Die Vorstellung dauerte wenige Minuten, das technische Datenblatt ist deutlich ergiebiger. Es zeigt eine Bedienung, die es so auf keinem iPhone gab, zwei Frontkameras mit erheblichem Abstand zueinander – und eine Taste, die seit Jahren zum iPhone gehörte und hier schlicht fehlt.
Das erste faltbare iPhone kommt am 23. Oktober in den Handel, vorbestellen lässt es sich ab dem 16. Oktober. Zwischen der Vorstellung und dem Verkaufsstart liegen damit gut sechs Wochen, in denen sich das Gerät nur auf dem Papier beurteilen lässt. Apples Mitteilung zum iPhone Duo und die deutschen technischen Daten geben dafür mehr her, als in der Präsentation vorkam.
Das Wichtigste in Kürze
- Mit Split View lassen sich zum ersten Mal auf einem iPhone zwei Apps nebeneinander öffnen.
- Die Hauptkamera hat eine feste Blende von ƒ/1.6 – die variable Blende der Pro-Modelle fehlt.
- Die Kamera unter dem inneren Display nimmt nur in 1080p auf, die äußere schafft 4K.
- Einen Action Button gibt es nicht, dafür bleibt es bei Kamerasteuerung und Seitentaste mit Touch ID.
- Der USB-C-Anschluss überträgt mit bis zu 10 Gbit/s und gibt Bild über DisplayPort aus.
Split View: zwei Apps nebeneinander
Die auffälligste Neuerung steckt nicht in der Hardware. Auf dem inneren Display lassen sich zwei Apps gleichzeitig nebeneinander betreiben – auf einem iPhone gab es das bisher nicht. Dazu kommt die Möglichkeit, zwei Fenster derselben App zu öffnen, etwa zwei Safari-Seiten zum Vergleichen.
Gekoppelte App-Paare lassen sich sichern und später wieder aufrufen. Wer regelmäßig dieselbe Kombination braucht, ruft sie damit in einem Schritt auf statt in zweien.
Angepasst haben ihre Apps bereits mehrere Anbieter. Apple nennt Netflix, Zoom und Slack, dazu die App Detail, die ihre KI-Modelle über das neue Core AI Framework direkt auf dem Gerät ausführt.
iOS 27 sortiert die Bedienung um
Für das aufgeklappte Format hat Apple die Oberfläche umgebaut. Die Steuerelemente des Sperrbildschirms, das Dock und die Navigation der Apps wandern an die Seite, damit vertikal mehr Platz für Inhalte bleibt. Geöffnet zeigt das Display zwei Homescreen-Seiten nebeneinander, links davon die vertikal scrollbare Ansicht „Heute“ mit Widgets.
Auch die Dynamic Island ist neu angelegt: Sie sitzt jetzt vertikal am Rand beider Displays und klappt für Live-Aktivitäten auf. Die Statusleiste rückt als rundes, flexibles Element in die Displayecke.
Der Inhalt reagiert dabei auf die Bauform. Er passt sich an, wenn das Gerät gefaltet wird, dreht die Ausrichtung beim Kippen und wechselt auf das jeweils passende Display, wenn man das iPhone umdreht.
Drei Kamerafunktionen, die es nur hier gibt
Das zweite Display eröffnet Aufnahmemöglichkeiten, die ein einteiliges iPhone nicht hat.
Smart Foto löst selbständig aus. Modelle auf dem A20 Pro werten die Szene in Echtzeit aus und nehmen auf, sobald alle in Position sind – ohne Auslöser und ohne Selbstauslöser.
Duo Preview zeigt der fotografierten Person eine Live-Vorschau auf dem äußeren Display. Sie kann damit die Pose prüfen und den Bildausschnitt beurteilen, ohne hinter die Kamera zu gehen.
Blickfang spielt auf dem äußeren Display Animationen der Peanuts ab, damit Kinder in Richtung Kamera schauen.
Dazu kommt Duo FaceTime: Personen in der Nähe können über das äußere Display und die äußere Kamera an einem laufenden Videoanruf teilnehmen, ohne sich vor dasselbe Display drängen zu müssen. Und Selfies lassen sich mit den Rückkameras in höherer Auflösung aufnehmen, mit Vorschau auf dem äußeren Display.
Wo die Kamera hinter dem Pro-Modell bleibt
Das Datenblatt nennt für die 48-MP-Hauptkamera eine feste Blende von ƒ/1.6. Die variable Blende, die Apple bei den iPhone-18-Pro-Modellen als zentrale Neuerung führt, hat das Duo nicht.
Beim Ultraweitwinkel weist Apple ausdrücklich darauf hin, dass es sich um dieselbe Kamera wie in den Pro-Modellen handelt. Bei der Hauptkamera fehlt dieser Hinweis. Das Duo arbeitet außerdem mit einem Dual-Kamera-System, und der zweifache Telebereich entsteht rechnerisch aus der Hauptkamera statt über ein eigenes Objektiv.
