Ferrari hat in Rom den Luce enthüllt – das erste vollelektrische Modell der Marke, gemeinsam mit Jony Ive und Marc Newson entwickelt. 1.113 PS, 122-kWh-Akku und ein Innenraum, der bewusst gegen den Touchscreen-Trend gebaut wurde. Startpreis: rund 550.000 Euro.
Mit dem Luce schlägt Ferrari ein neues Kapitel auf – und holt sich für die Premiere ausgerechnet den Mann, dessen Handschrift jahrzehntelang Apples Hardware geprägt hat. Jony Ive und sein Designkollektiv LoveFrom haben zusammen mit Ferraris Centro Stile unter Flavio Manzoni am ersten vollelektrischen Modell der Marke gearbeitet. Während Ive auf der anderen Großbaustelle seines Schaffens noch immer am ersten Hardware-Produkt für OpenAI feilt, das frühestens 2027 erscheinen soll, bringt der Luce sein erstes komplett designtes Auto schon im Oktober zu den ersten Käufern.
Was Ferrari in Rom gezeigt hat
Die Premiere fand am 25. Mai 2026 in Rom statt. Ferrari spricht selbst von einer Designsprache, die Exterieur, Interieur und Bedienoberfläche zu einer Einheit verschmelzen lasse – mit „Klarheit und reduzierter Schlichtheit“. Die Außenform beschreibt der Hersteller als „glatt, kontinuierlich und ununterbrochen“, mit einer schalenartigen Karosserie und frei wirkenden Aerodynamik-Flächen an Front und Heck.
Der Luce misst rund 5,02 Meter in der Länge und liegt damit etwa zwei Zoll niedriger als der Purosangue. Den Antrieb übernehmen vier hauseigene Elektromotoren, die zusammen 1.113 PS leisten. Ferrari nutzt eine sogenannte Halbach-Array-Konfiguration, die aus der Formel-1-Antriebstechnik in den Serienwagen übertragen wurde. Der cW-Wert von 0,254 wird ohne aktive Aerodynamik erreicht – eine bewusste Entscheidung, um Gewicht zu sparen und die Linienführung sauber zu halten.
Akku, Reichweite und Ladegeschwindigkeit
Den Energiespeicher liefert ein 122-kWh-Akku mit NMC-Zellen des südkoreanischen Herstellers SK On. Die Reichweite liegt bei rund 531 Kilometern, geladen wird mit bis zu 350 kW. Bei Reisefahrt schalten die vorderen Motoren ab, um die Effizienz zu erhöhen. Die hinteren Motoren leisten jeweils 416 PS, die vorderen 141 PS – mit deutlich unterschiedlichen Drehmomentwerten an den Achsen.
Trotz der Performance-Daten will Ferrari den Luce nicht als reinen Sportwagen verstanden wissen. Mit fünf vollwertigen Sitzplätzen – möglich durch den Wegfall des klassischen Antriebsstrangs – und einem für Ferrari großzügigen Kofferraum verschiebt sich der Charakter in Richtung Grand-Touring.
Wo Ives Handschrift wirklich sitzt
Die Aufgabenteilung zwischen Maranello und LoveFrom beschreibt Ferrari pragmatisch: Ferraris Ingenieure formten die Flächen zuerst nach aerodynamischen und funktionalen Vorgaben, LoveFrom kam ergänzend dazu und übernahm die gestalterische Veredelung. Trotzdem soll Ives Einfluss über das gesamte Programm reichen – am sichtbarsten im Innenraum.

Hier hat sich Ferrari demonstrativ gegen den Branchentrend zum riesigen Touchscreen entschieden. Statt iPad-artigem Zentraldisplay setzt der Luce auf hochwertige mechanische Knöpfe, präzise gefräste Aluminium-Drehregler, Glaselemente und Kippschalter. Das dreispeichige Lenkrad besteht zu 100 Prozent aus recyceltem Aluminium, der Schalthebel ist aus Glas gefertigt. Multifunktionale digitale Anzeigen ergänzen die physischen Bedienelemente, ohne sie zu verdrängen. Der Beifahrer bekommt nicht einmal ein eigenes Display – stattdessen lässt sich das mittlere Display zu ihm hin drehen.
Eine ungewöhnliche Personalie für Ferrari
Dass Ive ausgerechnet ein Auto gestaltet, ist für Apple-Beobachter eine bemerkenswerte Wendung. Während Apples eigenes Autoprojekt nach jahrelanger Entwicklung intern in einer All-Hands-Versammlung beerdigt wurde, realisiert sein ehemaliger Designchef sein erstes komplett gestaltetes Fahrzeug nun für eine andere Marke. Für Marc Newson, Mitgründer von LoveFrom, ist es bereits der zweite Vorstoß ins Automobil-Design – nach dem Ford 021C-Concept aus dem Jahr 1999.
LoveFrom existiert seit 2019 und arbeitet inzwischen mit Marken wie Ferrari, Airbnb und OpenAI zusammen. Der Luce ist das erste vollständige Fahrzeug-Design des Kollektivs.
Preis und Verfügbarkeit
In Italien startet der Luce bei rund 550.000 Euro. Damit liegt das Modell deutlich über dem V12-betriebenen Purosangue, der bei etwa 430.000 US-Dollar einsteigt. Ein offizieller US-Preis steht noch aus, in Berichten wird er um die 640.000 US-Dollar erwartet, je nach Quelle mit Aufschlag nach oben. Die ersten Auslieferungen beginnen im Oktober 2026.
Ein Statement gegen die Touchscreen-Welle
Der Luce ist mehr als der erste E-Ferrari. Er ist ein bewusstes Gegenmodell zur Bildschirm-Logik, die fast alle modernen Elektroautos prägt. Genau hier wirkt Ives Handschrift am stärksten – jemand, dessen Karriere lange Zeit mit der Glass-First-Logik des iPad verbunden war, entscheidet sich für ein Premiumfahrzeug bewusst dagegen.
Ob die Strategie aufgeht, entscheidet weniger die Premiere als die Frage, wie sich der Luce auf der Straße schlägt. Klar ist: Mit diesem Modell tritt LoveFrom erstmals als vollwertiger Auto-Co-Designer auf – und gibt Ferrari den ersten elektrischen Sprung in die neue Markenära. (Bild: Ferrari)
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