Apple sieht sich in Japan erneut deutlicher Kritik aus der Tech-Branche ausgesetzt. Mehr als 600 Unternehmen und Organisationen werfen dem Konzern vor, dass die kürzlich angepassten Zahlungsregeln im App Store für Entwickler keine echte Alternative darstellen. Trotz formaler Öffnung des Systems fehle es aus wirtschaftlicher Sicht an praktikablen Optionen. Die Debatte gewinnt an Brisanz, weil die Verbände nun weitere regulatorische Schritte fordern.
Im Dezember kündigte Apple mehrere Änderungen an seinen App-Store-Regeln in Japan an. Hintergrund war die Anpassung an das japanische Gesetz über den Wettbewerb im Bereich mobiler Software, den Mobile Software Competition Act (MSCA). Die neuen Regelungen betreffen den Vertrieb von Apps, erlaubte Zahlungsarten und die allgemeinen Geschäftsbedingungen für Entwickler.
Viele dieser Änderungen ähneln Maßnahmen, die Apple bereits in anderen Regionen umgesetzt hat. Auch dort reagierte das Unternehmen auf neue Wettbewerbsgesetze und zunehmenden regulatorischen Druck. Apple selbst bewertete das MSCA positiv und erklärte, es schaffe einen besseren Ausgleich zwischen Offenheit für Entwickler und der Sicherheit des Ökosystems als etwa der Digital Markets Act in Europa.
Neue Freiheiten mit neuen Gebühren
Kern der Änderungen ist, dass Entwickler in Japan Nutzer auf Angebote außerhalb der App verweisen dürfen. Zudem können alternative Zahlungsmethoden innerhalb von Apps angeboten werden. Diese neuen Freiheiten sind jedoch an zusätzliche Gebühren gebunden.
Apple erhebt Provisionen von bis zu 15 Prozent auf webbasierte Transaktionen, die außerhalb des App Stores stattfinden. Zusätzlich fallen weitere Gebühren an, wenn Apps nicht über den offiziellen App Store vertrieben werden. Damit bleibt Apple auch bei externen Zahlungswegen finanziell beteiligt.
„Keine praktikable Option“ aus Sicht der Branche
Genau diese Gebührenstruktur sorgt für scharfe Kritik. Sieben IT-Branchenverbände in Japan, die zusammen mehr als 600 Unternehmen und Organisationen vertreten, bewerten die neuen Regeln als unzureichend. Zu den Mitgliedern zählen große IT-Unternehmen, Spielehersteller und Softwareentwickler.
Laut einem Bericht von The Japan News erklärten die Verbände, die neuen Richtlinien böten „keine praktikable Option“. Es gebe keinen wirtschaftlichen Anreiz, die neu zugelassenen Zahlungsmethoden zu nutzen, da die zusätzlichen Provisionen den möglichen Vorteil für Entwickler weitgehend aufzehren würden.
Die Verbände fordern stattdessen einen Markt, in dem tatsächlich eine Vielzahl von Zahlungsmethoden zur Verfügung steht und frei genutzt werden kann. Ziel sei echter Wettbewerb, nicht nur eine formale Erweiterung der Optionen unter weiterhin restriktiven Bedingungen.
Kritik auch an Google und frühere Stellungnahmen
Die aktuelle gemeinsame Erklärung folgt nur wenige Tage nach einer schriftlichen Stellungnahme des Mobile Content Forum vom 29. Januar. Das Mobile Content Forum gehört zu den sieben Verbänden und hatte darin sowohl Apple als auch Google für ihren Umgang mit alternativen Zahlungsmodellen kritisiert.
Schon in dieser Stellungnahme wurde deutlich gemacht, dass die bestehenden Regelungen aus Sicht der Branche keine echte Wahlfreiheit schaffen. Die nun veröffentlichte Erklärung baut auf dieser Kritik auf und verstärkt den öffentlichen Druck.
Forderung nach erneutem Eingreifen der Kartellbehörde
Der Bericht von The Japan News weist zudem darauf hin, dass die Erklärungen Teil eines größeren Ziels sind. Die Verbände versuchen, die japanische Kartellbehörde dazu zu bewegen, den Fall erneut zu prüfen. Sollte es dazu kommen, könnten weitere Durchsetzungsmaßnahmen gegen Apple und möglicherweise auch gegen Google folgen.
Ob die Behörden tatsächlich erneut eingreifen werden, ist derzeit offen. Klar ist jedoch, dass die Unzufriedenheit in der japanischen Tech-Branche anhält und die bisherigen Anpassungen von Apple nicht als ausreichende Lösung wahrgenommen werden.
Apple steht weiter unter regulatorischem Druck in Japan
Die Diskussion um Apples Zahlungsregeln in Japan zeigt, dass regulatorische Anpassungen allein nicht ausreichen, wenn sie aus Sicht der Entwickler wirtschaftlich unattraktiv bleiben. Trotz neuer formaler Freiheiten sehen viele Unternehmen keinen realen Nutzen in den angebotenen Alternativen. Der Druck auf Apple wächst damit weiter, und es bleibt abzuwarten, ob zusätzliche regulatorische Schritte folgen oder ob der Konzern seine Regeln erneut anpassen muss. (Bild: Shutterstock / Boris-B)
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