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Face ID: BASF-Tochter verklagt Apple in Texas

Milan Jovicic by Milan Jovicic
8. September 2026 - 05:09 CEST
in Apple News, iPhone News, Gerüchte und Tipps
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Face ID Klage: iPhone zeigt den Einrichtungsbildschirm von Face ID

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Ein Unternehmen aus Ludwigshafen wirft Apple vor, die Gesichtserkennung im iPhone mit fremder Technik abgesichert zu haben. Die Klage nennt sieben Patente, 14 iPhone-Modelle und sechs iPad-Pro-Varianten – und sie wurde sechs Tage vor Apples September-Keynote eingereicht.

Am 3. September 2026 ist beim US-Bezirksgericht für den Western District of Texas eine Patentklage gegen Apple eingegangen. Klägerinnen sind die trinamiX GmbH aus Ludwigshafen am Rhein und deren US-Tochter trinamiX Sensing LLC. Der Vorwurf betrifft nicht Face ID als solches, sondern eine bestimmte Fähigkeit der neueren Fassungen: die Unterscheidung zwischen echter Haut und Material, das nur wie Haut aussieht. Genau an dieser Stelle setzt auch Apples eigene Entwicklungsarbeit an, denn die Gesichtserkennung soll perspektivisch unter das Display wandern und dabei ihre Sicherheitseigenschaften behalten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die trinamiX GmbH, eine hundertprozentige Tochter der BASF SE mit Sitz in Ludwigshafen, hat Apple am 3. September 2026 wegen sieben US-Patenten verklagt. Das Verfahren läuft unter dem Aktenzeichen 7:26-cv-00348.
  • Es geht um optische Hauterkennung beim Entsperren per Gesicht – eine Schutzschicht gegen Masken, Fotos und Silikonnachbildungen.
  • Alle sieben Patente wurden zwischen dem 29. April 2025 und dem 20. Januar 2026 erteilt, also innerhalb von neun Monaten.
  • Die Liste der beanstandeten Geräte beginnt beim iPhone 15 und reicht bis zum iPhone Air. Die Urfassung von Face ID aus dem iPhone X nimmt die Klageschrift ausdrücklich aus.
  • trinamiX verlangt Schadenersatz und ein Verkaufs- und Einfuhrverbot – beides beschränkt auf die Vereinigten Staaten.

Sieben Patente aus zwei Familien

Die Klage stützt sich auf zwei Patentfamilien. Vier Schutzrechte tragen den Titel „Optical skin detection for face unlock”, drei weitere „Detector for identifying at least one material property”. Auffällig ist ihr Alter: Kein einziges davon war vor Frühjahr 2025 erteilt.

PatentnummerTitelErteilt am
US 12.288.421Optical skin detection for face unlock29.04.2025
US 12.298.394Detector for identifying at least one material property13.05.2025
US 12.332.352Detector for identifying at least one material property17.06.2025
US 12.361.760Optical skin detection for face unlock15.07.2025
US 12.456.334Optical skin detection for face unlock28.10.2025
US 12.461.238Detector for identifying at least one material property04.11.2025
US 12.530.925Optical skin detection for face unlock20.01.2026

Die Wurzeln reichen weiter zurück, als die Erteilungsdaten vermuten lassen. Beide Familien beanspruchen Priorität aus europäischen Patentanmeldungen – die eine vom 15. März 2019, die andere vom 18. Februar 2021. Der US-Schutz ist also die jüngste Etappe einer Entwicklung, die in Deutschland begann.

Wie die Technik funktionieren soll

trinamiX beschreibt in der Klageschrift vom 3. September 2026 ein Verfahren, das die Firma Beam Profile Analysis nennt und 2016 und 2017 entwickelt haben will. Ein Lichtmuster wird auf eine Szene projiziert, und aus der Art, wie das Licht zurückgeworfen wird, lassen sich Eigenschaften der Oberfläche ableiten.

Kombiniert mit einer dreidimensionalen Tiefenmessung soll das System zwei Dinge gleichzeitig prüfen: ob überhaupt ein Gesicht vor dem Gerät ist, und ob dessen Oberfläche menschliche Haut ist. Nach Angaben des Unternehmens hat die Technik Zertifizierungen des FIDO-Programms, der chinesischen IIFAA sowie den Android Biometric Security Test durchlaufen, jeweils ohne dass ein Täuschungsversuch akzeptiert wurde.

Der Ausgangspunkt liegt noch früher. Um 2010 stießen BASF-Forscher bei der Arbeit an organischen Solarzellen auf einen Materialeffekt, der sich für Abstandsmessung und 3D-Erfassung nutzen ließ. Aus dieser Beobachtung entstand das Unternehmen: rechtlich gegründet am 16. Dezember 2014, operativ gestartet 2015. Beide Jahreszahlen kursieren in Beschreibungen der Firma, und die Klageschrift löst den scheinbaren Widerspruch auf. Heute hält trinamiX nach eigenen Angaben mehr als 800 erteilte und angemeldete Patente weltweit.

Warum die Klage beim iPhone 15 einsetzt

Für die Frage, was Apple wann eingebaut hat, ist ein Absatz der Klageschrift der interessanteste. trinamiX erklärt dort selbst, die ursprüngliche Fassung von Face ID aus dem iPhone X habe die patentierte Technik nicht enthalten und über keine Material- und Hauterkennung verfügt. Als Beleg führt das Unternehmen die Berichte von Ende 2017 an, in denen Sicherheitsforscher die Gesichtserkennung mit einer Maske aus 3D-Druckrahmen, handmodellierter Silikonnase und aufgeklebten Fotos überlisteten.

