Apple soll Vorgespräche über die amerikanischen Übertragungsrechte an The Open geführt haben. Der Ausrichter bestätigt das nicht und verweist auf seine bestehenden Partner. Für Zuschauer im deutschsprachigen Raum stünde ohnehin nichts zur Debatte.
Nach der Formel 1 sucht Apple offenbar die nächste Sportart. Einem Bericht der britischen Tageszeitung The Guardian zufolge soll der Konzern mit dem Ausrichter R&A über die US-Rechte am ältesten Golfturnier der Welt gesprochen haben. Die Meldung passt in ein Muster: Apple hat sich zuletzt die exklusive Formel-1-Übertragung für die Vereinigten Staaten gesichert, während Sky sich die europäischen Schlüsselmärkte vorzeitig verlängerte. Nach demselben Muster liefe auch ein Golf-Einstieg.
Das Wichtigste in Kürze
- Apple soll laut einem Zeitungsbericht Vorgespräche über die US-Rechte an The Open geführt haben.
- Auch Netflix und Amazon gelten als Interessenten für das Rechtepaket.
- Der Ausrichter R&A bestätigt Apple nicht namentlich und betont die Partnerschaft mit den bisherigen Sendern.
- Es ginge ausschließlich um den amerikanischen Markt – die deutschsprachigen Rechte sind davon nicht berührt.
- In Deutschland und Österreich läuft das Turnier bei Sky, und daran würde sich nichts ändern.
Was der Bericht besagt
The Open Championship wurde 1860 erstmals in Schottland ausgetragen und ist das älteste der vier Major-Turniere im Herrengolf. In den Vereinigten Staaten wird es häufig British Open genannt, um es vom dort ausgetragenen US Open zu unterscheiden. Ausgerichtet wird es vom R&A.
Die aktuellen US-Rechte liegen bei NBC, das sich 2017 in einem Bieterverfahren gegen ESPN durchsetzte und einen Vertrag über zwölf Jahre abschloss. Geteilt werden sie mit Versant, dem Betreiber des Golf Channel.
Laut dem Bericht des Guardian soll Apple vorbereitende Gespräche mit dem R&A über ein Gebot geführt haben. Die Zeitung beruft sich auf eine Person mit Kenntnis von Apples Plänen und schreibt, der Konzern halte an Investitionen in Sportrechte fest und suche weiter nach passenden Gelegenheiten.
Wie belastbar die Meldung ist
Bei der Bewertung lohnt ein genauer Blick auf das, was der Ausrichter tatsächlich gesagt hat. In seiner Stellungnahme hebt der R&A die Zusammenarbeit mit NBC und Versant hervor, kündigt Gespräche mit diesen bisherigen Partnern für den nächsten US-Medienzyklus an und verweist allgemein auf das Interesse weiterer Parteien.
Apple wird darin nicht genannt. Die Bestätigung stützt damit nur, dass ein Rechtezyklus ansteht und mehrere Interessenten existieren – nicht, dass Apple konkret verhandelt. Als Mitbewerber gelten laut Bericht auch Netflix und Amazon.
Dazu kommt die Verfahrenslogik: Ein Ausrichter, der vor Verhandlungen mit dem bisherigen Partner steht, profitiert davon, wenn bekannt wird, dass finanzstarke Streaminganbieter Interesse zeigen. Das macht den Bericht nicht falsch, ordnet ihn aber ein.
Apples Sportportfolio bleibt regional zerlegt
Der entscheidende Punkt für Leser hierzulande ist die Reichweite: Apples Sportrechte gelten überwiegend nur für einen Markt.
| Wettbewerb | Reichweite bei Apple TV | Status |
|---|---|---|
| Formel 1 | nur USA | exklusiv seit 2026 |
| MLS | weltweit | ohne Aufpreis im Abo |
| Friday Night Baseball | ausgewählte Märkte | kostenlos bis 2028 |
| The Open | im Gespräch, nur USA | unbestätigt |
Die MLS ist der Sonderfall, nicht die Regel. Bei der Formel 1 hat Apple exklusiv für die Vereinigten Staaten zugegriffen, und genau dieses Modell läge auch beim Golf-Major nahe. Ein Abschluss würde für Zuschauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz nichts verändern.
Wer The Open hierzulande zeigt
Die deutschsprachigen Rechte am Turnier liegen bei Sky. Der Sender überträgt alle vier Herren-Majors und hat diese Position auch behalten, nachdem er zum Jahreswechsel die Rechte an PGA Tour und DP World Tour an MagentaTV verloren hat.
Für Golf-Fans bedeutet das seit Anfang 2026 eine geteilte Landschaft: Wöchentlicher Tour-Golf läuft bei MagentaTV, die Majors bei Sky. Wer beides sehen will, braucht zwei Abonnements. In Österreich zeigt Sky das Turnier ebenfalls.
Ein Zugriff Apples auf den amerikanischen Markt würde an dieser Aufteilung nichts ändern. Erst wenn der Konzern beim nächsten europäischen Rechtezyklus mitböte, wäre die Lage eine andere – dafür gibt es derzeit keinen Hinweis.
Golf ist bei Apple bereits angekommen
Die Sportart ist im Apple-Ökosystem längst vertreten. Die App Apple Sports führt Golf-Ergebnisse und den DFB-Pokal seit Februar, und zwar auch für Nutzer hierzulande.
Das ist mehr als eine Randnotiz. Ergebnisdienste kosten keine Rechtegebühren und funktionieren weltweit – sie sind für Apple das günstige Vorfeld, in dem sich Interesse an einer Sportart messen lässt, bevor über Übertragungsrechte gesprochen wird. Wer die Sportart im Apple-Umfeld verfolgen möchte, kann das also heute schon, nur eben ohne Bewegtbild.
Warum Apple überhaupt in diese Richtung schaut
Sport hat sich für den Streamingdienst als Wachstumstreiber erwiesen: 2025 verzeichnete Apple TV ein deutliches Plus, das maßgeblich auf Sportinhalte zurückging. Live-Übertragungen erzeugen Termine, und Termine binden Abonnenten stärker als eine Serienstaffel, die nach dem Durchsehen keinen Grund zum Bleiben mehr liefert.
Ein Golf-Major ist dafür ein ungewöhnlich gut passendes Format. Es dauert vier Tage, füllt lange Sendestrecken und spricht ein zahlungskräftiges Publikum an. Wir rechnen damit, dass Apple in den kommenden Jahren weitere Rechtepakete dieser Art prüft, statt eine einzelne große Liga anzustreben – die Formel-1-Beteiligung war kein Ausreißer, sondern der Auftakt eines Musters, das sich mit jedem verfügbaren Zyklus wiederholen lässt.
Die europäischen Rechte an großen Wettbewerben werden dabei getrennt und zu anderen Zeitpunkten vergeben, weshalb sich das Muster hier als Flickenteppich fortsetzen dürfte statt als geschlossenes Angebot. Ein weltweiter Apple-Sportkanal ist damit auf absehbare Zeit nicht in Sicht.
Wo der Golf-Strang als Nächstes steht
Belastbar ist bislang nur, dass der R&A den nächsten US-Rechtezyklus vorbereitet und mehrere Anbieter Interesse zeigen. Ob Apple ein Gebot abgibt, wird sich frühestens zeigen, wenn die Gespräche mit den bisherigen Partnern abgeschlossen sind. Bis dahin bleibt das Turnier auf deutschsprachigen Bildschirmen genau dort, wo es seit Jahren läuft. (Bild: Apple)
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