Der weltweite Tablet-Markt hat im zweiten Quartal einen der stärksten Einbrüche seit zwei Jahren hinter sich. Apple verliert dabei weniger als der Rest der Branche und bleibt mit großem Abstand vorn – doch das Sommerquartal, das sonst von der Nachfrage zum Schulstart lebt, ist diesmal ausgefallen.
Ende Juli meldete Apple mit 109,4 Milliarden Dollar das beste Juni-Quartal der Firmengeschichte – und genau eine Produktsparte, die im Minus lag. Der iPad-Umsatz fiel auf 6,19 Milliarden Dollar, ein Rückgang von 5,9 Prozent. Wie sich diese Zahl zum Rest der Branche verhält, zeigt jetzt eine Auswertung des Marktforschungsunternehmens Omdia zum zweiten Kalenderquartal: Der gesamte Tablet-Markt hat härter verloren als Apple.
Das Wichtigste in Kürze
- Weltweit wurden im zweiten Quartal 35,5 Millionen Tablets ausgeliefert, 9,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
- Apple lieferte 13,5 Millionen iPads aus, ein Minus von 7,5 Prozent, und hält damit 37,8 Prozent des Marktes.
- Samsung folgt mit 16,3 Prozent, Lenovo mit 11,1 Prozent – Lenovo ist der einzige Anbieter der Top fünf mit Wachstum.
- Erstmals seit Jahren blieb der übliche Anstieg zum Schulstart aus.
- Omdia erwartet, dass Hersteller ihre knappen Bauteile künftig eher in Flaggschiff- und Premium-Geräte stecken als in Tablets.
Der Markt schrumpft schneller als Apple
Von den 35,5 Millionen ausgelieferten Geräten entfällt gut ein Drittel auf Apple. Der Vorsprung auf Samsung beträgt mehr als das Doppelte, und er hat sich im Vergleich zum Vorjahr sogar vergrößert, weil Apples Rückgang schwächer ausfiel als der Marktdurchschnitt.
| Hersteller | Anteil Q2 | Auslieferungen | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|---|
| Apple | 37,8 % | 13,5 Mio. | −7,5 % |
| Samsung | 16,3 % | 5,8 Mio. | rückläufig |
| Lenovo | 11,1 % | keine Angabe | +27,1 % |
| Xiaomi | 8,0 % | keine Angabe | rückläufig |
| Huawei | 7,7 % | keine Angabe | rückläufig |
| Übrige Anbieter | 19,1 % | keine Angabe | −23,5 % |
| Gesamtmarkt | 100 % | 35,5 Mio. | −9,9 % |
Am deutlichsten trifft es die kleineren Anbieter außerhalb der Top fünf: Ihr gemeinsames Volumen brach um 23,5 Prozent ein. Lenovo dagegen legte um 27,1 Prozent zu und ist damit der einzige große Hersteller mit Wachstum.
Der Umsatz fällt langsamer als die Stückzahl
Beide Zahlen messen Unterschiedliches – Omdia zählt Auslieferungen an den Handel, Apple verbucht realisierten Umsatz. Trotzdem ist der Abstand aufschlussreich: Die Stückzahl sank um 7,5 Prozent, der Umsatz nur um 5,9 Prozent.
Das spricht dafür, dass sich der Verkaufsmix nach oben verschoben hat. Wer im vergangenen Quartal ein iPad gekauft hat, griff im Schnitt zu einem teureren Modell als im Vorjahr. Diese Lesart deckt sich mit Omdias Beobachtung, dass sich die Portfolios der Hersteller insgesamt in Richtung teurerer Geräte verschieben – ein Muster, das sich auch bei Smartphones im Premium-Segment zeigt.
Apple selbst hebt hervor, dass mehr als die Hälfte der iPad-Käufer im Juni-Quartal zum ersten Mal ein iPad erworben hat. Der Vorjahreszeitraum war zudem ungewöhnlich stark, was den Vergleich zusätzlich belastet.
Ein Sommerquartal ohne Schulstart-Effekt
Bemerkenswerter als der Rückgang selbst ist sein Zeitpunkt. Das zweite Quartal fällt normalerweise besser aus als das erste, weil die Nachfrage rund um den Schulstart anzieht. Nach Omdias Zählung ist dieses Muster erstmals seit Jahren gebrochen.
