Als Apple 2024 ChatGPT in Siri holte, galt das für OpenAI als Türöffner zu hunderten Millionen iPhones. Zwei Jahre später erklärt OpenAI vor Gericht, die Anbindung sei weit hinter den eigenen Erwartungen geblieben. Das Eingeständnis ist ungewöhnlich offen, und es kommt nicht ohne Grund.
Die Aussage steht in einem Antrag, den OpenAI in dieser Woche beim Bundesgericht in Fort Worth eingereicht hat. Dort läuft seit August 2025 die Kartellklage, mit der X Corp und xAI Apple und OpenAI wegen der ChatGPT-Anbindung verklagt hatten. Apple ist inzwischen nicht mehr Partei, seit Musk die Ansprüche gegen Apple Mitte September zurückgezogen hat. Gegen OpenAI läuft das Verfahren unter dem Aktenzeichen 4:25-cv-00914-P weiter.
Die Passagen zur Nutzung hat die Financial Times aus der Eingabe ausgewertet, die übrige Argumentation des Antrags steht in einem Bericht von Reuters. OpenAI verlangt, dass Richter Mark Pittman noch vor dem Prozess zu seinen Gunsten entscheidet.
Das Wichtigste in Kürze
- OpenAI erklärt in einem Gerichtsantrag, die ChatGPT-Anbindung in Apple Intelligence sei deutlich hinter den Erwartungen geblieben.
- Schon rund einen Monat nach dem Start im Dezember 2024 senkte OpenAI die Prognose für zusätzliche wöchentlich aktive Nutzer.
- Als möglichen Grund nennt die Eingabe, dass die Anbindung ab Werk ausgeschaltet war.
- Die Aussage stützt OpenAIs Verteidigung: Wer eine schwache Partnerschaft belegt, bestreitet damit auch eine Marktabschottung.
- Der Prozess gegen OpenAI ist für Januar angesetzt.
Was OpenAI dem Gericht vorlegt
Beim Abschluss der Vereinbarung 2024 rechnete OpenAI laut Eingabe mit einer Art Ausstrahlungseffekt: mehr Bekanntheit durch Apples Werbung und die Nähe zur Marke, dazu zusätzliche Abos von Nutzern, die über Apple Intelligence zu ChatGPT finden. Beides blieb offenbar aus.
Rund einen Monat nach dem Start wirkte die Integration nach OpenAIs Darstellung schleppend. Das Unternehmen senkte die Prognose, wie viele zusätzliche angemeldete wöchentliche Nutzer es direkt über die Anbindung gewinnen würde. Spätestens im Sommer 2025 sei klar gewesen, dass die Integration dramatisch hinter den Erwartungen zurückblieb.
Mehrere interne Gespräche in der Eingabe sind geschwärzt. Die lesbaren Stellen zeigen laut Financial Times, dass Führungskräfte bei OpenAI befürchteten, Apple könne sich schneller als gedacht einen weiteren KI-Partner suchen.
Ab Werk ausgeschaltet
Als eine mögliche Ursache verweist die Eingabe auf Apples Umsetzung: Die ChatGPT-Erweiterung war nach dem Update nicht aktiv, Nutzer mussten ChatGPT in den Einstellungen von Apple Intelligence selbst einrichten. Wer das nicht tat, bekam von der Anbindung nichts mit.
Auch nach dem Einschalten fragte Siri standardmäßig nach, bevor eine Anfrage an ChatGPT ging. ChatGPT blieb auf dem iPhone damit eine Zusatzoption, die Nutzer bewusst ansteuern mussten.
Deutsch kam erst dreieinhalb Monate später
Für deutschsprachige Nutzer beginnt die Geschichte später als für die USA. iOS 18.2 brachte die Anbindung am 11. Dezember 2024, Apple Intelligence verstand zu diesem Zeitpunkt aber ausschließlich Englisch. Deutsch kam erst mit iOS 18.4 am 31. März 2025 dazu, gemeinsam mit Französisch, Italienisch und Spanisch.
Die erste gesenkte Prognose fällt damit in eine Phase, in der Apple Intelligence noch kein Deutsch sprach. Zwischen diesem ersten Befund und der Einschätzung vom Sommer 2025 lag der deutschsprachige Start. An OpenAIs Gesamturteil hat er nach dessen Darstellung nichts geändert.
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| Juni 2024 | Apple kündigt die ChatGPT-Anbindung an |
| 11. Dezember 2024 | iOS 18.2 bringt die Anbindung, nur auf Englisch |
| rund einen Monat später | OpenAI senkt laut Eingabe die Nutzerprognose |
| 31. März 2025 | iOS 18.4 bringt Apple Intelligence auf Deutsch |
| Sommer 2025 | laut OpenAI klar, dass die Integration deutlich zurückbleibt |
| August 2025 | X Corp und xAI verklagen Apple und OpenAI |
| Mitte September 2026 | Kläger ziehen die Ansprüche gegen Apple zurück |
| Januar 2027 | geplanter Prozessbeginn gegen OpenAI |
Worauf OpenAI den Antrag stützt
Die schwache Nutzung ist nur ein Baustein. OpenAI bestreitet grundsätzlich, eine Monopolstellung zu haben, die für einen Kartellverstoß Voraussetzung wäre. Laut Financial Times verweist das Unternehmen zudem darauf, dass es Marktanteile an Google, Anthropic, Meta und Grok verliere.
Ein zweites Argument betrifft die Kläger selbst. xAI gehört inzwischen zu SpaceX, und dessen Registrierungsunterlagen für den Börsengang enthalten laut OpenAI Angaben, die dem in der Klage behaupteten Wettbewerbsschaden direkt widersprechen. Die Unterlagen hätten mit der Untergangsstimmung des Verfahrens nichts gemein, heißt es sinngemäß in dem Antrag.
Hinzu kommt die offene Frage nach der Einigung zwischen Apple und den Klägern. OpenAI hatte schon nach der Rücknahme Zugang zu deren Inhalt verlangt, weil sie die verbliebenen Ansprüche berühren könne.
Ein Eingeständnis mit Prozesskalkül
Die Aussage ist ein Parteivortrag, keine Feststellung des Gerichts. OpenAI hat ein handfestes Interesse daran, die Partnerschaft klein zu reden: Eine Anbindung, die kaum Nutzer bringt, taugt schlecht als Beleg dafür, dass Apple und OpenAI gemeinsam den Markt abgeschottet hätten. Die geschwärzten Passagen machen die Aussage zusätzlich schwer überprüfbar.
Unplausibel ist sie trotzdem nicht. Sie deckt sich mit der Unzufriedenheit bei OpenAI, über die im Mai berichtet wurde, und mit Apples Kurs seitdem: Siri AI stützt sich inzwischen auf Googles Gemini-Modelle, und Apple streitet seit Juli in einem eigenen Verfahren mit OpenAI um KI-Hardware. Wir rechnen nicht damit, dass ChatGPT auf dem iPhone noch einmal die Rolle bekommt, die OpenAI sich 2024 davon versprochen hat.
Hast du die ChatGPT-Anbindung in Apple Intelligence je eingeschaltet – und nutzt du sie heute noch, oder öffnest du lieber direkt die App? Erzähl uns in den Kommentaren, wie du es hältst.



