Fünf Millionen verkaufte Geräte in gut zwei Monaten – das traut ein Marktforscher Apples erstem faltbaren iPhone bis Jahresende zu. Interessanter als diese Zahl ist die daneben: Ohne den Neuzugang läge der gesamte Markt für faltbare Smartphones rund ein Viertel unter dem Vorjahr.
Seit der Vorstellung am 9. September ist Apples erstes faltbares iPhone keine Gerüchtelage mehr, sondern ein Gerät mit Preis, Termin und Datenblatt. Damit lassen sich auch die Marktprognosen neu rechnen, die monatelang mit Platzhaltern arbeiten mussten. TrendForce hat das einen Tag nach der Keynote getan – und kommt zu einem Bild, das für Apple schmeichelhaft und für den Rest der Branche unangenehm ist.
Das Wichtigste in Kürze
- TrendForce erwartet rund 5 Millionen ausgelieferte iPhone Duo im Jahr 2026 und damit 24,8 Prozent des Foldable-Markts.
- Der Gesamtmarkt kommt auf etwa 20,2 Millionen Geräte, ein Plus von lediglich 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
- Ohne Apple bleiben die Android-Marken bei rund 15,2 Millionen Geräten – über 20 Prozent weniger als 2025.
- Samsung bleibt mit 7,1 Millionen Geräten vorn, Huawei liegt mit ebenfalls 5 Millionen gleichauf mit Apple.
- Als Grund für den Rückgang nennt der Bericht stark gestiegene Bauteilkosten.
Die Prognose in Zahlen
Die Anteile ergeben sich aus den genannten Stückzahlen und einem Gesamtmarkt von 20,2 Millionen Geräten. Auf alle übrigen Marken zusammen entfallen damit noch rund 3,1 Millionen Geräte.
| Marke | Auslieferungen 2026 | Anteil |
|---|---|---|
| Samsung | 7,1 Mio. | 35,1 % |
| Apple | 5,0 Mio. | 24,8 % |
| Huawei | 5,0 Mio. | 24,8 % |
| Alle übrigen | 3,1 Mio. | 15,3 % |
| Gesamtmarkt | 20,2 Mio. | 100 % |
Bemerkenswert ist der zweite Platz, den sich Apple mit Huawei teilt: Beide Hersteller landen laut der Rechnung bei derselben Stückzahl, obwohl der eine seit Jahren faltbare Geräte verkauft und der andere zehn Wochen Zeit hat.
Was ohne den Neuzugang aus dem Jahr geworden wäre
Der Gesamtmarkt legt um 0,5 Prozent zu, rechnerisch also von rund 20,1 auf 20,2 Millionen Geräte. Diese Stagnation entsteht ausschließlich durch Apple. Zieht man die 5 Millionen faltbaren iPhones ab, bleiben 15,2 Millionen Geräte – gemessen am Vorjahresmarkt ein Minus von gut 24 Prozent.
Der Rückgang trifft also nicht einzelne Nachzügler, sondern das etablierte Feld. Als Ursache benennt der Bericht von TrendForce stark gestiegene Bauteilkosten, unter denen die meisten Marken bestenfalls das Vorjahresniveau halten. Ein Marktforscher mit Zugang zur Display- und Bauteil-Lieferkette hat für solche Aussagen eine belastbare Grundlage, gibt aber eine Schätzung ab: Apples tatsächliche Absatzzahlen wird niemand vor dem Weihnachtsquartal kennen, und Apple weist iPhone-Stückzahlen seit Jahren nicht mehr einzeln aus.
Zwei Prognosen, die nicht zusammenpassen
Anfang August stand für das laufende Jahr noch ein Wachstum von 20 Prozent im Foldable-Segment im Raum, gestützt auf Angaben aus der Lieferkette und auf die Vorbereitung von rund 10 Millionen Geräten bei Apples Zulieferern. Aus diesen 20 Prozent sind jetzt 0,5 geworden. Beide Zahlen stammen aus derselben Branche, aber von unterschiedlichen Häusern und aus unterschiedlichen Phasen: einmal vor, einmal nach der Vorstellung mit belastbarem Termin.
Auch bei Apples eigener Stückzahl gehen die Angaben auseinander. Eine Prognose, die Apple einen Anteil von rund 25 Prozent zuschreibt, rechnet mit bis zu 6 Millionen Geräten, TrendForce mit 5 Millionen. Beim Anteil landen beide fast gleichauf – ein Hinweis darauf, dass die Häuser vor allem den Gesamtmarkt unterschiedlich groß ansetzen. Aufgelöst ist der Widerspruch damit nicht, und keine der beiden Zahlen lässt sich derzeit überprüfen.
Was Apples Bauweise für die Branche ändert
Über die reinen Stückzahlen hinaus beschreibt der Bericht, woran sich der Wettbewerb künftig entscheidet: an dünneren Bauweisen, an weniger sichtbaren Knicken und an der Haltbarkeit über Jahre. Beim Duo hebt TrendForce den zehnlagigen Aufbau des inneren Displays samt Nanotextur hervor, dazu Rahmen und Scharnierabdeckung aus Titan Grad 5, ein Gewicht von rund 254 Gramm und 5,2 Millimeter Bauhöhe im aufgeklappten Zustand.
Den Preis dafür zahlt die Kamera: Ein eigenes Periskop-Tele fehlt, das 48-Megapixel-Hauptmodul liefert stattdessen einen zweifachen Zoom in optischer Qualität, und statt Face ID sitzt Touch ID im Seitenschalter. Der Bericht liest diese Entscheidungen als Beleg dafür, wie eng der Zielkonflikt zwischen Bauhöhe, Kameratechnik, Biometrie und Akku in dieser Geräteklasse bleibt.
Fünf Millionen in zehn Wochen
Die Prognose ist ambitionierter, als die Jahreszahl vermuten lässt. Das Duo kommt am 23. Oktober in den Handel, bis zum Jahresende bleiben 69 Verkaufstage. Fünf Millionen Geräte in diesem Zeitraum bedeuten im Schnitt rund 72.000 verkaufte Exemplare pro Tag – bei einem Einstiegspreis von 2.299 Euro hierzulande. Zum Vergleich braucht Samsung für seine 7,1 Millionen Geräte das gesamte Jahr und eine eingeführte Produktreihe.
Wer hierzulande mit dem Gedanken spielt, sollte die Prognose deshalb nicht als Verfügbarkeitsversprechen lesen: Eine Zahl in dieser Größenordnung setzt voraus, dass die Fertigung von Anfang an mitzieht. Genau daran hatte es in der Lieferkette zuletzt Zweifel gegeben. Für den Rest der Branche ist die Rechnung unangenehm eindeutig – der einzige Wachstumsbeitrag des Jahres kommt von einem Gerät, das erst zehn Wochen vor Silvester in die Läden kommt.
Hältst du fünf Millionen faltbare iPhones in gut zwei Monaten für realistisch – oder ist das bei diesem Preis eine Zahl für die Tabelle und nicht für den Ladentisch? Schreib uns in die Kommentare, wie du die Rechnung siehst.



