Fünf Wochen nach dem Wechsel an der Apple-Spitze spricht Tim Cook ausführlich über seinen Nachfolger. Er erklärt, warum er den Chefposten ausgerechnet kurz vor dem größten iPhone-Start des Jahres abgegeben hat – und welchen Rat von Steve Jobs er an John Ternus weitergegeben hat.
Seit dem 1. September ist John Ternus Apples CEO, Tim Cook führt seither als Executive Chairman den Verwaltungsrat. Ternus war zuvor Apples Hardware-Chef, sein Werdegang vom Ingenieur bis an die Konzernspitze erstreckt sich über mehr als zwei Jahrzehnte im Unternehmen.
Wie Cook die Rollen aufteilt, schildert er in einem Interview mit dem britischen Independent. Das Gespräch mit dem Journalisten David Phelan fand am 7. Oktober in Apples britischer Zentrale in der Battersea Power Station in London statt – am Tag, an dem Apple dort gemeinsam mit der Stiftung The King’s Trust ein Kreativ-Programm für junge Menschen startete.
Das Wichtigste in Kürze
- Tim Cook beschreibt den Wechsel an der Spitze als einen Übergang, der schon vor Jahren begonnen habe.
- Er trat acht Tage vor der Vorstellung des iPhone Duo zurück, damit Ternus mit Rückenwind starten konnte.
- Seinem Nachfolger hat er geraten, ihn nicht zu kopieren – so wie er selbst Steve Jobs nicht kopiert habe.
- Den Vorwurf, er mische sich ein, weist Cook zurück. Er selbst kümmere sich vor allem um die Arbeit mit Regierungen weltweit.
Ein Übergang, der “vor Jahren” begann
Cook nennt den Wechsel einen interessanten Übergang, der tatsächlich schon vor Jahren angefangen habe. Ziel sei gewesen, den bestmöglichen Übergang überhaupt hinzulegen, ein Lehrbuchbeispiel, auf das andere später zurückblicken und von dem sie lernen könnten.
Auch den Zeitpunkt begründet Cook. Er sei am 1. September zurückgetreten, acht Tage bevor Apple am 9. September das iPhone Duo vorstellte, weil er wollte, dass Ternus „etwas Rückenwind“ habe. Das erste faltbare iPhone wurde damit zum ersten großen Produktstart unter dem neuen CEO.
Der Rat von Steve Jobs
Seinem Nachfolger habe er vor allem eines mitgegeben: die Aufgabe zu seiner eigenen zu machen. Ternus solle ihn nicht nachahmen – so wie er selbst Steve Jobs nicht nachgeahmt habe.
Der Gedanke geht auf Jobs selbst zurück. Der habe ihm geraten, Entscheidungen nicht danach zu treffen, wie Jobs entschieden hätte. Diesen Rat habe er nun an Ternus weitergegeben.
“Ich bin kein Einmischer”
Auf die Frage, ob er sich in die Arbeit des neuen CEO einmische, wird Cook deutlich. Zwischen ihm und Ternus bestehe ein „unglaubliches Maß an Vertrauen“. Die Beziehung müsse auf Vertrauen beruhen, die Kommunikation häufig und substanziell sein. „Ich mische mich nicht ein. Ich bin kein Einmischer“, sagt Cook.
Seine eigene Aufgabe sieht er vor allem in der Regierungspolitik weltweit und in der Zusammenarbeit mit Regierungen, wo Apple Veränderungen anstoßen oder unterstützen will. Darüber hinaus unterstütze er Ternus überall dort, wo dieser es für sinnvoll halte.
Cook bleibt das Gesicht nach außen
Ich halte die Aufteilung für bemerkenswert klar. Ternus verantwortet das Produktgeschäft und hat zuletzt sogar Apples Design selbst übernommen, Cook konzentriert sich auf Politik und Regierungen. Dass Cook das Interview am Rande eines Bildungsprogramms in London gibt, passt ins Bild: Der Executive Chairman bleibt das Gesicht nach außen, der CEO bleibt bei den Produkten.
Wer wissen will, wie viel Ternus tatsächlich anders macht, sollte weniger auf Interviews achten als auf die kommenden Produktvorstellungen. Der nächste Termin ist am 13. Oktober.
Glaubst du Cook, dass er sich aus dem Tagesgeschäft heraushält – oder wird der Einfluss des langjährigen Chefs noch lange zu spüren sein? Widersprich uns gern in den Kommentaren.





