht als von Einzelfällen. Die Zahl von über 400 früheren Apple-Beschäftigten bei OpenAI unterstreicht, wie groß der potenzielle Personenkreis ist.
Worum es im Rechtsstreit geht
Im Zentrum der Klage stehen zwei ehemalige Apple-Manager. Tang Tan, heute Chief Hardware Officer bei OpenAI, war 24 Jahre bei Apple und verantwortete zuletzt das Produktdesign von iPhone und Apple Watch, bevor er das Unternehmen verließ. Chang Liu arbeitete acht Jahre als Elektroingenieur bei Apple und wechselte im Januar 2026 zu OpenAI; Apple wirft ihm vor, einen Firmen-Laptop nicht zurückgegeben und vertrauliche Hardware-Dateien heruntergeladen zu haben. Neben OpenAI ist auch die Hardware-Tochter io Products Teil der Klage. Apple sieht in den Vorgängen ein koordiniertes Vorgehen rund um Produktdesigns, Fertigungsverfahren und Lieferkettenstrategien.
OpenAI weist die Vorwürfe zurück
OpenAI hat die Anschuldigungen zurückgewiesen und erklärt, keine Belege für die Vorwürfe zu sehen. Man habe kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen anderer Unternehmen. Gerichtlich geprüft sind die Vorwürfe bislang nicht – es handelt sich um die Darstellung einer Streitpartei, über die ein Gericht erst noch entscheiden muss.
Was für OpenAIs Hardware auf dem Spiel steht
Apple beantragt eine einstweilige Verfügung, die OpenAI untersagen soll, während der Entwicklung seines KI-Hardware-Geräts auf Apple-Informationen zurückzugreifen. Ein solcher Beschluss könnte OpenAIs noch junge Hardware-Sparte empfindlich ausbremsen – jene Sparte, aus der das erste Gerät als Lautsprecher mit Kamera entstehen soll. Pikant ist der Streit auch deshalb, weil beide Unternehmen bis vor Kurzem eng zusammenarbeiteten: OpenAI liefert die Technik hinter der ChatGPT-Integration in Apple Intelligence und Siri. Die ChatGPT-Kooperation selbst ist laut Apple allerdings nicht Gegenstand der Klage.
Ein Streit, der weiter wächst
Mit den Beweissicherungsschreiben an Dutzende weitere Beschäftigte deutet sich an, dass der Fall über die beiden ursprünglich benannten Personen hinaus an Umfang gewinnt. Apple sieht ein breit angelegtes Muster, OpenAI hält die Klage für unbegründet. Bis zu einer gerichtlichen Klärung dürfte der Konflikt zwischen den früheren Partnern damit eher größer werden als kleiner. (Bild: Shutterstock / LoveMetaverse)
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