Ein KI-Assistent, der eine iOS-App nicht nur schreibt, sondern sie startet, durchtippt und selbst überprüft: Genau das kann Claude Code jetzt in Apples iOS Simulator. Anthropic hat die Desktop-App um ein Fenster erweitert, das den Simulator direkt ansteuert – live und ohne Umweg über eine Bildschirmsteuerung. Die Funktion steht ab sofort als öffentliche Beta bereit.
Apple hat seine Entwicklungsumgebung in den vergangenen Monaten schrittweise für externe KI-Modelle geöffnet – bis hin zu den KI-Frameworks in Xcode 27, die Sprachmodelle mehrerer Anbieter direkt in den Editor holen. Anthropic geht mit dem jüngsten Update von Claude Code den umgekehrten Weg: Statt sich in Xcode einzuklinken, bringt die Desktop-App Apples iOS Simulator in ein eigenes Fenster neben dem Chatverlauf. Dort baut, installiert und startet der Assistent eine App, tippt sich durch die Oberfläche und liest den Bildschirm, um die eigenen Änderungen zu prüfen. Für Entwickler auf dem Mac rückt damit das Testen näher ans Schreiben von Code.
Was der Simulator im Claude-Code-Fenster übernimmt
Das Simulator-Fenster öffnet sich automatisch, sobald Claude Code eine App baut, installiert, startet oder überprüft. Es streamt den Gerätebildschirm live direkt neben der Unterhaltung, sodass sich der komplette Ablauf mitverfolgen lässt. Wer eine bestimmte Ansicht testen will, kann sie im Auftrag benennen – etwa „auf dem iPhone SE ausführen“ -, woraufhin der Assistent gezielt dieses simulierte Gerät baut und startet.
Während der Assistent arbeitet, bleibt das Fenster interaktiv: Man kann parallel selbst durch die App tippen und wischen, während Claude Code weiterläuft. Beide steuern dasselbe simulierte Gerät, ein Hinweis über dem Bildschirm zeigt an, wenn gerade der Assistent es bedient. Pro Sitzung lassen sich bis zu vier solcher Simulator-Fenster öffnen, jedes gehört fest zu der Sitzung, die es gestartet hat. Geräte, die Claude Code selbst hochgefahren hat, fährt die App wieder herunter, sobald sie nicht mehr gebraucht werden – beim Beenden, beim Archivieren der Sitzung oder zehn Minuten nach dem Abkoppeln.
Direkte Ansteuerung statt Bildschirmsteuerung
Der technische Kern des Updates steckt darin, wie das Fenster den Simulator anspricht. Es steuert die simulierten Geräte direkt an und greift dafür nicht auf die sonst übliche Bildschirmsteuerung zurück, bei der ein Modell den Mac wie ein Mensch mit Mauszeiger bedient. Der Bildschirm wird also nicht übernommen, andere Fenster bleiben sichtbar.
Der praktische Vorteil: Weil nur das simulierte Gerät angesprochen wird, kommt das Fenster ohne die macOS-Berechtigungen für Bedienungshilfen und Bildschirmaufnahme aus, die eine echte Bildschirmsteuerung verlangt. Über die Kommandozeile erreicht Claude Code den Simulator weiterhin auf dem alten Weg der Bildschirmsteuerung – der direkte Zugriff ist der Desktop-App vorbehalten.
macOS, Xcode und nur lokale Sitzungen
Die Simulator-Integration setzt Apples eigenes Werkzeug voraus, das die Desktop-App nicht mitbringt. Nötig sind macOS – unter Windows oder Linux läuft der iOS Simulator nicht – sowie eine Xcode-Installation mit eingerichteter iOS-Plattform, die die simulierten Geräte bereitstellt. Das Fenster funktioniert ausschließlich in lokalen Sitzungen; in Cloud- und SSH-Sitzungen läuft Claude Code auf einer entfernten Maschine, die die Simulatoren auf dem Mac nicht erreicht.
Eine klare Grenze bleibt: Die Funktion arbeitet nur mit Simulatoren, nicht mit echter Hardware. Ein physisches iPhone oder iPad lässt sich so nicht ansteuern – dafür müssen Entwickler die App weiterhin aus Xcode heraus auf dem Gerät starten und das Ergebnis beschreiben oder als Screenshot in die Unterhaltung geben.
Screenshots gehen an Anthropic
Vor dem ersten Zugriff auf ein simuliertes Gerät fragt die Desktop-App nach Zustimmung; diese gilt einmalig pro Gerät und deckt sowohl die Steuerung als auch das Anfertigen von Screenshots ab. Diese Screenshots werden an Anthropic übertragen und gemäß den üblichen Aufbewahrungseinstellungen der Unterhaltung gespeichert. Anthropic rät deshalb ausdrücklich davon ab, sich auf einem Gerät, das der Assistent nutzt, mit echten Konten anzumelden.
Zwei Aktionen richten sich nicht nach der einmaligen Zustimmung, sondern nach dem gewählten Berechtigungsmodus der Sitzung: das Öffnen einer URL auf dem Gerät, weil darüber Daten das Gerät verlassen können, und das Bauen der App, weil dabei projekteigene Skripte auf dem Mac laufen. Der Simulator-Zugriff lässt sich in den Einstellungen abschalten; Organisationen können ihn über eine verwaltete Einstellung oder eine Richtlinie für isolierte virtuelle Maschinen komplett sperren.
Zwei Wege, wie KI in die iOS-Entwicklung kommt
Apple und die Modellanbieter nähern sich der KI-gestützten App-Entwicklung von zwei Seiten. Apple bettet die Modelle in Xcode selbst ein: Seit Xcode 26 lassen sich ChatGPT und Claude sowie eigene oder lokale Modelle direkt im Editor nutzen, mit Xcode 26.3 kamen agentische Assistenten hinzu, die den Code über Apples eingebauten Schnittstellen-Server bearbeiten. Die parallele Öffnung für externe Werkzeuge steht Anthropic mit diesem Update gegenüber – hier sitzt die KI außerhalb von Xcode und ergänzt das Bild um eine sichtbare Test- und Prüfschleife im Simulator.
Für den Moment bleibt die Funktion eine öffentliche Beta, gebunden an macOS und eine Xcode-Installation und auf Simulatoren beschränkt. Der bemerkenswerte Teil ist weniger, dass ein Modell Code schreibt – das können viele Werkzeuge -, sondern dass es das laufende Ergebnis selbst ansieht und daraus weiterarbeitet. Anthropic baut damit seine Werkzeuge rund um konkrete Arbeitsabläufe weiter aus, nachdem zuletzt bereits Claude Cowork auf iPhone, iPad und ins Web gekommen ist. (Bild: Anthropic)
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