Aus der gestrigen Meldung über einzelne Kündigungen im VR-Bereich ist ein Konzernumbau geworden. Apple trennt sich von mehr als 200 Beschäftigten, schließt ein komplettes Team für Spiele auf der Vision Pro und fährt die eigene Produktion von Immersive-Video-Inhalten zurück. Diesmal äußert sich das Unternehmen selbst dazu.
Am Donnerstag war von mindestens 60 Stellen die Rede, gestützt auf eine einzelne, nicht namentlich genannte Quelle. Diese Zahl zum Stellenabbau im VR-Team galt als vorläufig, weil ein zweiter Beleg fehlte.
Der liegt jetzt vor, und er fällt deutlich größer aus. Nach einem Bericht von Mark Gurman bei Bloomberg streicht Apple über 200 Stellen in mehreren Bereichen – etwa je zur Hälfte im Vision-Pro-Umfeld sowie in den Siri- und Software-Teams. Ein Apple-Sprecher hat sich dazu geäußert.
Das Wichtigste in Kürze
- Apple streicht mehr als 200 Stellen, verteilt auf Vision Pro, Siri und Software-Entwicklung.
- Rund 100 Stellen entfallen auf die Vision-Pro-Gruppe, ein Team für Spiele wird weitgehend geschlossen.
- Die Produktion von Immersive-Video-Inhalten im eigenen Haus wird zurückgefahren; Dritte sollen einspringen.
- Weitere rund 100 Stellen betreffen Siri und Software, ausgelöst durch die neue technische Architektur hinter Siri AI.
- Apple hat Beschäftigten mitgeteilt, dass Vision Pro und visionOS bestehen bleiben; ein neues Modell wird frühestens für Ende 2028 erwogen.
Wie sich der Abbau verteilt
Der Bericht ordnet die Kürzungen zwei etwa gleich großen Blöcken zu.
| Bereich | Umfang | Was dahintersteckt |
|---|---|---|
| Vision-Pro-Gruppe | rund 100 Stellen | Schließung des Spiele-Teams, Verkleinerung der Immersive-Video-Produktion |
| Siri und Software | rund 100 Stellen | Umbau infolge der neuen Architektur hinter Siri AI |
Die gestrige Angabe von mindestens 60 Stellen betraf damit nur einen Ausschnitt. Beide Zahlen widersprechen sich nicht zwangsläufig – die frühere war ausdrücklich als Untergrenze formuliert und stammte aus einer anderen Quelle.
Das Ende der Spiele auf der Vision Pro
Am deutlichsten trifft es den Bereich Gaming. Das Team, das sich mit Spielen für die Vision Pro befasste, wird nach dem Bericht weitgehend aufgelöst.
Das ergibt Sinn, sobald man den zweiten Teil der Meldung danebenlegt: Apple konzentriert sich kurzfristig auf Datenbrillen, und die sollen weder Immersive Video noch anspruchsvolle Spiele unterstützen. Für welchen Zeitrahmen die Brillen erwartet werden, sammelt die Übersicht zu den Apple Glasses. Ein Team für Inhalte, die das kommende Hauptprodukt technisch gar nicht abspielen kann, hat in dieser Rechnung keinen Platz.
Weniger Immersive Video aus eigener Produktion
Auch die Mannschaft für Immersive-Video-Inhalte schrumpft. Apple will künftig eine geringere Zahl solcher Videos im eigenen Haus produzieren und stattdessen Dritte dazu bringen, Inhalte beizusteuern.
Das ist der Punkt, an dem der Umbau für Besitzer eines Headsets in Deutschland, Österreich und der Schweiz spürbar wird. Immersive Video ist das Format, mit dem Apple die Vision Pro seit dem Start bewirbt, und es hatte zuletzt an Fahrt aufgenommen: Erst Anfang August lief Baseball erstmals live im Immersive-Format. Wie viele Eigenproduktionen künftig noch entstehen, nennt der Bericht nicht.
Ob Drittanbieter die Lücke füllen, hängt an Voraussetzungen, die Apple bislang nicht öffentlich beschrieben hat – Produktionstechnik, Vertriebsweg und Vergütung.
Warum der Siri-Umbau Stellen kostet
Der zweite Block hat einen anderen Charakter. Hier geht es dem Bericht zufolge nicht um einen Rückzug, sondern um einen Austausch von Fachprofilen: Die neue technische Grundlage hinter Siri AI verlangt andere Kenntnisse als die bisherige, weshalb Apple bestehende Rollen streicht, Mittel umschichtet und neue Stellen für die überarbeitete Assistenz schafft.
