Wochenlang schoben sich Cupertino und Brüssel im Siri-AI-Streit gegenseitig die Schuld zu – diese Woche hat sich Tim Cook persönlich eingeschaltet, und der Ton ist plötzlich ein anderer. Drumherum: eine der dichtesten iPhone-Leakwochen des Jahres, ein Rekordauftrag fürs faltbare iPhone und eine Datenschutzfunktion, die ihr eigenes Versprechen bricht. Die ganze Apple-Woche im Rückblick.
Es war eine Woche, in der eine einzelne Person das Geschehen prägte: Tim Cook. Erst äußerte er sich zur weltweiten Speicherknappheit, dann schaltete er sich persönlich in den festgefahrenen Streit um Siri AI in Europa ein – und das ausgerechnet in einer Phase, in der er die operative Führung im September an seinen Nachfolger übergibt. Parallel drehte sich das Karussell aus iPhone-Leaks so schnell wie selten: neue Farben, ein geleakter A20-Chip, Akku- und Modem-Details, dazu ein Rundumschlag zum kompletten iPhone-Aufgebot 2027. Und während Apple im Rechtsstreit an gleich vier Fronten agierte, brachte ausgerechnet eine Datenschutzfunktion den Konzern in Erklärungsnot.
🔥 Story der Woche: Tim Cook sucht mit der EU einen Weg für Siri AI
Als Apple auf der WWDC 2026 Siri AI vorstellte, folgte für die EU die Ernüchterung: Auf iPhone und iPad startet die neue Assistenzgeneration hierzulande vorerst nicht – begründet mit dem Digital Markets Act. Nach Wochen öffentlicher Schuldzuweisungen kam diese Woche Bewegung hinein. Tim Cook tauschte sich in einem virtuellen Treffen direkt mit der zuständigen EU-Kommissarin aus; beide Seiten sprachen anschließend von einem konstruktiven Gespräch, ohne konkrete Ergebnisse zu nennen.
Der Kern des Konflikts: Apple sieht sich durch die geforderte Interoperabilität gezwungen, beliebigen KI-Systemen weitreichenden Zugriff auf Nachrichten, Käufe und app-übergreifende Aktionen zu gewähren, und verweist auf Sicherheits- und Datenschutzrisiken. Als Ausweg hatte der Konzern eine Vermittlungsinstanz namens Trusted System Agent und eine 18-monatige Übergangsfrist vorgeschlagen – beides lehnte die Kommission nach Apples Darstellung ab. Brüssel wiederum betont, nichts im DMA hindere Apple an einem Marktstart; die Zurückhaltung sei allein Apples Entscheidung.
Dass Cook selbst verhandelt, ist kein Zufall: Der direkte Draht zu Regulierern gilt als seine Kernkompetenz – und genau diese Aufgabe soll er behalten, wenn er im September in die Rolle des Executive Chairman wechselt. Für Apple drängt eine Lösung, denn Siri AI ist das Fundament der gesamten KI-Erzählung der kommenden Jahre. Ein dauerhafter Ausschluss der treuesten iPhone- und iPad-Nutzer in einem der wichtigsten Märkte wäre ein empfindlicher Bruch – ein Datum dafür gibt es aber weiterhin nicht.
📰 Was sonst wichtig war
iOS 26.6 rückt näher – Mit Beta 3 nähert sich Apple dem Abschluss, und auch der Release-Zeitraum steht fest: Ende Juli soll das Update erscheinen. Große neue Funktionen bringt es nicht, dafür den Feinschliff vor dem iOS-27-Herbst.
Sicherheit stand im Fokus – Gleich mehrere Meldungen: Apple zog wegen einer akuten KI-gestützten Bedrohung Sicherheitsupdates vor, rollte iOS, iPadOS und macOS 26.5.2 aus und schloss drei neu entdeckte AirDrop-Lücken.
Apple baut an Software und Tools – Der Konzern übernimmt das preisgekrönte Design-Tool Play und rüstet Creator Studio mit einem großen KI-Update auf.
MacBooks werden teurer – Ausgerechnet in einen einbrechenden Laptop-Markt hinein hebt Apple die MacBook-Preise an – eine Folge der anhaltenden Speicherknappheit.
Recht und Regulierung an vier Fronten – Apple will das Epic-Verfahren bis zu einem Supreme-Court-Urteil aussetzen, Großbritannien will den App Store nach EU-Vorbild öffnen, im indischen Kartellverfahren wirft Apple der Behörde Abschreiben vor, und auf eine KI-Klage von YouTube antwortet der Konzern mit dem DMCA.
iOS 27 zeigt erste Details – Zwei Vorschau-Häppchen aus der Beta: eine neue Einfügen-Funktion für die Tastatur und Trust Insights, eine App-Betrugserkennung.
Der Termin steht – Apple lädt für den 30. Juli zu den Q3-Quartalszahlen – voraussichtlich Tim Cooks letzte Bilanzvorlage als CEO.