Die beiden Frontkameras sind nicht gleichwertig
Der größte Abstand innerhalb des Geräts liegt zwischen den beiden Kameras auf der Vorderseite. Die äußere ist eine vollwertige Center-Stage-Kamera, die innere sitzt unter dem Display und kann deutlich weniger.
| Merkmal | Äußere Kamera | Kamera unter dem inneren Display |
|---|---|---|
| Auflösung | 12 MP Center Stage | keine Angabe im Datenblatt |
| Blende | ƒ/2.2 | ƒ/1.8 |
| Videoaufnahme | bis 4K Dolby Vision mit 60 fps | 1080p mit 30 oder 60 fps |
| Kinomodus | bis 4K Dolby Vision mit 30 fps | – |
| Nachtmodus | ja | – |
| Fotografische Stile | ja | – |
| Smart Foto und Blickfang | ja | – |
Wer Wert auf die Aufnahmequalität legt, klappt das Gerät für Selfies also besser zu. Die innere Kamera ist erkennbar für Videoanrufe im aufgeklappten Zustand gedacht, nicht für Fotos.
Der Action Button fehlt
In der Übersicht der äußeren Tasten führt Apple die Lautstärketasten, die Kamerasteuerung, die Seitentaste und den USB-C-Anschluss auf. Ein Action Button steht nicht darin – die Taste, die seit dem iPhone 15 Pro in den neuen Modellen sitzt und sich frei belegen lässt.
Die Seitentaste übernimmt dafür eine andere Rolle: In ihr steckt der Fingerabdrucksensor. Face ID gibt es beim Duo nicht, entsperrt wird über Touch ID oder über eine gekoppelte Apple Watch.
USB-C kann hier mehr
Der Anschluss unterstützt USB 3 mit bis zu 10 Gbit/s und gibt Bild über DisplayPort aus. Die übrigen aktuellen iPhone-Modelle bleiben bei USB 2 und den entsprechend niedrigeren Übertragungsraten.
Für alle, die größere Videodateien vom Gerät ziehen, ist das der praktisch spürbarste Unterschied im ganzen Datenblatt. Kabelloses Laden läuft mit bis zu 25 W über MagSafe und Qi2, im Karton liegt neben dem Gerät ein USB-C-Kabel mit einem Meter Länge.
Nanotextur, Apple Pencil und die Maße
Die Nanotexturbeschichtung, die Spiegelungen und sichtbare Falten reduziert, liegt nur auf dem inneren Display. Das äußere trägt Ceramic Shield 2.
Die Unterstützung für den Apple Pencil steht im Datenblatt mit einer Fußnote: Sie kommt später in diesem Jahr, und zwar für das Modell mit USB-C. Zum Start ist sie nicht dabei.
Bei den Maßen liegt der interessante Wert in der Tiefe. Geöffnet misst das Gerät 5,2 Millimeter, geschlossen 11,3 – also mehr als das Doppelte. Das Gewicht beträgt in beiden Zuständen 254 Gramm, die Höhe bleibt mit 117,8 Millimetern gleich, die Breite wächst von 84,1 auf 164,6 Millimeter.
eSIM ohne Ausnahme
Das Duo unterstützt zwei gleichzeitig aktive eSIM und speichert acht oder mehr Profile. Eine physische SIM-Karte ist nicht vorgesehen, und zwar in keinem Markt.
Das trifft besonders China, wo Kunden bislang überwiegend zu physischen Karten greifen und der Verzicht auf den Kartenschacht als Hindernis galt. Apple zieht die Umstellung nun ohne regionale Ausnahme durch. Was der Wegfall im Alltag bedeutet, steht im Beitrag zur eSIM-Umstellung.
Was das Datenblatt über die Prioritäten verrät
Die Streichliste ist bemerkenswert konsistent. Variable Blende, dediziertes Teleobjektiv, Face ID, Action Button – überall dort, wo Platz oder Bauhöhe knapp werden, hat Apple gekürzt. Was dazugekommen ist, kostet dagegen keinen Bauraum: Split View, die Kamerafunktionen über das zweite Display, der schnellere USB-Anschluss.
Damit ist das Duo kein iPhone 18 Pro in faltbar, sondern ein eigenes Gerät mit anderem Schwerpunkt. Die über Jahre gewachsenen Erwartungen an ein faltbares iPhone lassen sich damit erstmals gegen belegte Daten halten. Wer die beste Kamera sucht, findet sie weiterhin im Pro-Modell – für 850 Euro weniger. Wer Fläche und Multitasking will, bekommt beides nirgendwo sonst.
Die offene Frage bleibt das innere Display. Nanotextur, Titanplatte und ein Scharnier aus über hundert Teilen sind ein erheblicher Aufwand gegen sichtbare Falten und Kratzer. Ob er reicht, zeigt sich erst im Dauerbetrieb.
Bis zur ersten Praxisprüfung dauert es
Bis zum 23. Oktober bleibt das Datenblatt die einzige belastbare Grundlage. Erst danach lässt sich prüfen, wie sich das innere Display im Alltag schlägt und wie viel die 24 Stunden typische Nutzung bei zwei Displays wert sind.
Was wiegt für dich schwerer – die zusätzliche Fläche mit Split View oder die stärkere Kamera im Pro-Modell? Schreib uns in die Kommentare, welche der beiden Streichungen du am ehesten verschmerzen würdest.



