Zwei Tage vor der Keynote taucht in den Betas von iOS 27 eine Reihe von Kamerafunktionen auf, die Apple bislang nirgends gezeigt hat. Vier davon sind reine Software, eine deutet auf Hardware hin, die es noch nicht gibt. Zugänglich ist bislang keine einzige.
Ein Nutzer hat die aktuellen Betas von iOS 27 durchsucht und dabei fünf bislang unbekannte Funktionen der Kamera-App gefunden. Die Ergebnisse hat er im MacRumors-Forum dokumentiert. Es handelt sich um Code in einer ausgelieferten Beta, nicht um eine Ankündigung – was davon tatsächlich erscheint, entscheidet Apple. Der Fund reiht sich in eine Serie von Entdeckungen ein, die den Stand von iOS 27 kurz vor dem Release zunehmend genauer beschreiben.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Code nennt Belichtungsscopes, Focus Peaking, einen Serien-Selbstauslöser, manuellen Fokus und eine blendenabhängige Bildkorrektur
- Keine der fünf Funktionen lässt sich in den aktuellen Betas aufrufen
- Der manuelle Fokus ist im Code auf Geräte beschränkt, die ab Werk mit iOS 27 ausgeliefert werden
- Die Blendenkorrektur passt zur erwarteten variablen Blende, sagt aber nichts darüber, welches Modell sie bekommt
- Vier der fünf Funktionen könnten grundsätzlich auch auf älteren iPhones landen
Was im Code steht
| Funktion | Was sie leisten soll |
|---|---|
| Belichtungsscopes | Wellenform oder Histogramm zur Beurteilung der Belichtung während der Aufnahme |
| Focus Peaking | Farbige Markierung der Kanten, die scharf abgebildet werden |
| Überbelichtungswarnung | Markierung zu heller Bereiche per Vollfarbe, Pulsieren, Diagonalstreifen oder Schachbrettmuster |
| Serien-Selbstauslöser | Mehrere Aufnahmen nacheinander, der Countdown startet sofort neu |
| Manueller Fokus | Fokus von Hand setzen und sperren statt Autofokus |
| Blendenabhängige Korrektur | Objektivkorrektur passt sich der eingestellten Blende an |
Werkzeuge aus der Kameratechnik
Die ersten drei Funktionen sind in der professionellen Foto- und Videotechnik seit Jahren Standard, in der iPhone-Kamera-App bisher aber nicht vorgesehen. Ein Histogramm zeigt, wie viel des Bildes zu dunkel oder zu hell ist; eine Wellenform stellt dieselbe Information dar, ordnet sie aber der Position im Bild zu. Focus Peaking zeichnet farbige Konturen um alles, was in der Schärfeebene liegt.
Die Überbelichtungswarnung ist ausdrücklich in mehreren Darstellungsarten angelegt. Dass Apple gleich vier Varianten vorsieht, spricht für eine ausgearbeitete Funktion und nicht für einen beiläufigen Test.
Serienaufnahmen mit Selbstauslöser
Der Selbstauslöser soll künftig mehrere Bilder hintereinander aufnehmen können. Entscheidend ist ein Detail im Ablauf: Der Countdown beginnt unmittelbar nach der Aufnahme erneut, ohne auf das Speichern des vorherigen Bildes zu warten. Für Gruppenaufnahmen, bei denen jemand mit auf das Bild soll, ist das der praktisch relevanteste der fünf Funde.
Der manuelle Fokus deutet auf neue Hardware
Hier wird es interessant, weil sich der Verlauf nachvollziehen lässt. Eine Version dieser Funktion existierte bereits in iOS 26 als Schieberegler. In der ersten Beta von iOS 27 wurde der Regler entfernt – der zugrunde liegende Code für das Sperren des Fokus blieb jedoch erhalten.
Der Unterschied liegt in einer Beschränkung: Laut dem Fund ist die Funktion auf Geräte begrenzt, die ab Werk mit iOS 27 ausgeliefert werden. Auf keinem aktuellen iPhone lässt sie sich damit nutzen, selbst nach dem Update nicht. Das ist der deutlichste Hardware-Hinweis des gesamten Fundes und legt nahe, dass Apple die Funktion für die kommende Generation reserviert.
Was die Blendenkorrektur offenlässt
Der fünfte Fund betrifft die Bildverarbeitung: iOS 27 kann Objektivkorrekturen abhängig von der eingestellten Blende anpassen und dabei zwischen bis zu vier Referenzpunkten überblenden. Eine solche Korrektur ergibt nur Sinn, wenn sich die Blende überhaupt verstellen lässt – und genau das wird für die kommenden Pro-Modelle erwartet.
Was der Code nicht beantwortet, ist die Frage, die im Vorfeld am meisten diskutiert wurde: ob beide Pro-Modelle die variable Blende bekommen oder nur das größere. Aus dem chinesischen Leaker-Umfeld heißt es seit Mitte August, die Mechanik brauche Bauraum, den das kleinere Gehäuse nicht hergebe; frühere Berichte hatten beide Modelle genannt. Der aktuelle Stand dieser Debatte steht in unserer Übersicht zum iPhone 18 Pro.
Die Softwareseite hilft bei dieser Frage nicht weiter. Eine blendenabhängige Korrektur sähe im Code identisch aus, egal ob ein Modell oder zwei die Hardware bekommen – sie belegt nur, dass Apple mit variabler Blende rechnet. Wer aus dem Fund ableitet, dass beide Pro-Modelle sie erhalten, überdehnt den Befund.
Zwei Tage bis zur Auflösung
Für die Bewertung ist ein Punkt zentral: Keine der fünf Funktionen ist in den aktuellen Betas erreichbar. Apple kann sie zur Vorstellung freischalten, in ein späteres Update verschieben oder ganz streichen – Letzteres ist bei Funden dieser Art keine Seltenheit, wie der verschwundene Fokusregler aus iOS 26 zeigt.
Unsere Erwartung: Die drei Beurteilungswerkzeuge und der Serien-Selbstauslöser dürften auch auf älteren iPhones ankommen, weil sie keine spezielle Hardware brauchen. Beim manuellen Fokus spricht die Geräteeinschränkung im Code dagegen. Das ist eine Einschätzung der Quellenlage, keine Ankündigung – am Mittwoch um 19 Uhr MESZ lässt sie sich überprüfen.
Welche der fünf Funktionen würde deinen Alltag beim Fotografieren tatsächlich verändern – oder sind Histogramm und Focus Peaking auf einem Telefon Spielerei? Widersprich uns gern in den Kommentaren.













