Vier Wochen nach seinem Amtsantritt greift John Ternus in den Aufbau von Apple ein. Weniger Führungsebenen, mehr Produkte übers Jahr verteilt, eingefrorene Budgets – und in der Hardwareentwicklung sind die ersten Stellen bereits gestrichen.
Seit dem 1. September führt John Ternus Apple, und die Führungsriege darunter war schon im Frühjahr neu geschnitten worden. Jetzt zeichnet sich ab, was er mit dem Unternehmen selbst vorhat. Apple soll schneller entwickeln, mehr Geräte auf den Markt bringen und mit weniger Verwaltung zwischen Ingenieuren und Konzernspitze auskommen.
Das geht aus einem Bericht von Bloomberg hervor, der sich auf mehrere mit den Plänen vertraute Personen stützt. Verfasst hat ihn Mark Gurman, dessen Angaben zu Apples Organisation und Personal sich in den vergangenen Jahren regelmäßig bestätigt haben. Konkret belegt ist vor allem ein Schritt, der bereits vollzogen ist. Der Rest beschreibt laut Bericht frühe Überlegungen.
Das Wichtigste in Kürze
- In der Hardwareentwicklung hat Apple binnen zwei Wochen mehrere Engineering Program Manager entlassen, darunter rund ein halbes Dutzend Direktoren.
- Ternus soll das feste Muster aus Frühjahrs- und Herbstneuheiten aufweichen und Geräte über das ganze Jahr verteilt bringen wollen.
- Einige Teams müssen mit eingefrorenen Budgets und Stellenzahlen rechnen, erwartete Aufstockungen für 2027 fallen weg.
- Gemeinsam mit Eddy Cue und Finanzchef Kevan Parekh sucht Ternus nach neuen Diensten und mehr Umsatz aus bestehenden Angeboten.
Der erste Schnitt trifft die Koordinatoren
Betroffen sind die sogenannten Engineering Program Manager, kurz EPMs. Sie steuern in Apples Hardwareentwicklung seit Jahrzehnten Zeitpläne und stimmen die Arbeit zwischen den Teams ab. In den vergangenen zwei Wochen hat Apple laut Bericht mehrere von ihnen entlassen, darunter rund sechs Direktoren, eine der höchsten Mitarbeiterebenen im Unternehmen.
Die Betroffenen haben wenige Wochen Zeit, eine andere Stelle innerhalb von Apple zu finden. Wer das nicht schafft, verliert den Job im Laufe des Jahres. In der Belegschaft rechnet man laut Bericht mit weiteren Kürzungen in den kommenden Monaten.
Entlassungen sind bei Apple selten, aber nicht neu. Im November 2025 traf es überraschend Stellen im Vertrieb, im August strich Apple rund 200 Stellen um Vision Pro, Siri und KI-Software. Neu ist, dass die Kürzungen jetzt eine Funktion treffen, die das Gerüst der Produktentwicklung bildet.
Mehr Geräte, weniger feste Termine
Bisher bündelt Apple seine Neuheiten weitgehend im Frühjahr und im Herbst. Ternus soll davon abrücken wollen und Geräte häufiger über das Jahr verteilt veröffentlichen. Er begründet das laut Bericht damit, dass Apple im KI-Zeitalter schneller und experimenteller werden müsse.
Genannt werden in diesem Zusammenhang AirPods mit Kameras, die erste Brille und ein komplett neues iPhone zum 20. Jubiläum. Alle drei stehen seit Längerem auf der Liste kommender Geräte. Den Produktentwicklern wird laut einer Quelle derzeit abverlangt, mehr Produkte in kürzeren Abständen zu liefern. Die Stimmung beschreibt sie als hektisch.
Sparkurs bei Budgets und Randprojekten
Parallel laufen Sparmaßnahmen. Für einige Teams sind Budgets und Stellenzahlen eingefroren. Abteilungen, die für 2027 mit mehr Geld und Personal gerechnet hatten, bekommen es nicht. Zurückhaltender investieren will Apple laut Bericht in Projekte außerhalb des Kerngeschäfts, darunter Siri, einige KI-Softwareteams und Vision Pro, wo der Nachfolger mit dem Codenamen N224 zuletzt als gefährdet galt.
Einen Plan, rund 5.000 Stellen im AppleCare-Kundendienst durch KI-Agenten zu ersetzen, hat Apple laut Bericht im Sommer verworfen.
Auf der Einnahmenseite arbeitet Ternus mit Dienste-Chef Eddy Cue und Finanzchef Kevan Parekh an neuen Diensten und daran, aus bestehenden Produkten mehr Umsatz zu holen. Hintergrund ist laut Bericht, dass sich das Wachstum im Dienstegeschäft verlangsamt hat. Schon im April hatte Ternus bei den Diensten großes Ausbaupotenzial gesehen.
Ein Kurs, den Ternus seit Jahren vertritt
Der Umbau kommt nicht aus dem Nichts. Laut Bericht warb der heute 51-jährige Ternus schon als Chef der Hardwareentwicklung für eine schlankere Organisation. Auf einer Mitarbeiterversammlung zeigte er eine Folie mit dem jährlichen Personalwachstum und argumentierte, Apple solle weniger einstellen und mit den vorhandenen Ingenieuren mehr erreichen.
Im April stand dagegen die Erwartung im Raum, Ternus werde Apple nicht umkrempeln, sondern in den ersten Jahren vor allem ausführen, was unter Cook beschlossen wurde. Beides passt nur teilweise zusammen. Die im Bericht genannten Geräte waren schon vor seinem Amtsantritt im Gespräch. Verändert werden der Takt, in dem Apple sie ausliefert, und die Organisation, die sie baut.
Weniger Ebenen, kürzere Takte
Ich halte die Entlassung der Programmmanager für das aufschlussreichste Detail des Berichts. Ternus streicht genau die Rolle, die bei Apple bisher dafür sorgte, dass Termine halten – und verlangt gleichzeitig kürzere Abstände zwischen den Produkten. Das kann die Entwicklung beschleunigen, weil Entscheidungen schneller oben ankommen. Es verlagert die Abstimmung aber auf Ingenieure und Führungskräfte, die ohnehin mehr liefern sollen.
Für Käufer hätte ein aufgelöster Kalender eine greifbare Folge. Die Faustregel, dass neue Macs, iPads und Zubehör vor allem im Frühjahr und Herbst kommen, würde an Verlässlichkeit verlieren. Wer vor einem Kauf auf den nächsten Termin wartet, müsste sich dann häufiger an Einzelberichten orientieren als an der Jahreszeit.
Apples Umbau beginnt unter der Oberfläche
Nach außen ändert sich vorerst wenig. Die für Oktober erwarteten Geräte waren längst in Arbeit, und die ersten Einschnitte betreffen eine Ebene, die Kunden nie zu Gesicht bekommen.
Hättest du lieber öfter neue Apple-Geräte über das Jahr verteilt – oder schätzt du gerade die festen Termine, weil du deine Käufe danach planen kannst? Schreib uns in die Kommentare, wie du es hältst.





