Apple und Intel haben sich auf eine vorläufige Vereinbarung geeinigt, nach der Intel künftig einen Teil der Chips für Apple-Geräte fertigen soll. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf eingeweihte Quellen. Welche Produkte konkret betroffen sind, ist noch offen. Die seit über einem Jahr laufenden Gespräche wurden in den vergangenen Monaten zu einer formellen Übereinkunft geführt – mit politischer Rückendeckung aus dem Weißen Haus.
Apple steht kurz vor einem der grundlegendsten Umbauten seiner Lieferkette seit dem Wechsel zu Apple Silicon. Nach Monaten widersprüchlicher Berichte hat sich der Konzern offenbar konkret für eine Diversifikation seiner Chipfertigung entschieden – und damit jene Strategie konkretisiert, die Analyst Ming-Chi Kuo bereits Ende 2025 mit der möglichen Verlagerung von Teilen der Chipfertigung zu Intel skizziert hatte. Aus einer Spekulation wird damit eine Vereinbarung mit echter Tragweite für iPhone, iPad und Mac.
Eine Vereinbarung mit politischem Schub
Robbie Whelan und Rolfe Winkler vom Wall Street Journal berichten, dass Apple und Intel eine vorläufige Übereinkunft geschlossen haben. Demnach soll Intel einen Teil der Chips für Apple-Geräte produzieren. Welche Produkte konkret in Frage kommen, lassen die Quellen offen – Apple liefert pro Jahr mehr als 200 Millionen iPhones aus, dazu kommen Millionen iPads und Macs.
Bemerkenswert ist die politische Komponente: Laut WSJ-Bericht hat US-Präsident Donald Trump bei einem Treffen im Weißen Haus persönlich für Intel als Apple-Partner geworben. Intel ist inzwischen teilweise im Besitz der US-Regierung, und die Trump-Administration arbeitet aktiv daran, dem angeschlagenen Halbleiterkonzern neue Großaufträge zu vermitteln.
Wie der Deal sich in Apples Strategie einfügt
Apples Bewegung in Richtung Intel ist nicht spontan, sondern Ergebnis einer monatelangen strategischen Neuausrichtung. Anfang Mai hatte Bloomberg berichtet, dass Apple parallel mit Intel und Samsung über Fertigungspartnerschaften spricht, um die fast vollständige Abhängigkeit von TSMC zu reduzieren. Jetzt liegt zumindest eine der beiden Vereinbarungen offiziell vor.
Der Hintergrund ist vielschichtig. Apple hat seine über zehn Jahre gehaltene Spitzenposition als größter TSMC-Kunde an Nvidia verloren, das im KI-Boom enorme Kapazitäten an modernsten Fertigungsknoten beansprucht. Zugleich nehmen die geopolitischen Risiken rund um TSMCs Standort Taiwan zu. Eine zweite, in den USA ansässige Fertigungsoption ist für Apple deshalb mehr als ein Backup – sie ist eine strategische Notwendigkeit.
Mac und iPad als wahrscheinlicher Einstiegspunkt
Frühere Berichte deuten darauf hin, dass Intel zunächst Chips für Mac und iPad produzieren könnte, bevor die Zusammenarbeit auf das iPhone ausgeweitet wird. Ming-Chi Kuo hatte eine Aufnahme der Fertigung für M-Klasse-Chips ab 2027 in Aussicht gestellt, im Fokus stehen dabei Apples Mac- und iPad-Linien. Analyst Jeff Pu erweiterte das Szenario im Dezember 2025 um eine mögliche iPhone-Beteiligung ab 2028.
Damit wäre eine zeitlich gestaffelte Einführung wahrscheinlich: Erst weniger zeitkritische Mac- und iPad-Chips, später – sobald Intels Foundry-Sparte ihre Zuverlässigkeit bewiesen hat – auch die hochsensiblen iPhone-Prozessoren. Apple bleibt in jedem Szenario der Designer der Chips; Intel würde lediglich Fertigungskapazitäten beisteuern.
Was Intel von dem Deal hat
Für Intel ist der Apple-Auftrag potenziell ein Wendepunkt. Die Foundry-Sparte des Konzerns kämpft seit Jahren darum, technologisch zu TSMC und Samsung aufzuschließen. Ein Großkunde wie Apple wäre nicht nur ein wirtschaftlicher Gewinn, sondern auch ein deutlich sichtbarer Vertrauensbeweis.
Hinzu kommt der politische Rückenwind. Mit der Beteiligung der US-Regierung an Intel und dem persönlichen Engagement der Trump-Administration für neue Großaufträge entsteht ein industriepolitisches Konstrukt, das über die reine Geschäftsbeziehung hinausgeht. Apples Reputation in Washington dürfte durch den Deal spürbar profitieren – ein Aspekt, der angesichts der laufenden Diskussionen um Zölle, Lieferketten und KI-Regulierung nicht zu unterschätzen ist.
Das Ende der monogamen TSMC-Ära
Der Apple-Intel-Deal ist mehr als eine Lieferketten-Anpassung. Er markiert das Ende einer Ära, in der Apple seine Chipfertigung praktisch monogam an einen einzigen Partner gebunden hatte. Selbst wenn TSMC weiterhin den größten Teil der Produktion übernimmt, verschiebt sich das Machtgefüge spürbar.
Aus unserer Sicht zeigt der Deal vor allem dreierlei: Erstens ist Apples Abhängigkeit von TSMC offenbar so groß geworden, dass selbst ein technologisch nicht ganz auf Augenhöhe agierender Partner wie Intel akzeptabel erscheint. Zweitens fließen geopolitische Erwägungen heute direkter in Apples strategische Entscheidungen ein als noch vor wenigen Jahren. Und drittens wird die US-Regierung zu einem aktiven Stakeholder in einem Bereich, in dem Apple bisher weitgehend autonom entschieden hat. Sollte Intel die in den Apple-Verträgen geforderte Qualität liefern können, dürfte sich die globale Halbleiterlandschaft in den kommenden fünf Jahren spürbar verändern.
Konkrete Details folgen in den kommenden Monaten
Konkrete Details zu Volumen, Zeitplan und betroffenen Produkten sollen laut WSJ in den kommenden Monaten folgen. Wenn Apple tatsächlich plant, Intel-gefertigte Chips bereits in Geräten des Jahres 2027 einzusetzen, dürften erste Spezifika nicht lange auf sich warten lassen. Bis dahin bleibt offen, ob die Zusammenarbeit zunächst auf Einstiegschips der M-Serie beschränkt bleibt – oder ob Apple direkt auch leistungsfähigere Varianten in Intels Fertigungsstraßen wandern lässt.
Klar ist nur: Das Zeitalter der monolithischen Apple-TSMC-Beziehung neigt sich dem Ende zu. Was als vorläufige Vereinbarung beginnt, könnte sich in den kommenden Jahren zu einer der prägendsten Lieferkettenentscheidungen in Apples jüngerer Geschichte entwickeln. (Bild: Shutterstock / asharkyu)
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