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App Store: Neue Apps verdoppeln sich, Downloads stagnieren

by Milan
21. Juli 2026 - 00:45
in Apple News
Apple App Store

Bild: Shutterstock / tadamichi

In der ersten Jahreshälfte 2026 sind fast so viele neue Apps im App Store erschienen wie im gesamten Vorjahr. Angetrieben wird der Ansturm von KI-gestütztem Vibecoding – doch bei den Downloads kommt davon kaum etwas an.

Der App Store wächst so schnell wie lange nicht, allerdings fast ausschließlich in die Breite. Nach Daten der Analysefirma Sensor Tower, die die New York Times ausgewertet hat, hat sich die Zahl neuer App-Veröffentlichungen im ersten Halbjahr 2026 auf rund 560.000 verdoppelt. Im gesamten Jahr 2025 waren es etwa 600.000 – ein Zuwachs von 30 Prozent, der sich schon damals mit dem Boom KI-gestützter Programmierwerkzeuge erklären ließ. Was im Frühjahr als deutlicher Anstieg begann, hat sich seither noch einmal beschleunigt.

Ein halbes Jahr fast auf Vorjahresniveau

Die Größenordnung wird im direkten Vergleich deutlich: Was 2025 über zwölf Monate zusammenkam, erreicht der App Store 2026 nun schon in sechs. Rund 560.000 neue Apps in einem halben Jahr bedeuten eine Verdopplung gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres – und liegen nur knapp unter dem kompletten Jahresergebnis 2025.

Der Treiber dahinter ist kein klassisches Entwicklerwachstum, sondern eine gesunkene Einstiegshürde. Programmieren per KI-Assistenz, oft als Vibecoding bezeichnet, erlaubt es auch Menschen ohne Programmiererfahrung, eine funktionierende App zu bauen und einzureichen. Aus einer Fähigkeit, die früher Wochen oder Monate Lernaufwand voraussetzte, ist ein Prozess von wenigen Tagen geworden.

Vibecoding senkt die Einstiegshürde

Wie niedrig diese Hürde inzwischen liegt, zeigen die in dem Bericht genannten Beispiele. Ein Software-Entwickler aus Chicago, der zuvor nie eine mobile App gebaut hatte, brachte nach rund einer Woche Arbeit eine Scrapbooking-App namens Stampa heraus, die Fotos in digitale Briefmarken verwandelt. Sie wurde etwa 20.000 Mal geladen und warf rund 3.000 US-Dollar Gewinn ab. Ein anderer Entwickler veröffentlichte innerhalb von fünf Monaten elf Nischen-Apps und betrachtet das Ganze eher als Hobby denn als Geschäftsmodell.

Genau diese Mischung prägt die aktuelle Welle: viele kleine, schnell gebaute Apps von Einzelpersonen, die den Store nebenbei mit Inhalten füllen. Ein Massenphänomen mit wirtschaftlich meist überschaubaren Einzelergebnissen.

Wenn mehr Apps nicht mehr Downloads bedeuten

Auf der Nutzerseite spiegelt sich der Ansturm bislang nicht wider. Die Zahl der Downloads legte im ersten Halbjahr 2026 laut Sensor Tower nur um zwei Prozent auf 17,6 Milliarden zu – ein Tempo, das dem Vorjahr entspricht, als die Downloads über das gesamte Jahr um drei Prozent auf 35,4 Milliarden stiegen. Während sich das Angebot verdoppelt, bleibt die Nachfrage praktisch konstant.

Diese Schere ist die eigentliche Nachricht. Mehr Apps bedeuten nicht automatisch mehr Nutzung, sondern zunächst mehr Konkurrenz um dieselbe Aufmerksamkeit. Für einzelne Entwickler wird es damit schwerer, überhaupt gefunden zu werden, und für den App Store wächst der Druck, aus einer immer größeren Masse die relevanten Titel nach oben zu sortieren. Ein florierender Katalog ist nicht dasselbe wie ein florierender Marktplatz.

Apple zwischen Boom und Qualitätskontrolle

Für Apple ist der Zuwachs ein zweischneidiges Ergebnis. Einerseits bestätigt er die Attraktivität der Plattform, andererseits belastet die Flut an Einreichungen den Prüfprozess. Laut Apple werden weiterhin 90 Prozent aller Einreichungen innerhalb von 48 Stunden geprüft, und das Unternehmen begrüßt ausdrücklich, dass eine neue Entwicklergeneration schneller als je zuvor Apps veröffentlicht. Zugleich betont Apple, dass für alle Apps dieselben Anforderungen an Qualität, Datenschutz und Sicherheit gelten – unabhängig davon, ob sie klassisch oder per KI entstanden sind.

Dass hinter dieser Betonung ein realer Handlungsdruck steht, zeigt der bisherige Kurs. Apple prüft KI-generierte Apps bereits gezielter und hat die App-Store-Regeln für minderwertige und geklonte Apps verschärft, sodass solche Titel künftig auch nachträglich entfernt werden können. Der Boom liefert damit zugleich die Begründung für strengere Filter.

Wachstum in die Breite, nicht in die Tiefe

Der App Store steht 2026 vor einer ungewohnten Situation: So viele neue Apps wie nie treffen auf eine kaum wachsende Nutzerschaft. Solange Vibecoding weiter an Reichweite gewinnt, dürfte sich die Schere zwischen Angebot und Nachfrage eher weiter öffnen. Die entscheidende Frage ist damit weniger, wie viele Apps entstehen, sondern ob Apple es schafft, aus dieser Masse die wirklich nützlichen Titel sichtbar zu halten. (Bild: Shutterstock / tadamichi)

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