Zwei Tage vor der iPhone-Vorstellung meldet sich ein Analystenhaus mit einer ungewöhnlich pessimistischen Rechnung. KeyBanc Capital Markets hält das Event für einen negativen Auslöser – und beziffert das Kursziel so niedrig wie kein anderes Haus in diesem Jahr.
Am Mittwoch, dem 9. September, zeigt Apple das iPhone 18 Pro, das iPhone 18 Pro Max und erstmals ein faltbares Modell. Was Käufer erwartet, steht in der Übersicht zum Apple Event am 9. September. Für Anleger stellt sich die Sache anders dar: KeyBanc Capital Markets beschreibt in einer Analystennotiz, die Investing.com vorlag, warum ausgerechnet dieser Termin die Aktie belasten könnte. Die Notiz wurde am 6. September veröffentlicht.
Das Wichtigste in Kürze
- KeyBanc bewertet Apple mit „Underweight“ und einem Kursziel von 250 US-Dollar
- Das ist der niedrigste Wert unter allen Kurszielen, die wir in diesem Jahr verzeichnet haben
- Das Haus erwartet rund 80 Millionen gebaute iPhones über zwei Quartale, nach etwa 91 Millionen im Vorjahreszeitraum
- Für das iPhone 18 Pro rechnet KeyBanc mit einem Aufschlag von 150 Dollar, für das Pro Max mit 200 Dollar
- Alle genannten Zahlen sind Dollar-Prognosen und sagen nichts über die Preise im deutschsprachigen Raum
Zwei Wege, die beide Kritik einbringen
Der Kern der Argumentation ist ein Dilemma. Apple steht laut KeyBanc unter Druck bei der Bruttomarge und hat zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Der eine Weg wäre eine breite Preiserhöhung über die Modellpalette hinweg. Sie würde die Marge stützen, aber die Stückzahlen drücken und einen Preisschock beim Publikum auslösen.
Der andere Weg wäre eine selektive Anhebung nur bei einzelnen Modellen. Das schont die Nachfrage, lenkt nach dieser Lesart aber den Blick verstärkt auf die Margen – und lässt die Frage offen, ob weitere Erhöhungen später folgen.
Beide Varianten geben Anlegern demnach etwas zu bemängeln. Genau darin sieht das Haus das Risiko für den Kurs rund um den Termin.
Underweight und ein Kursziel von 250 Dollar
KeyBanc bestätigt die Einstufung „Underweight“ und ein Kursziel von 250 US-Dollar. In der Notiz selbst ist ein Aktienkurs von 324,96 Dollar vermerkt. Zwischen beiden Werten liegen rund 23 Prozent – das Haus erwartet also einen deutlichen Rückgang, nicht nur eine Delle um das Event herum.
Im Vergleich mit den übrigen Häusern, die wir seit Jahresbeginn verzeichnet haben, ist das ein Ausreißer nach unten:
| Analystenhaus | Kursziel | Stand |
|---|---|---|
| KeyBanc | 250 US-Dollar | September |
| Jefferies | 263,66 US-Dollar | August |
| JP Morgan | 340 US-Dollar | Juli |
| Morgan Stanley | 360 US-Dollar | Juli |
| Redburn | 400 US-Dollar | August |
Den bisherigen Tiefstwert hielt Jefferies mit 263,66 Dollar, das obere Ende markiert Redburn mit 400 Dollar. Die Spanne zwischen den Häusern beträgt damit 150 Dollar – bei derselben Aktie und weitgehend derselben Faktenlage.
Weniger Einheiten, höherer Durchschnittspreis
KeyBanc rechnet für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 und das erste Quartal 2027 zusammen mit rund 80 Millionen gebauten iPhones der 18er-Reihe. Im Vorjahreszeitraum waren es etwa 91 Millionen. Das entspricht einem Rückgang von gut zwölf Prozent oder elf Millionen Geräten.
Als Hauptgrund nennt das Haus nicht die Nachfrage, sondern den Produktzyklus: Ein Basismodell iPhone 18 fehlt in dieser Phase schlicht. Höhere Preise und ein wertigerer Modellmix sollen die geringeren Stückzahlen teilweise auffangen.
Konkret modelliert KeyBanc einen Aufschlag von 150 Dollar beim iPhone 18 Pro auf 1.249 Dollar, 200 Dollar beim Pro Max auf 1.399 Dollar und einen Einstiegspreis von 2.199 Dollar für das faltbare iPhone Ultra. Diese Werte fügen sich in die bereits kursierenden Preisszenarien vor der Keynote ein.
Das Muster um iPhone-Ankündigungen
Ein Teil der Warnung stützt sich auf Statistik statt auf Prognose. Nach KeyBancs Auswertung verlor die Apple-Aktie am Tag einer iPhone-Ankündigung in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt 0,72 Prozent. Fünf Handelstage später lag das Minus im Mittel bei 1,22 Prozent.
Das sind moderate Bewegungen, und ein Durchschnitt über fünf Jahre sagt nichts über einen einzelnen Termin. Ein vergleichbares Muster gab es zuletzt aber auch außerhalb der iPhone-Saison, als die Aktie nach der WWDC nachgab – dort mit deutlich optimistischeren Analystenstimmen im Anschluss.
Warum die Dollar-Aufschläge hier nichts beweisen
Sämtliche genannten Preise sind US-Dollar-Modellrechnungen ohne Steuern. Apple legt die Preise für den deutschsprachigen Raum eigenständig fest, und dazwischen stehen Mehrwertsteuer und Wechselkurs. Ein Aufschlag von 150 Dollar in den USA lässt sich deshalb nicht in einen Eurobetrag übersetzen – und ob er hier überhaupt in dieser Höhe ankommt, ist eine zweite Frage.
Sicher ist nur der Termin: Die Keynote beginnt um 10 Uhr Ortszeit an der US-Westküste, das ist 19 Uhr MESZ. Wer sie live verfolgen will, findet die Wege dazu in unserer Anleitung zum Stream. Die deutschen Preise stehen unmittelbar danach im Apple Store.
Ein Ausreißer, der trotzdem etwas zeigt
Ein einzelnes Kursziel am unteren Rand einer Spanne von 150 Dollar ist für sich genommen wenig aussagekräftig – zumal dieselbe Faktenlage andere Häuser zu doppelt so optimistischen Werten führt. Interessant ist die Notiz aus einem anderen Grund: Sie beschreibt ein Dilemma, das unabhängig von der Kursmeinung existiert.
Apple hat die Speicher- und Fertigungskosten nicht im Griff, und beide Auswege aus der Margenklemme haben einen Preis. Für dich als Käufer ist die Frage damit nicht, ob es teurer wird, sondern an welcher Stelle – bei allen Modellen oder gezielt beim Spitzenmodell. Die Antwort darauf liefert die Keynote am Mittwoch, und sie ist die eigentlich relevante Information, nicht der Kursverlauf am Tag danach.
Rechnest du damit, dass Apple breit an der Preisschraube dreht – oder trifft es gezielt nur das faltbare Modell, während Pro und Pro Max weitgehend stabil bleiben? Schreib uns deine Erwartung für Mittwoch in die Kommentare.













