Eine einzige Produktentscheidung reicht der Investmentbank für die Abstufung: Das Jubiläums-iPhone soll ohne Glasgehäuse kommen. Vier Wochen zuvor klang die Lage in der Zulieferkette noch ganz anders.
Kurszielsenkungen sind bei Apple derzeit keine Seltenheit; mehrere Häuser haben nach den Quartalszahlen nachjustiert, darunter JP Morgan mit 340 Dollar. Eine Abstufung auf die niedrigste Empfehlungsstufe fällt jedoch aus dem Rahmen – und die Begründung hängt an einem Gerät, das Apple erst 2027 vorstellen dürfte.
Jefferies senkte am Montag die Einstufung von Halten auf Underperform und das Kursziel von 285,56 auf 263,66 Dollar. Gegenüber dem Freitagsschluss von 313,33 Dollar entspricht das einem Abwärtspotenzial von rund 16 Prozent. Analyst Edison Lee begründet den Schritt in einem Bericht von CNBC mit Prüfungen in der Zulieferkette.
Das Wichtigste in Kürze
- Jefferies stuft Apple von Halten auf Underperform ab und senkt das Kursziel auf 263,66 Dollar.
- Grund ist die Annahme, Apple habe das Glasgehäuse für das iPhone 20 wegen schlechter Fertigungsausbeute gestrichen.
- Damit falle der wichtigste Hebel für höhere Verkaufspreise weg; die Gewinnschätzungen für 2028 und 2029 wurden gesenkt.
- Das faltbare iPhone bleibe kurzfristig der einzige Preistreiber, dürfte bei über 2.000 Dollar aber ein Nischenprodukt sein.
- Unsere eigene Berichterstattung vom 14. Juli beschrieb die Fertigung für das Glas-Design als startbereit.
Was Jefferies dem Jubiläumsmodell abspricht
Das für September 2027 erwartete Jubiläumsmodell galt lange als das Gerät, mit dem Apple die Preisstruktur der iPhone-Reihe nach oben verschieben könnte. Ein weitgehend aus Glas gefertigtes Gehäuse wäre der sichtbare Bruch mit der bisherigen Formensprache gewesen.
Lee schreibt, dieses Vorhaben sei wegen zu geringer Ausbeute gestrichen worden. Der Plan habe vorgesehen, die Bauweise anschließend auf die Pro- und Pro-Max-Modelle auszudehnen und damit deren Durchschnittspreis und Marge zu heben. Nach seiner Lesart zeigt der Vorgang, dass neue Formfaktoren beim iPhone schwerer durchzusetzen sind als erwartet.
In der Folge senkte Jefferies die erwartete Wachstumsrate für den durchschnittlichen iPhone-Verkaufspreis bis 2031 sowie die Gewinnschätzungen je Aktie für die Geschäftsjahre 2028 und 2029 um rund zwei beziehungsweise drei Prozent.
Ein Befund, der dem bisherigen Bild widerspricht
Am 14. Juli haben wir berichtet, dass die Fertigung für das Glas-Design offenbar bereitstehe. Vier Wochen später soll dasselbe Vorhaben an der Ausbeute gescheitert sein.
Beide Angaben stammen aus Zulieferkreisen, beide sind unbestätigt, und keine lässt sich derzeit gegen die andere ausspielen. Dass sie sich widersprechen, ist der eigentliche Befund – nicht die Frage, welche Seite recht behält.
Hinzu kommt: Die Glasfertigung liegt zu großen Teilen in den USA und ist damit schwerer einsehbar als asiatische Zulieferstufen. Ein Gehäusedesign muss zudem nicht anderthalb Jahre vor dem Marktstart endgültig feststehen. Was im Überblick zum iPhone 20 an Berichten zusammenläuft, deutet ohnehin eher auf ein Gerät in der Machart des iPhone Air als auf ein reines Glasgehäuse.
Das faltbare iPhone als verbleibender Hebel
Kurzfristig bleibt nach Lees Einschätzung nur ein Modell, das den Durchschnittspreis anheben kann: das iPhone Ultra, Apples erstes faltbares iPhone, das im September erwartet wird. Bei einem Einstiegspreis jenseits von 2.000 Dollar hält er es allerdings für ein Nischenprodukt mit begrenzten Stückzahlen.
Diese Sorge trifft auf eine Kostenlage, die ohnehin drückt. Die Materialkosten der kommenden Pro-Generation liegen Schätzungen zufolge 38 Prozent über denen des Vorgängers, getrieben vom Speicherpreis.
Ein weiterer Punkt aus dem Bericht betrifft den europäischen Markt unmittelbar: Lee verweist auf gestiegene Inzahlungnahme-Werte in den USA und Europa. Sie könnten Käufe in den laufenden iPhone-17-Zyklus vorziehen und damit im Gegenzug die Nachfrage nach der iPhone-18-Generation dämpfen.
Wie einsam die Position ist
Die Abstufung steht gegen den Grundton an der Wall Street. Von 47 Häusern, die Apple beobachten, verteilen sich die Einstufungen nach der CNBC vorliegenden Aufstellung so:
| Einstufung | Anzahl der Häuser |
|---|---|
| Strong Buy | 10 |
| Buy | 20 |
| Hold | 14 |
| Underperform | 3 |
| Sell | 0 |
Hier gehen die Angaben allerdings auseinander. Eine andere Auswertung kommt auf sechs Häuser mit verkaufsähnlicher Empfehlung und wertet das als höchsten Stand seit 2012. Die Differenz dürfte an unterschiedlichen Erhebungsgrundlagen liegen – aufgelöst ist sie nicht, und beide Zahlen kursieren parallel.
Das höchste Kursziel im Feld liegt bei 400 Dollar, der Durchschnitt bei 319,48 Dollar. Jefferies liegt damit rund 56 Dollar unter dem Konsens.
Was von der Abstufung bleibt
Eine Abstufung ist keine Nachricht über Apple, sondern über die Erwartung eines Hauses an Apple. Der belegbare Kern beschränkt sich auf die Zahlen: neue Einstufung, neues Kursziel, gesenkte Gewinnschätzungen. Alles Übrige beruht auf Prüfungen in der Zulieferkette, die sich weder bestätigen noch widerlegen lassen.
Wir erwarten, dass sich die Frage nach dem Glasgehäuse in den kommenden Monaten mehrfach in beide Richtungen dreht. Zwei einander widersprechende Berichte innerhalb von vier Wochen sind für ein Gerät, das noch über ein Jahr entfernt ist, eher die Regel als die Ausnahme – Apple hat bis ins Frühjahr des Erscheinungsjahres Zeit, ein Gehäusedesign festzuzurren.
Für Leser mit Kaufabsicht ändert die Meldung nichts an den Geräten, die heute im Laden stehen. Wer allerdings darauf gewartet hat, dass Apple 2027 etwas grundlegend Neues zeigt, sollte die Erwartung an ein Glasgehäuse vorerst zurückstellen. Bestätigt ist an dieser Stelle bislang gar nichts – weder die ursprüngliche Planung noch ihre angebliche Absage. (Bild: Apple)
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