Der chinesische Smartphone-Markt zeigt im April erstmals wieder Wachstum nach einem schwachen Jahresstart. Während die Branche unter Speicherchip-Engpässen leidet, hat Apple seine Preise stabil gehalten – ein strategischer Vorteil, der sich in den Auslieferungszahlen niederschlagen dürfte.
Die China Academy of Information and Communications Technology, kurz CAICT, hat aktuelle Zahlen zu den Smartphone-Auslieferungen in China vorgelegt. Der Bericht deckt sowohl den Monat April 2026 als auch die ersten Monate des Jahres ab – und liefert Hinweise darauf, in welche Richtung sich der weltweit zweitgrößte Smartphone-Markt entwickelt. Apple hatte bereits zuvor trotz schwachem chinesischen Smartphone-Markt deutlich gegen den Trend wachsen können, und die aktuellen Zahlen deuten darauf hin, dass sich diese Sonderstellung im April fortsetzt.
Die wichtigsten Zahlen des April-Berichts
Im April 2026 wurden in China insgesamt 25,7 Millionen Mobiltelefone ausgeliefert. Das entspricht einem Plus von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Inländische Marken übernahmen mit 22,1 Millionen Einheiten den Löwenanteil und kommen auf 86,1 Prozent des Gesamtmarktes. Auch ihr Anteil legte gegenüber April 2025 um 2,9 Prozent zu (via Reuters).
Auf ausländische Marken entfielen 3,59 Millionen ausgelieferte Geräte. Diese Kategorie umfasst neben anderen Anbietern vor allem iPhone-Auslieferungen. Im Jahresvergleich entspricht das einem Plus von 1,8 Prozent für April. Betrachtet man speziell die Smartphones, erreichten die Auslieferungen 25 Millionen Einheiten – ein Anstieg um 12,3 Prozent. Damit machten Smartphones 97,3 Prozent aller ausgelieferten Mobiltelefone aus.
Der Jahresstart blieb schwach
Trotz des April-Aufschwungs zeigt der Blick auf die ersten vier Monate ein gedämpftes Bild. Im Zeitraum Januar bis April wurden in China insgesamt 86,5 Millionen Mobiltelefone ausgeliefert – ein Rückgang um 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Smartphones gaben um 5,5 Prozent auf 82 Millionen Einheiten nach und machten damit 94,8 Prozent des Gesamtvolumens aus.
Auch die Modellvielfalt ist zurückgegangen. Zwischen Januar und April brachten Hersteller insgesamt 138 neue Mobiltelefon-Modelle auf den Markt – ein Minus von 15,3 Prozent. Davon waren 115 Smartphones, was einem leichten Rückgang von 0,9 Prozent entspricht. Die Branche hat ihre Modell-Pipeline also spürbar verschlankt.
Speicherchip-Knappheit drückt vor allem auf Einsteigergeräte
Die schwächeren Zahlen für das Gesamtjahr decken sich mit Analysen mehrerer Marktforscher. Bereits Counterpoint Research hat in den vergangenen Monaten darauf hingewiesen, dass die anhaltende Knappheit bei DRAM- und NAND-Speicherchips die Produktionskosten für Smartphones in die Höhe treibt. Niedrigpreisige Modelle sind davon besonders betroffen, da sie ohnehin mit knapperen Margen kalkuliert werden.
Samsung musste in mehreren Modellreihen die Preise erhöhen, um steigende Komponentenkosten weiterzugeben. Apple hat dagegen die iPhone-Preise bislang stabil gehalten. Das hat strukturelle Gründe: Apple sichert sich Speicherchips über langfristige Lieferverträge ab und kann Schwankungen damit besser abfedern als Wettbewerber, die kurzfristig am Spotmarkt einkaufen müssen.
Wie sich das auf Apples Marktposition auswirkt
Genau diese Konstellation hat Apple in den vergangenen Quartalen einen sichtbaren Vorteil verschafft. Im März-Quartal verzeichnete der Konzern in Greater China ein Umsatzwachstum von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zuvor war Apple bereits im Dezember-Quartal um 38 Prozent gewachsen – das iPhone-17-getriebene China-Comeback hatte das Rekordquartal getragen.
Hinzu kommt eine breitere Marktdynamik. Counterpoint Research hat erst kürzlich gezeigt, dass Apple im ersten Quartal 2026 erstmals zum globalen Smartphone-Marktführer aufgestiegen ist – ein Erfolg, der wesentlich auf der Ultra-Premium-Positionierung des iPhones und Apples integrierter Lieferkette beruht. In einer Phase, in der die Konkurrenz Preise erhöhen muss, profitiert Apple gleich doppelt: durch Preisstabilität und durch Käufer im Hochpreissegment, die weniger preissensibel reagieren.
Was die nächsten Wochen zeigen werden
Da der CAICT-Bericht die Auslieferungen nicht nach einzelnen Marken aufschlüsselt, lässt sich der genaue iPhone-Anteil am April-Wachstum aus diesen Zahlen nicht ablesen. Konkrete Erkenntnisse dürften erst Apples Q3-2026-Ergebnisbericht liefern, der Ende Juli oder Anfang August erwartet wird.
Aus heutiger Sicht spricht aber einiges dafür, dass China auch im Juni-Quartal zu Apples stärkeren Regionen zählen wird. Sollte sich der Markt insgesamt weiter erholen und Apple seine Preisdisziplin halten, könnte das chinesische Geschäft erneut zu einem der Glanzpunkte werden. Die Branchenrahmung – Speicherchip-Knappheit auf der einen, stabile iPhone-Preise auf der anderen Seite – bleibt der zentrale Hebel für Apples relative Stärke in der Region. (Bild: Shutterstock / Ononymous Phtographer)
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