Im Antitrust-Verfahren von Elon Musks xAI gegen Apple und OpenAI hat ein US-Gericht entschieden, Craig Federighi als sogenannten Document Custodian in das Verfahren aufzunehmen. Tim Cook bleibt dagegen außen vor. Damit verschiebt sich die personelle Achse der Klage erstmals direkt auf Apples Software-Spitze.
Die Klage von xAI gegen Apple und OpenAI läuft seit Sommer 2025 und dreht sich im Kern um die Integration von ChatGPT in Siri sowie die Frage, ob Apples Ranking-Praxis im App Store Konkurrenz-Chatbots benachteiligt. Mit der neuen Anordnung des US-Magistratsrichters Hal R. Ray Jr. erhält das Verfahren eine Dimension, die über die bisherigen Schriftsätze hinausgeht: Apple muss interne Dokumente aus Federighis Bestand bis zum 17. Juni 2026 vorlegen. Bereits in den vergangenen Monaten hatte sich gezeigt, dass die Klage weit über App-Store-Rankings hinausreicht und an die Grundfrage der Apple-OpenAI-Partnerschaft führt.
Was ein Document Custodian im US-Verfahren bedeutet
Als Custodian wird im US-Discovery-Verfahren eine Person bezeichnet, deren E-Mails, Dateien und sonstige relevante Unterlagen für die Beweisaufnahme gezielt durchforstet werden müssen. Wer in diese Rolle gerät, ist nicht zwingend Beschuldigter, wird aber zu einer zentralen Informationsquelle. xAI hatte beantragt, sowohl Tim Cook als auch Craig Federighi in diesen Status zu versetzen – mit der Begründung, beide hätten „strategische Entscheidungen auf hoher Ebene zum Apple-OpenAI-Abkommen“ getroffen.
Warum das Gericht zwischen Cook und Federighi unterscheidet
Richter Ray hat den Antrag in zwei Hälften geteilt. Für Federighi sah er die Voraussetzungen erfüllt, weil dieser als Senior Vice President of Software Engineering wahrscheinlich über einzigartige Beweismittel zur Integration von OpenAI in Apple Intelligence verfüge und als Schlüsselentscheider bei Apples Software-Entwicklung gelten könne. Für Cook fehle xAI dagegen die Begründung, warum dessen Unterlagen relevante Informationen enthalten sollten, die nicht ohnehin schon vorgelegt wurden oder durch die Benennung Federighis abgedeckt werden.
Damit setzt das Gericht ein klares Signal: Wer in diesem Verfahren Auskunft geben muss, ergibt sich nicht aus der Stellung im Unternehmen, sondern aus der nachweisbaren Nähe zur konkreten Vertragsgestaltung. Federighi rückt damit in eine Position, die seine Rolle in der KI-Strategie des Konzerns nochmals unterstreicht. Seit dem Rückzug von KI-Chef John Giannandrea sind Federighi und Mike Rockwell ohnehin die zentralen Treiber von Apples KI-Kurs.
Zusätzliche Anordnungen des Gerichts
Die Entscheidung enthält weitere Punkte. Das Gericht hat den Antrag von xAI abgelehnt, einen weiteren, nicht namentlich genannten Apple-Mitarbeiter zum Verfahren hinzuzuziehen. Dieser sollte Informationen zu iPhone-Verkäufen liefern. Richter Ray bezeichnete Dokumente zum Wettbewerb in der gesamten Smartphone-Branche als deutlich außerhalb des Klagegegenstands liegend.
Gleichzeitig wurde xAIs Antrag teilweise stattgegeben, Unterlagen zur Partnerschaft zwischen Apple und Google vorlegen zu lassen. Das Gericht beschränkte den Umfang aber auf jene Dokumente, die sich auf mögliche Exklusivitätsklauseln für KI-Anbieter in Apple-Produkten beziehen. Auch hier gilt die Frist 17. Juni 2026.
OpenAI konnte einen eigenen Punkt durchsetzen: Elon Musk muss bis zum 3. Juni 2026 E-Mails von Tesla und SpaceX sowie weitere Text- und XChat-Konten herausgeben. Abgelehnt wurde dagegen xAIs Versuch, Apple zur Offenlegung interner KI-Nutzungsrichtlinien für die eigene Belegschaft zu verpflichten. Das Gericht sah keinen erkennbaren Bezug zu den Antitrust-Vorwürfen.
xAIs Versuch, international Beweise zu sammeln
Über die nun beschlossenen US-Vorlagepflichten hinaus arbeitet xAI seit Monaten daran, die Beweisaufnahme international auszuweiten. Auf Basis des Haager Übereinkommens hat das Unternehmen Anträge gestellt, Dokumente von ausländischen Firmen anzufordern. Während die US-Justiz solche Anträge bisher überwiegend bewilligt hat, bleibt die Umsetzung im Ausland zäh. In Südkorea wurde der Antrag auf Unterlagen vom Super-App-Betreiber Kakao im Januar 2026 abgelehnt. Ähnliche Anträge laufen in weiteren Ländern noch.
Der größere Rahmen des Verfahrens
Die Klage geht im Kern auf den Vorwurf zurück, Apple und OpenAI hätten durch ihre Kooperation den Markt für generative KI verzerrt. Die Ursprungsklage aus dem August 2025 konzentrierte sich zunächst auf App-Store-Charts, in denen Musks Grok und xAIs eigene Anwendungen aus seiner Sicht systematisch zurückgesetzt wurden. Mit weiteren Schriftsätzen verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf die Super-App-Frage und auf die Behauptung, Apple verteidige sein Smartphone-Monopol durch eine exklusive Verbindung zu OpenAI.
Apple weist die Vorwürfe seit Beginn zurück und betont, der Vertrag mit OpenAI enthalte keine Exklusivität. Die nun erweiterte Beweisaufnahme dürfte für Apples Rechtsabteilung dennoch zu einer der aufwendigsten Phasen des Verfahrens werden, weil Federighis Custodian-Status den Pool an offenzulegenden Dokumenten deutlich vergrößert.
Federighi rückt ins Zentrum
Mit dem Beschluss verschiebt sich die Aufmerksamkeit personell ein Stück weg von Cook und hin zu Federighi. Der Software-Chef ist seit Jahren das öffentliche Gesicht von iOS-, iPadOS- und macOS-Keynotes – jetzt wird er auch zur Schlüsselfigur in einem der prominentesten Antitrust-Verfahren rund um Apple. Die Frist 17. Juni 2026 dürfte den nächsten konkreten Wendepunkt markieren, weil sich dann zeigt, welche internen Diskussionen rund um den ChatGPT-Deal das Gericht aus erster Hand zu sehen bekommt. (Bild: Shutterstock / becauz gao)
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