💡 Gerücht der Woche: Sechs neue iPhones in einem Jahr
Ein neuer Leak skizziert Apples komplettes iPhone-Aufgebot für 2027 – und es wäre das größte der Geschichte: gleich sechs neue Modelle in zwei Wellen. Im Frühjahr sollen iPhone Air 2, iPhone 18 und iPhone 18e starten, im September sollen die runderneuerten Pro-Modelle zum 20-jährigen iPhone-Jubiläum sowie das faltbare iPhone Ultra 2 folgen. Möglich wird der Stau, weil das reguläre iPhone 18 und das iPhone Air 2 erst ins Frühjahr 2027 rutschen – der Herbst 2026 dürfte damit allein den drei Topmodellen iPhone 18 Pro, 18 Pro Max und dem ersten iPhone Ultra vorbehalten bleiben. Ein Wermutstropfen für Sparfüchse: Das iPhone 18e soll erneut bei 60 Hertz bleiben, also weiter ohne die flüssigere ProMotion-Darstellung.
📊 Zahl der Woche: 10 Millionen
So viele faltbare iPhones soll Apple bei seinen Zulieferern für dieses Jahr geordert haben – rund ein Drittel mehr als die zuvor kolportierten sieben bis acht Millionen. Laut einem Bericht von Nikkei Asia ist der Auftrag Teil eines Gesamtvolumens von etwa 220 Millionen iPhones für 2026. Für ein völlig neues, technisch anspruchsvolles Formfaktor-Debüt bei einem erwarteten Preis von rund 2.500 US-Dollar ist eine zweistellige Millionenzahl im ersten Jahr bemerkenswert selbstbewusst – und ein deutliches Signal, dass Apple sein Foldable nicht als vorsichtiges Experiment behandelt.
👎 Flop der Woche: Ein Datenschutz-Feature enttarnt echte Adressen
Ausgerechnet die Funktion „E-Mail-Adresse verbergen“, die die echte Adresse hinter einem Alias schützen soll, tut das Gegenteil: Eine Schwachstelle legt die reale Adresse hinter dem Alias offen – und Apple lässt das Problem seit über einem Jahr ungelöst. In Tests erwiesen sich sämtliche geprüften Alias-Adressen als angreifbar. Gemeldet wurde die Lücke bereits im Juni 2025; ein zwischenzeitlich als behoben gemeldeter Fix hielt nicht. Für einen Konzern, der Datenschutz seit Jahren zum zentralen Verkaufsargument macht, ist das eine besonders unangenehme Baustelle – ein Sicherheitsupdate soll die Lücke nun endlich schließen.
🔭 Was nächste Woche kommt
Die iPhone-18-Leaks dürften weiter im Wochentakt eintrudeln – bei so vielen offenen Details zu Farben, Chip, Akku und Modem ist kaum mit einer Pause zu rechnen. Zugleich rückt der Feinschliff von iOS 26.6 Richtung Release Ende Juli. Und traditionell startet Apple im Juli die öffentlichen Betas zu iOS, iPadOS, macOS und watchOS – wer nicht auf die Entwickler-Vorabversionen setzen möchte, könnte in den kommenden Wochen erstmals gefahrlos einen Blick auf die neue Generation werfen.
💬 Meine Meinung
Dass Tim Cook persönlich den Hörer in die Hand nimmt, ist mehr als eine Geste. Wochenlang klang Apples Position wie eine Trotzreaktion – die scharfe Newsroom-Mitteilung, die offene Schuldzuweisung an Brüssel. Dass nun der CEO selbst mit der zuständigen Kommissarin spricht, verrät, wie viel Apple an einer Lösung gelegen ist. Siri AI ist schlicht zu wichtig, um einen ganzen Kontinent dauerhaft außen vor zu lassen.
Nur: Für iPhone- und iPad-Nutzer in Europa ändert ein „konstruktives Gespräch“ bislang nichts. Es gibt kein Datum, keine Zusage, keinen konkreten Fahrplan – nur die Aussicht, dass beide Seiten weiterreden. Bewegung ja, Ergebnis nein. Solange Cupertino und Brüssel keine gemeinsame Auslegung des DMA finden, bleibt die neue Assistenzgeneration auf den beiden meistgenutzten Apple-Geräten hierzulande genau das, was sie seit der WWDC ist: ein Versprechen, das an der EU-Grenze endet. Immerhin – dass überhaupt geredet wird, ist nach den letzten Wochen schon ein Fortschritt.
📚 Aus unserem Archiv
- Siri in iOS 27: Alles, was bisher über den KI-Neustart bekannt ist – Worum in Brüssel eigentlich gerungen wird, zeigt dieser Überblick zur runderneuerten Sprachsteuerung samt aller bislang bestätigten Funktionen.
- iPhone 18: Alle Gerüchte im Überblick – Bei so vielen Einzelleaks bündelt diese Übersicht den sortierten Stand zu Apples nächster iPhone-Generation.
Eine Woche, in der Apple an vielen Fronten zugleich kämpfte – gegen Regulierer, gegen undichte Zulieferer und gegen die eigenen Sicherheitsversprechen – und in der ausgerechnet ein Gespräch für die leiseste, aber vielleicht wichtigste Wende sorgte.
Bis nächsten Sonntag wünscht Apfelpatient eine entspannte Lektüre und einen guten Wochenstart. (Bild: Shutterstock / gopixa)



