Eugene Whang hat 22 Jahre im Hardware-Designteam von Apple gearbeitet und unter Jony Ive an Produkten wie iPod Nano, iPhone und AirPods mitgewirkt. In einem aktuellen Interview spricht er erstmals ausführlich über die Entwicklung der originalen AirPods Max – über hundertfach durchprobierte Varianten der Ohrpolster, drei parallele Konstruktionsschwerpunkte und die bewusste Entscheidung gegen ein Apple-Logo am Kopf.
Das Gespräch erschien im Magazin Highsnobiety und liefert seltene Einblicke in einen Prozess, den Apple sonst hinter verschlossenen Türen hält. Whang gehörte zum Designkreis um Jony Ive und folgte ihm später zu LoveFrom. Die AirPods Max waren eines seiner letzten großen Apple-Projekte. Da Apple zwischenzeitlich mit den AirPods Max 2 das erste umfassende Hardware-Update seit Marktstart eingeführt hat, bekommen Whangs Erinnerungen an die Entwicklung der ersten Generation einen aktuellen Kontext: Viele der damals getroffenen Designentscheidungen prägen bis heute das Produkt.
Fünf Jahre, drei Produkte in einem
Whang beschreibt die Entwicklung der AirPods Max als ungewöhnlich langwierig. Fünf Jahre lang habe das Team am Over-Ear-Modell gearbeitet, wobei intern faktisch drei Produkte parallel entstanden: Kopfbügel, Etui und Ohrpolster. Jede dieser Komponenten habe eigene Anforderungen gestellt, die sich nur eingeschränkt mit den anderen kombinieren ließen.
Besonders herausfordernd war laut Whang das Ohrpolster. Da Köpfe und Ohren in extrem unterschiedlichen Formen und Größen vorkommen, habe das Team „hunderte und aberhunderte Varianten“ durchprobiert. Die endgültige Form sei das Ergebnis dieses iterativen Prozesses gewesen – mit dem Anspruch, möglichst viele Kopfgeometrien gleichzeitig zu bedienen, ohne dass der Sitz auf Kosten der Akustik geht.
Kein Logo am Kopf
Ein Detail, das im Alltag selten auffällt, hebt Whang im Interview gezielt hervor: Auf der Außenseite der AirPods Max befindet sich kein Apple-Logo. Während fast alle anderen Apple-Produkte irgendwo sichtbar mit dem Apfel-Signet versehen sind, hat das Team bei den Over-Ear-Kopfhörern bewusst darauf verzichtet. Die Begründung: Man habe „den Kopf der Nutzer nicht branden wollen“.
Diese Entscheidung passt zu einem Designprinzip, das Whang im Interview ausführt: Form und Materialien stünden bei Apple-Industriedesignern am Ende eines Prozesses, nicht am Anfang. Entworfen werde von innen nach außen, mit ebenso viel Aufmerksamkeit für die Anordnung der Platine und interner Komponenten wie für die Außenhülle.
Wie Whang überhaupt zu Apple kam
Der Designer wuchs in Vancouver auf, war früh in Basketball, DJing und Rave-Kultur eingebettet und entdeckte über Filme wie Blade Runner sein Interesse an Industriedesign. Im Abschlussjahr seines Studiums suchte er sich gezielt einen Apple-Designer als Mentor – allerdings nicht Jony Ive selbst, weil dieser ihm zu beschäftigt erschien. Stattdessen wählte er aus einem Apple-Designer-Verzeichnis einen Namen aus, „der freundlich aussah“, riet die E-Mail-Adresse und rief schlicht bei der Apple-Hauptnummer an.
Aus dem Mentoring wurde eine Anstellung. Whang blieb mehr als zwei Jahrzehnte im Konzern. Parallel führte er ein zweites Leben in der Musikszene: Tagsüber in Cupertino an Toleranzen und Bauteilanordnungen, abends in Clubs hinter den Plattentellern. 2010 gründete er das Musiklabel Public Release, das sich an der Schnittstelle zwischen Underground- und Popkultur positionierte.
Apples interne Designkultur
Bemerkenswert sind Whangs Schilderungen der Arbeitsweise im Designteam. Sie sei weniger geprägt von Hierarchien als von strenger Disziplin. Stundenlang habe man sich um einen Tisch versammelt, jede Idee gleichberechtigt diskutiert, „ohne Egos“ und mit klarer Trennung zwischen Idee und Person. Kritik richte sich gegen den Entwurf, nie gegen den Kollegen.
Diese Direktheit habe das Team über Jahre zusammengehalten, gerade weil so viel auf jeder Entscheidung gelastet habe. Whang spricht von „so vielen Ressourcen, so viel Geld“ hinter jedem Produkt – und davon, dass selbst nach erfolgreichen Launches eine Art Verteidigungsmodus geblieben sei: die Frage, was man übersehen haben könnte.
Bezug zur aktuellen AirPods-Max-Generation
Whangs Schilderungen werfen ein Licht auf die Entscheidungen, die heute noch sichtbar sind. Beim Wechsel zur zweiten Generation hat Apple das Außendesign praktisch nicht angetastet, wie ein Teardown der AirPods Max 2 deutlich gezeigt hat. Bügel, Mesh-Kopfband, Ohrmuscheln und Gehäuse sind beim Nachfolger nahezu identisch geblieben. Verändert haben sich vor allem die inneren Komponenten und die Softwarefunktionen rund um den neuen H2-Chip.
Wer die genauen Unterschiede zwischen erster und zweiter Generation nachvollziehen will, findet sie in unserer Detail-Gegenüberstellung der beiden Modelle. Dass der äußere Entwurf so robust durch sechs Jahre Marktpräsenz trägt, deutet darauf hin, wie intensiv die ursprüngliche Entwicklungsphase tatsächlich war. Aktuell sind die AirPods Max 2 bei Amazon etwas günstiger erhältlich als zur regulären UVP.
Whangs Weg von Cupertino zu LoveFrom
Whang hat den Konzern inzwischen verlassen und folgte Jony Ive zu dessen neuer Designfirma LoveFrom. In Marin County hat er gemeinsam mit dem britischen Architekten John Pawson sein Wohnhaus renovieren lassen – im minimalistischen Stil, der seinen Apple-Wurzeln nahesteht. Den Konzern selbst beschreibt er im Rückblick als „Schule unter Jony Ive“, in der „Schönheit im Raum“ und „Abwesenheit von Dingen“ zentrale Werte gewesen seien.
Was vom AirPods-Max-Projekt bleibt
Whangs Schilderungen ordnen ein Produkt ein, das in der Apple-Geschichte eine besondere Position einnimmt. Die AirPods Max sind kein Massenprodukt im Sinne der AirPods Pro, sondern ein Nischenangebot mit einem festen Käuferkreis aus Musikern, Technik-Enthusiasten und Designaffinen. Dass die Außenform über drei Generationen hinweg unverändert geblieben ist, lässt sich auch als Ergebnis der fünfjährigen Findungsphase lesen, die Whang beschreibt. Was über hunderte Varianten gefunden wurde, lässt sich offenbar nicht so leicht überarbeiten – ein selten so klar formuliertes Zeugnis dafür, wie viel Arbeit in dem steckt, was im Regal selbstverständlich wirkt. (Bild: Shutterstock / TatianaKim)
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