Der Grund liegt laut Research Managerin Himani Mukka nicht in fehlendem Interesse. Tablets seien fester Bestandteil vieler Haushalte, und in etlichen Anwendungsfällen ersetzten abnehmbare Tastatur-Tablets zunehmend klassische PCs. Bildung und mobiler Einsatz im Beruf blieben tragende Nachfragefelder. Was fehlt, ist auf der Angebotsseite zu suchen: Die Knappheit bei Bauteilen erreicht inzwischen die Kategorien, die keine Priorität genießen.
Deutsche Preise stiegen erst nach dem Stichtag
Für den deutschsprachigen Raum ist die zeitliche Abfolge entscheidend. Apple hat die Preise für Macs, iPads und Vision Pro am 25. Juni angehoben – zwei Tage vor dem Ende des Quartals. Auf die hier besprochenen Zahlen kann sich das praktisch nicht ausgewirkt haben.
| Modell | Preis vorher | Preis seit 25. Juni |
|---|---|---|
| iPad (A16) | 379 € | 499 € |
| iPad Air 11″ (M4) | 649 € | 799 € |
| iPad Pro 11″ (M5) | 1.099 € | 1.299 € |
Besonders auffällig ist der Sprung beim Basismodell: rund 32 Prozent mehr für genau das Gerät, das in Schulen und bei Ersteinsteigern am häufigsten landet. Wer aktuell vor der Anschaffung steht, findet die Abwägung zwischen den Modellen in unserer iPad-Kaufberatung aufgeschlüsselt.
Sichtbar wird der Preisschritt erst in den Zahlen für das laufende Quartal. Wir erwarten, dass er die Nachfrage im deutschsprachigen Raum spürbar dämpft. Wer für ein Basis-iPad 120 Euro mehr zahlen soll als im Frühjahr, verschiebt den Kauf – oder greift im Fachhandel zum Vorjahresmodell, wo die alten Preise teilweise noch stehen.
Warum das iPad im eigenen Haus hinten ansteht
Mukkas Ausblick ist die eigentliche Nachricht des Berichts: Angesichts der anhaltenden Bauteilknappheit würden Hersteller die Tablet-Kategorie voraussichtlich nicht breit priorisieren, sondern ihre begrenzten Mittel auf Flaggschiff- und Premium-Modelle konzentrieren.
Für Apple ist das keine Prognose über die Konkurrenz, sondern eine Beschreibung der eigenen Lage. Der Konzern hat für das laufende Quartal ausdrücklich Lieferengpässe bei iPhone, Mac und iPad angekündigt und erwartet, im September-Quartal noch höhere Speicherpreise zu zahlen. Wenn dieselben Speicherbausteine in ein iPhone oder in ein iPad wandern können, ist absehbar, welches Gerät den Vorzug bekommt. Die Speicherkrise spaltet den Markt inzwischen nicht mehr nur zwischen Herstellern, sondern innerhalb einzelner Produktpaletten.
Praktisch heißt das für dich: Hast du ein bestimmtes iPad-Modell im Blick, solltest du bei Verfügbarkeit zugreifen, statt auf eine Preiskorrektur zu warten. Die deutet sich in keiner der vorliegenden Zahlen an.
Zwei neue iPads sollen im Herbst gegen den Trend antreten
Apples Antwort auf ein schrumpfendes Segment sind zwei Produkte, die beide noch nicht angekündigt sind. Das iPad mini 8 mit OLED-Display soll im Oktober in den Handel kommen, und beim Einsteigermodell hatte Apples Finanzchef bereits im Frühjahr eine Verzögerung angedeutet. Der aktuelle Stand zur nächsten Generation des Basis-iPads steht in der Übersicht zum iPad der 12. Generation.
Beide Geräte treffen auf einen Markt, in dem die Stückzahlen fallen und die Preise steigen. Ob sie den Trend brechen, entscheidet sich weniger an ihrer Ausstattung als daran, wie viele Einheiten Apple angesichts der Bauteillage überhaupt bauen kann. (Bild: Apfelpatient)
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