Reddit und Discord stehen aktuell im Mittelpunkt einer Debatte über Altersüberprüfung, Datenschutz und gesetzliche Pflichten. Beide Plattformen haben einen umstrittenen externen Dienst zur Altersverifikation eingesetzt – mit spürbaren Konsequenzen. Während Reddit eine Millionenstrafe zahlen muss, sah sich Discord massiver Kritik aus der eigenen Community ausgesetzt.
Im Kern geht es um eine schwierige Frage: Wie lassen sich Kinder im Internet wirksam schützen, ohne dabei personenbezogene Daten unnötig preiszugeben oder Datenschutzgesetze zu verletzen?
Ausgangspunkt der aktuellen Entwicklungen ist das britische Online Safety Act (OSA). Dieses Gesetz verpflichtet Online-Plattformen dazu, das Alter ihrer Nutzer zu überprüfen und sicherzustellen, dass Kinder keinen schädlichen oder unangemessenen Inhalten ausgesetzt werden.
Für Plattformen wie Reddit und Discord bedeutet das konkret: Sie müssen verlässliche Mechanismen zur Alterskontrolle einführen. Gleichzeitig stehen sie unter dem Druck, möglichst wenige sensible Daten selbst zu speichern. Genau dieser Spagat zwischen Jugendschutz und Datenschutz hat nun zu erheblichen Problemen geführt.
Unzureichende Kontrollen bei Reddit
Reddit wurde von der britischen Datenschutzbehörde, dem Information Commissioner’s Office (ICO), mit einer Geldstrafe von 14,47 Millionen Pfund (rund 19,5 Millionen US-Dollar) belegt. Der Vorwurf lautet, dass die Plattform personenbezogene Daten von Kindern unrechtmäßig verarbeitet hat (via BBC News).
Laut Untersuchung des ICO hat Reddit das Alter seiner Nutzer nicht ordnungsgemäß überprüft. Dadurch bestand das Risiko, dass Minderjährige auf Inhalte zugreifen konnten, die für sie nicht geeignet oder potenziell schädlich sind.
Um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen, beauftragte Reddit die externe Firma Persona mit der Altersüberprüfung. Persona sollte entweder hochgeladene Selfies oder Fotos von amtlichen Ausweisdokumenten prüfen. Reddit erklärte, dass diese Lösung gewählt wurde, um keine direkten Informationen zur Identität der Nutzer selbst speichern zu müssen.
Das ICO kam jedoch zu dem Schluss, dass diese Kontrollen nicht ausreichend waren. Viele Kinder wurden fälschlicherweise als Erwachsene eingestuft. In der Folge wurden personenbezogene Daten von Minderjährigen verarbeitet, ohne dass eine rechtmäßige Grundlage vorlag. Genau dieser Punkt führte zur hohen Geldstrafe.
Der Fall zeigt, dass die Auslagerung sensibler Prozesse an Drittanbieter ein Unternehmen nicht von der Verantwortung entbindet. Die Pflicht zur korrekten Umsetzung der Altersverifikation bleibt bei der Plattform selbst.
Discord erlebt Gegenreaktion der Nutzer
Auch Discord setzte auf Persona zur Altersüberprüfung. Anders als bei Reddit stand hier jedoch keine behördliche Strafe im Vordergrund, sondern eine deutliche Gegenreaktion der Nutzer.
In sozialen Medien wurde Discord vorgeworfen, nicht transparent über den geplanten Einsatz von Gesichtsscans und hochgeladenen Ausweisen informiert zu haben. Besonders kritisch wurde die Partnerschaft mit Persona gesehen. Persona wird nicht nur von Reddit, sondern auch von anderen Plattformen wie Roblox genutzt.
Nutzer verwiesen auf die Datenschutzrichtlinie von Persona. Dort heißt es, dass das Unternehmen personenbezogene Daten aus „Datenbanken von Dritten, staatlichen Registern und anderen öffentlich zugänglichen Quellen” beziehen kann. Dieser Hinweis verstärkte die Sorge, dass sensible Identitätsdaten umfassender verarbeitet werden könnten als erwartet.