Dass dieser Umbau tief geht, war absehbar. Wie grundlegend die Architektur ausgetauscht wurde, beschreibt der Rückblick darauf, warum der Siri-Umbau für iOS 27 so lange dauerte. Betroffen ist zusätzlich das Team für intelligente Systemerfahrungen, das Apple neu ausrichtet, weil inzwischen zahlreiche Gruppen KI-Funktionen in Apps und Dienste bringen.
Was Apple selbst dazu sagt
Ein Sprecher hat sich gegenüber Bloomberg geäußert und die Änderungen damit begründet, das Geschäft weiterzuentwickeln, um Nutzern die besten Erfahrungen zu bieten. In der Mitteilung heißt es weiter, es entstünden im Zuge der Veränderung neue Rollen, während eine begrenzte Zahl bestehender Rollen betroffen sei; den Beschäftigten werde Unterstützung beim Übergang zugesagt, einschließlich der Möglichkeit, sich auf andere Stellen im Unternehmen zu bewerben.
Eine öffentliche Stellungnahme zu Personalfragen ist bei Apple selten. Sie ist hier der wichtigste Unterschied zur gestrigen Meldung: Der Vorgang steht damit nicht mehr nur auf einer anonymen Quelle.
Vision Pro bleibt, ein Nachfolger rückt in weite Ferne
Intern hat Apple den Beschäftigten mitgeteilt, dass Vision Pro und visionOS nicht eingestellt werden. Ein neues Modell des Headsets wird dem Bericht zufolge frühestens für Ende 2028 in Betracht gezogen.
Diese Angabe ist die härteste des Tages. Sie bedeutet, dass zwischen dem aktuellen Gerät und einem möglichen Nachfolger mehr als zwei Jahre liegen könnten – und sie fügt sich in die Linie, wonach die Vision-Roadmap auf zwei Brillen-Modelle zusammenschrumpft. Am Bestandsgerät ändert das nichts: visionOS 27 erscheint im Herbst wie geplant.
Zwei Umbauten, zwei verschiedene Geschichten
Beides in eine Schlagzeile zu packen, verwischt einen wichtigen Unterschied. Beim Siri-Block streicht Apple Rollen und schafft zugleich neue – das ist der übliche Vorgang, wenn eine technische Grundlage ausgetauscht wird. Beim Vision-Pro-Block verschwindet dagegen ein ganzer Aufgabenbereich, ohne dass ein Ersatz benannt wird. Das ist ein Rückbau, kein Umbau.
Für dich als Nutzer hierzulande hat der Siri-Teil noch eine zweite Ebene. Der Umbau richtet sich auf eine Plattform aus, die auf iPhone und iPad in der EU vorerst gar nicht startet – die Gründe stehen im Überblick zum DMA-Streit um Siri AI. Apple sortiert seine Mannschaft also für ein Produkt neu, das hier auf den meistgenutzten Geräten noch aussteht. Auf Mac und Vision Pro ist Siri AI dagegen verfügbar, in der Schweiz greift die Sperre ohnehin nicht.
Bemerkenswert bleibt das Datum. Zehn Tage vor dem Amtsantritt von John Ternus als Konzernchef wird ein Umbau öffentlich, der zwei der drei Zukunftsfelder betrifft, für die sein Vorgänger geworben hat.
Was sich am Gerät ändert und was nicht
Kurzfristig bleibt für Besitzer alles beim Alten: Die Software kommt, das Gerät wird weiter unterstützt, angekündigte Inhalte laufen. Mittelfristig wird sich die Frage am Nachschub entscheiden – daran, wie viele Immersive-Titel im kommenden Jahr tatsächlich erscheinen und von wem sie stammen.
Wäre dir eine Vision Pro mit weniger Eigenproduktionen, aber mehr Inhalten von Drittanbietern lieber – oder war gerade das aufwendig produzierte Apple-Material der Grund, warum sich das Gerät für dich gelohnt hat? Schreib uns in die Kommentare, was du in den letzten Monaten tatsächlich angesehen hast.
- AirPods mit Kamera: Code zeigt Auflösung und Kontrollleuchte
- Apple Music kennzeichnet KI-Songs mit „Made With AI“
- Stick: Staffel 2 startet am 4. November