Die Aufzählung der beanstandeten Produkte beginnt entsprechend nicht 2017, sondern beim iPhone 15 aus dem September 2023. Genannt werden 14 iPhone-Modelle bis hinauf zum iPhone Air sowie sechs iPad-Pro-Varianten, dazu die Formel „weitere verletzende iPhone- und iPad-Modelle”. Welche Geräte damit gemeint sind, führt die Klageschrift nicht aus – der Zusatz hält die Tür für Modelle offen, die noch gar nicht verkauft werden. Apple stellt in dieser Woche die nächste iPhone-Generation vor; was dort an Sensorik steckt, ist bislang nur aus Gerüchten und Zulieferberichten bekannt.

Als Beispielgerät zieht die Klage durchgehend das iPhone 17 heran. Für jedes der sieben Patente liegt eine eigene Gegenüberstellung bei, die zeigen soll, dass dieses Modell sämtliche Merkmale des jeweiligen Hauptanspruchs erfüllt. Die Aufstellungen beruhen nach eigener Angabe auf öffentlich zugänglichen Informationen.

Der Gerichtsstand ist kein Zufall

Eingereicht wurde die Klage in der Midland/Odessa-Abteilung des Western District of Texas, zuständig ist Bezirksrichter David Counts. Der Bezirk gilt seit Jahren als bevorzugte Adresse für Patentverfahren, weil dort schnell verhandelt wird.

Die Klageschrift begründet die Zuständigkeit ausführlich und mit Zahlen, die beide Seiten in Texas verankern. Apple beschäftigt in Austin über 5.000 Menschen und unterhält dort nach eigener Darstellung des Klägers den größten Unternehmensstandort außerhalb Cupertinos; auch die Laser und Bildsensoren für Face ID sollen zum Teil von Partnern in Texas stammen. Und trinamiX selbst ist vor Ort: Die US-Tochter in Austin beschäftigte im August 2026 zwölf Vollzeitkräfte, was nach Angaben des Unternehmens etwa einem Drittel des weltweiten Personals im Biometriegeschäft entspricht.

Ein Punkt fehlt dagegen auffällig. trinamiX schreibt, Apple habe spätestens mit der Zustellung dieser Klage Kenntnis von den Schutzrechten – hilfsweise sei das Unternehmen zuvor „willentlich blind” gewesen. Ein früheres Lizenzangebot, eine Abmahnung oder ein gescheitertes Gespräch taucht in dem Dokument nicht auf. Für die Frage, ob eine Verletzung vorsätzlich erfolgte und der Schadenersatz entsprechend höher ausfällt, ist das ein wesentlicher Unterschied.

Ein deutscher Kläger, ein rein amerikanisches Verfahren

Für iPhone-Besitzer hierzulande ist die praktische Folge überschaubar: keine. Das Verfahren stützt sich auf US-Patentrecht, und das beantragte Verbot bezieht sich ausdrücklich auf Herstellung, Verkauf, Angebot und Einfuhr in den Vereinigten Staaten. Ein europäisches Gegenstück gibt es bislang nicht – nach den Recherchen des Fachdiensts ip fray war trinamiX bisher weder vor US-Bezirksgerichten noch vor dem Einheitlichen Patentgericht in Patentverfahren aufgetreten.

Interessant bleibt der Fall trotzdem, und zwar wegen einer Information über dein eigenes Gerät, die Apple nie kommuniziert hat. Dass die Gesichtserkennung irgendwann eine Materialprüfung dazubekommen hat, stand in keiner Keynote und in keinem Sicherheitsdokument. Erst eine Klageschrift datiert diesen Umbau grob – und legt nahe, dass die Face-ID-Fassung im aktuellen iPhone technisch mehr leistet als die von 2017. Wie Apple biometrische Verfahren generell absichert, lässt sich am ehesten an der jüngsten Variante ablesen, dem Iris-Scan der Vision Pro.

Zu bedenken ist die Perspektive: Bislang liegt ausschließlich die Sicht der Klägerin vor. Ob die sieben Patente einer Prüfung standhalten und ob Apples Umsetzung tatsächlich unter ihre Ansprüche fällt, entscheidet sich erst im Verfahren. Patentklagen gegen Face ID hat es zudem schon mehrfach gegeben, unter anderem von CPC Patent Technologies und Carbyne Biometrics.

Ein Verfahren, das Jahre dauern dürfte

Beantragt ist ein Geschworenenprozess, und Verfahren dieser Größenordnung ziehen sich in West-Texas trotz des zügigen Rufs über Jahre. Bis dahin ändert sich an den verkauften Geräten nichts, weder in den USA noch sonstwo. Sollte es zu einer Einigung kommen, würde sie vermutlich als Lizenzvereinbarung enden und nie öffentlich beziffert.

Was hältst du davon, dass ausgerechnet ein Ableger eines Chemiekonzerns die Sicherheitstechnik im iPhone für sich reklamiert – überzeugt dich die Herleitung von der Solarzelle zur Gesichtserkennung, oder klingt das nach einem Schutzrecht, das erst im Nachhinein passend gemacht wurde? Widersprich uns gern in den Kommentaren.

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Tags: Face IDiPadiPhoneTechPatient
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Milan hat Apfelpatient 2016 gegründet und verantwortet seit 2018 sämtliche redaktionellen Inhalte – News, Gerüchte, Anleitungen und Produkttests. Apple-Geräte sind hier kein Testmaterial für zwei Wochen, sondern Alltagswerkzeug: Vom iPhone über MacBook Pro, MacBook Air und iMac bis zur Apple Vision Pro läuft aus fast jeder Produktkategorie mindestens ein Gerät im täglichen Einsatz, viele davon jährlich erneuert. Jeder Menüpfad in einer Anleitung wird am Gerät nachgeprüft, bevor er veröffentlicht wird.

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