Savannah Badalich, Leiterin der Produktpolitik bei Discord, bestätigte, dass es in Großbritannien einen begrenzten Test mit Persona gegeben habe. Dieser Test fand statt, weil dort die Altersüberprüfung bereits gesetzlich eingeführt worden war. Laut Badalich ist der Test inzwischen abgeschlossen, und Discord nutzt Persona nicht mehr.
Das Online Safety Act als Auslöser der Entwicklung
Das britische Online Safety Act bildet die rechtliche Grundlage für die verschärften Alterskontrollen. Ziel des Gesetzes ist es, Kinder wirksam vor schädlichen Online-Inhalten zu schützen.
Die Umsetzung bringt jedoch praktische und datenschutzrechtliche Herausforderungen mit sich. Je strenger die Altersüberprüfung ausfällt, desto häufiger müssen Nutzer sensible Dokumente wie amtliche Lichtbildausweise oder Video-Selfies hochladen. Wenn solche Daten an zahlreiche App-Entwickler oder Plattformen weitergegeben werden, entsteht ein erhöhtes Risiko für Datenschutzverletzungen.
Die aktuelle Situation verdeutlicht, dass gesetzliche Vorgaben allein keine einfache Lösung bieten. Sie verschieben das Problem teilweise auf technische und organisatorische Ebene.
Forderungen nach Verantwortung für Apple und Google
Angesichts der Schwierigkeiten bei Plattformen wie Reddit und Discord werden zunehmend Forderungen laut, die Verantwortung für die Altersüberprüfung stärker auf die Betreiber der App-Stores zu übertragen.
Konkret geht es um Apple und Google. Die Idee ist, dass die Altersverifikation zentral über die App-Stores erfolgt. Nutzer müssten ihr Alter einmalig nachweisen. Anschließend könnten altersbeschränkte Apps automatisch blockiert werden.
In einigen US-Bundesstaaten existieren bereits entsprechende Regelungen. Eine solche Lösung hätte mehrere Auswirkungen:
- Die Altersüberprüfung würde gebündelt und standardisiert erfolgen.
- Nutzer müssten ihre Identität nicht mehrfach an verschiedene Entwickler übermitteln.
- Das Risiko, dass sensible Ausweisdaten an zahlreiche Stellen gelangen, würde sinken.
- Die Nutzererfahrung wäre konsistenter und weniger aufwendig.
Gleichzeitig ist nachvollziehbar, dass insbesondere Apple zögert, diese Verantwortung zu übernehmen. Eine zentrale Identitätsprüfung würde erhebliche technische, rechtliche und organisatorische Anforderungen mit sich bringen.
Reddit und Discord im Spannungsfeld neuer Gesetzesvorgaben
Die Fälle Reddit und Discord zeigen deutlich, wie komplex die Umsetzung von Altersverifikation im digitalen Raum ist. Reddit wurde wegen unzureichender Kontrollen mit einer hohen Geldstrafe belegt, weil Kinder fälschlicherweise als Erwachsene eingestuft und ihre Daten unrechtmäßig verarbeitet wurden. Discord wiederum sah sich mit massiver Kritik konfrontiert, nachdem Details zur Zusammenarbeit mit Persona öffentlich diskutiert wurden.
Das britische Online Safety Act erhöht den Druck auf Plattformen, wirksame Schutzmechanismen einzuführen. Gleichzeitig wächst die Sorge um den Datenschutz, wenn Nutzer gezwungen sind, amtliche Ausweise und biometrische Daten an zahlreiche Unternehmen weiterzugeben.
Die Debatte um eine zentrale Altersüberprüfung über Apple oder Google dürfte daher weiter an Bedeutung gewinnen. Klar ist: Der Schutz von Kindern im Internet ist notwendig. Ebenso klar ist jedoch, dass dieser Schutz nicht zu einem unkontrollierten Sammeln sensibler Identitätsdaten führen darf. (Bild: Shutterstock / Tada Images)
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