Ein kurzer Ruck, und das iPhone ist weg – oft noch entsperrt. Genau für diesen Moment baut Apple eine automatische Sperre, und die zweite Beta von iOS 27.2 zeigt deutlich mehr davon als bisher. Im Code steht jetzt, woran das System einen Diebstahl erkennen soll und was es davon abhält, im falschen Moment zu sperren.
Seit Mai ist bekannt, dass Apple an einer automatischen Sperre beim Entreißen des iPhones arbeitet. Die ersten Hinweise im Code nannten den Beschleunigungssensor, den Abstand zur gekoppelten Apple Watch und dieselben vertrauten Orte, auf die sich auch der Schutz für gestohlene Geräte stützt.
Mit der zweiten Beta von iOS 27.2, die Apple am Montag an Entwickler verteilt hat, wird das Bild deutlich vollständiger. 9to5Mac hat den neuen Code selbst ausgewertet und die Details veröffentlicht. Intern heißt die Funktion „AutoLock“. Nutzen lässt sie sich in der Beta noch nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Diebstahlsperre soll ein iPhone automatisch sperren, wenn es dem Besitzer aus der Hand gerissen wird.
- Der Code der Beta 2 nennt fünf Signale, darunter eine abrupte Beschleunigung und eine nicht erreichbare Apple Watch.
- Biometrische Entsperrung, vertraute Orte und bestimmte App-Aktivitäten können eine Sperre verhindern.
- Der zugrunde liegende Dienst läuft bereits im Hintergrund, die Komponente, die tatsächlich sperrt, ist abgeschaltet. Eine Option für Nutzer gibt es nicht.
Fünf Signale für einen möglichen Diebstahl
Laut Code kann das System auf fünf Signale zurückgreifen, um zu erkennen, dass ein iPhone seinem Besitzer abhandengekommen sein könnte. Dem stehen drei Schutzmechanismen gegenüber, die eine Sperre verhindern können.
| Signal | Rolle im System |
|---|---|
| Abrupte Beschleunigung, wie sie beim Entreißen entsteht | kann eine Sperre anfordern |
| Gekoppelte Apple Watch längere Zeit nicht erreichbar | kann eine Sperre anfordern |
| Verbindung zur gekoppelten Apple Watch bricht ab | kann eine Sperre anfordern |
| Netzverbindung fällt über längere Zeit aus | kann eine Sperre anfordern |
| iPhone bleibt über eine bestimmte Zeit entsperrt | kann eine Sperre anfordern |
| Erfolgreiche biometrische Entsperrung | kann eine Sperre verhindern |
| Vertrauter Ort | kann eine Sperre verhindern |
| Bestimmte Aktivitäten einer App im Vordergrund | kann eine Sperre verhindern |
Zwei der fünf Signale hängen an der Apple Watch. Wer keine trägt, liefert dem System entsprechend weniger Anhaltspunkte, die übrigen drei funktionieren unabhängig davon.
Ein Abstimmungssystem gegen Fehlalarme
Der Code deutet auf ein Verfahren hin, bei dem jedes Diebstahlsignal eine Sperre anfordern kann, während die Schutzmechanismen ein Veto einlegen. Ein einzelner Ausschlag des Beschleunigungssensors reicht damit nicht zwangsläufig aus, wenn das iPhone gerade per Face ID oder Touch ID entsperrt wurde oder sich an einem vertrauten Ort befindet.
Hinzu kommt eine Bremse für Wiederholungen: Hat das System mehrfach hintereinander gesperrt, kann es weitere automatische Sperren vorübergehend unterdrücken. Die App-Aktivitäten im Vordergrund stehen auf der Veto-Seite, weil sie sonst als Zeichen eines Diebstahls fehlgedeutet werden könnten.
Was sich seit Mai verändert hat
Im Mai war von Beschleunigungssensor, Abstand zur Apple Watch, vertrautem WLAN und vertrautem Ort die Rede. Nach einer Sperre an einem fremden Ort sollten zusätzlich dieselben Bereiche geschützt sein wie beim Schutz für gestohlene Geräte. Neu im Code der Beta 2 sind der längere Ausfall der Netzverbindung, die Dauer im entsperrten Zustand, das Veto-Verfahren und die Bremse bei wiederholten Sperren.
Auch der Stand der Umsetzung ist weiter. Apple hat den Dienst im Hintergrund bereits eingeschaltet, die sperrende Komponente aber deaktiviert. 9to5Mac vermutet dahinter einen Test des Verhaltens, ohne dass Geräte tatsächlich gesperrt werden. Die Angaben stammen aus der Code-Auswertung des Portals, das auch den ersten Fund im Mai gemacht hatte. Sie sind damit konsistent, aber nicht unabhängig bestätigt.
Es ist nicht die einzige Funktion, die im 27.2-Code liegt, ohne aktiv zu sein – dasselbe gilt für neue Kurzbefehle und einen Album-Countdown in Apple Music.
Die Lücke hinter dem Schutz für gestohlene Geräte
Der Schutz für gestohlene Geräte richtet sich gegen Diebe, die den Gerätecode kennen. Laut Apples Anleitung verlangt er für Aktionen wie den Zugriff auf gespeicherte Passwörter oder das Löschen aller Inhalte Face ID oder Touch ID, bei einer Änderung des Apple-Account-Passworts zusätzlich eine Stunde Wartezeit. Das iPhone selbst sperrt er nicht. Wer es entsperrt aus der Hand reißt, hat zunächst Zugriff auf alles, was gerade geöffnet ist.
Genau dort setzt die neue Sperre an, und das Veto-Verfahren deutet darauf hin, dass Apple Fehlalarme vermeiden will, auch um den Preis einer langsameren Auslösung. Solange die sperrende Komponente abgeschaltet ist und eine Einstellung fehlt, rechnen wir nicht damit, dass die Funktion schon mit der fertigen iOS 27.2 erscheint.
Bis dahin kannst du die vorhandenen Einstellungen enger ziehen. Unter „Einstellungen“ > „Face ID & Code“ > „Schutz für gestohlene Geräte“ greift die Option „Immer“ auch zu Hause und bei der Arbeit. Gesperrte Apps verlangen bei aktivem Schutz außerhalb vertrauter Orte laut Apple Face ID oder Touch ID, ohne dass sich der Gerätecode als Ausweg nutzen lässt.

Würdest du eine automatische Sperre einschalten, die dich im Zweifel auch einmal selbst aussperrt – oder wäre dir ein Fehlalarm im falschen Moment zu lästig? Schreib uns in die Kommentare, wo für dich die Grenze liegt.



