Apple will bei anspruchsvollen KI-Aufgaben unabhängiger von Nvidia werden – und erwägt dafür einen Schritt, den das Unternehmen jahrelang gemieden hat: größere Zukäufe. Ein Bericht beschreibt, wie Apple gezielt nach Chip-Firmen sucht, um seine eigenen KI-Server-Chips voranzutreiben.
Apple verarbeitet einen Teil seiner KI-Aufgaben bereits in eigenen Rechenzentren mit selbst entwickelten Chips, ist bei rechenintensiven Aufgaben aber weiter auf fremde Hardware angewiesen. Für schwere Lasten – darunter das Gemini-Modell hinter der überarbeiteten Assistenz – laufen die Berechnungen auf Nvidia-Chips innerhalb der Google-Cloud. Genau diese Abhängigkeit will Apple laut einem Bericht von The Information verringern, und dafür sucht das Unternehmen nach Angaben mit der Materie vertrauter Personen inzwischen aktiv nach passenden Chip-Firmen. In den vergangenen Monaten habe Apple mit Investmentbankern über mögliche Deals gesprochen.
Warum der Druck gerade jetzt steigt
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Apples eigener KI-Server-Chip mit dem internen Namen Baltra sollte ursprünglich in diesem Jahr an den Start gehen, hat sich dem Bericht zufolge aber verzögert. Solange dieser Chip fehlt, bleibt die Lücke bei rechenintensiven Aufgaben bestehen – und damit die Abhängigkeit von Nvidia, dem dominierenden Anbieter für KI-Server-Hardware.
Sichtbar wurde diese Lücke bei der Entwicklung der neuen Assistenz. Apples Ingenieure versuchten Berichten zufolge, Googles Gemini-Modelle auf der eigenen Server-Infrastruktur zu betreiben, stießen damit aber an eine Grenze: Die vorhandenen Chips waren auf Mac-Aufgaben ausgelegt und konnten ein Modell dieser Größenordnung nicht bewältigen. Also musste Apple Teile der Arbeitslast auf Nvidia-Chips in Googles Cloud auslagern. Apples Chip-Team hat sich traditionell auf akkubetriebene Mobilgeräte konzentriert, nicht auf die Hochleistungs-Server-Chips, die es braucht, um mit Nvidia mitzuhalten.
Ein Bruch mit der bisherigen Zukauf-Strategie
Zukäufe wären für Apple ein deutlicher Kurswechsel. Historisch hat sich das Unternehmen auf kleinere Übernahmen im dreistelligen Millionenbereich beschränkt und große Deals gemieden. Dieser Ansatz verschiebt sich gerade: Im Januar zahlte Apple für die Übernahme des israelischen Unternehmens Q.ai knapp zwei Milliarden Dollar – der zweitgrößte Zukauf der Firmengeschichte nach den drei Milliarden für Beats im Jahr 2014. Q.ai ist auf die Deutung von Sprache anhand feinster Gesichtsbewegungen spezialisiert.
Dazu passt ein Signal aus der jüngsten Quartalsbilanz: Finanzchef Kevan Parekh kündigte an, Apple werde nicht länger einen ausgeglichenen Stand zwischen Barreserven und Schulden anstreben. Einen Grund nannte das Unternehmen nicht, doch der zusätzliche Spielraum könnte Kapital für größere Übernahmen freisetzen. Dass Apples eigene Chip-Kompetenz einst selbst aus einem Zukauf hervorging – der Übernahme von PA Semi im Jahr 2008 –, verleiht dem möglichen Strategiewechsel eine gewisse Konsequenz.
Zukäufe als Ergänzung zur eigenen Entwicklung
Ein Zukauf von externer Chip-Expertise würde die laufende interne Arbeit ergänzen, nicht ersetzen. Apple entwickelt derzeit einen Server-Chip auf Basis des M5 Ultra. Ein späterer M7 Ultra soll die KI-Leistung deutlich steigern – auf ein Niveau, das an Nvidias Blackwell-Chip heranreichen könnte, und mit Unterstützung für bis zu 1,5 Terabyte Arbeitsspeicher. Ein Server-Chip auf M7-Ultra-Basis dürfte allerdings nicht vor 2029 bereitstehen.
Übernahmen sind ohnehin nur einer von mehreren Wegen, mit denen Apple seine Nvidia-Abhängigkeit senken will. Die Zusammenarbeit mit Broadcom an einem KI-Server-Chip läuft bereits seit 2024, und beide Unternehmen haben ihre Partnerschaft kürzlich bis 2031 verlängert. Der Zukauf zusätzlicher Fachleute würde diesen Strang beschleunigen, statt ihn abzulösen.
Warum der Führungswechsel den Kurs verschärfen könnte
Der mögliche Strategiewechsel fällt in eine Phase des personellen Umbruchs. Zum 1. September übernimmt Hardware-Chef John Ternus den Posten des CEO von Tim Cook. Zugleich hat Chip-Verantwortlicher Johny Srouji eine erweiterte Zuständigkeit erhalten, die neben den Halbleitern nun die gesamte Hardware-Entwicklung umfasst. Eine Führungsspitze mit Hardware- und Chip-Hintergrund an der Doppelspitze könnte einer aggressiveren Deal-Politik zusätzlichen Rückenwind geben.
Ob es tatsächlich zu größeren Übernahmen kommt, ist damit noch nicht gesagt – der Bericht beschreibt Sondierungen, keine abgeschlossenen Verträge. Sicher ist nur die Richtung: Apple will die Kontrolle über seine KI-Infrastruktur, so wie es die Kontrolle über die Chips in iPhone und Mac längst besitzt. Der Weg dorthin führt gerade über mehr als nur die eigene Entwicklungsabteilung. (Bild: Shutterstock / Soft grass)
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